Die spanische Philosophin und Tierethikerin Susana Monsó hat darüber ein Buch geschrieben, „Das Schweigen der Schimpansen“ (im Insel Verlag auf Deutsch erschienen). Das Werk wird Anfang März mit dem österreichischen Preis „Wissenschaftsbuch des Jahres 2026“ ausgezeichnet. <BR /><BR />Wenn der Partner, das Kind oder ein Gefährte stirbt, bricht für Menschen eine Welt zusammen. Wie aber erleben Wildtiere den Tod? Schließlich gehören fressen und gefressen werden, jagen und gejagt werden für sie zum Alltag. <BR /><BR />Bei verschiedenen Tierarten wurde in den vergangenen Jahren tatsächlich immer wieder ein Verhalten beobachtet, das Verlust, Trauer und Schmerz zeigt. Laut „National Geographic“ sind sich Verhaltensforscher mittlerweile sicher, dass die inneren Prozesse vieler Tierarten genauso komplex sind wie jene der Menschen – sie können sie nur nicht über Sprache ausdrücken. <BR /><BR />Mit der Trauer um verendete Artgenossen setzt sich unter anderem die Philosophin Susana Monsó in ihrem philosophisch-empirischen Werk „Das Schweigen der Schimpansen“ auseinander. Monsó gehört zu den führenden Köpfen der „Vergleichenden Thanatologie“. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1282518_image" /></div> <BR /><BR />Die noch junge Forschungsrichtung, abgeleitet vom griechischen „thanatos“ (Tod), untersucht die Beziehung von Tieren zum Tod – als Fachrichtung an der Schnittstelle zwischen Ethologie und vergleichender Psychologie. Zu den Schwerpunkten der Forschungsrichtung gehört die Untersuchung der kognitiven Voraussetzungen, die ein Tier aufweisen muss, um ein Bewusstsein von Sterblichkeit zu entwickeln.<BR /><BR />Monsó, 1988 in Madrid geboren und Professorin für Logik, Geschichte und Wissenschaftsphilosophie an der UNED in Madrid, präsentiert in „Das Schweigen der Schimpansen“ eine Fülle an Informationen und Beispielen. Die Gretchenfrage dabei: Können Tiere den Tod verstehen? Diese Frage beantwortet die spanische Philosophin schnell mit: Ja. Allerdings rückt Monsó vom „emotionalen Anthropozentrismus“, also vom An- und Umlegen menschlicher Maßstäbe auf die Tierwelt, ab. <BR /><BR />Stattdessen präsentiert sie eine Fülle an Informationen und Beispielen aus der Tierwelt: So wurde 2018 ein Orca-Weibchen dabei beobachtet, wie es ein Jungtier gebar. Dieses lebte keine 30 Minuten. Danach trug die Mutter ihr totes Kalb zwei Wochen lang durchs Meer. Ameisen hingegen reagieren auf bestimmte Botenstoffe, die tote Körper absondern. Riecht ein Ameisenkörper danach, wird er kurzerhand aus dem Bau entfernt. Schimpansen hingegen verstummen, wenn sie einen toten Artgenossen sehen. <h3> Von „Trauer“ bis Sich-Tot-Stellen</h3>Forscher wurden auch Zeugen, wie eine Gruppe von Goldstumpfnasenaffen, die lange bei einer verendeten Äffin ausharrte, sie beschnupperte und sie umarmte. Eine Schule Delfine wurde gesichtet, wie sie einem sterbenden Tier dabei halfen, sich über Wasser zu halten – sie formten so etwas wie ein Floß und trugen es eine Weile mit sich. <BR /><BR />„Play possum“ hingegen ist im Englischen ein Synonym für „sich totstellen“: Gerät das Virginia-Opossum in Not, kippt es auf die Seite und liegt da in einer Art Fötusstellung, der Schwanz ist eingerollt, Augen und Mund weit offen, die Zunge heraushängend. Dazu sondert es eine übelriechende Flüssigkeit ab, die Körpertemperatur fällt und die Zunge verfärbt sich. Kurz: Das Tier stellt sich tot. Wenn sich dann Fressfeinde nähern, „erwacht“ es wieder und verschreckt diese. Dies ist für Susana Monsó eines der besten Beispiele dafür, wie verbreitet das Konzept Tod im Tierreich ist.<h3> Wissenschaftsbuch des Jahres 2026</h3>„Das Schweigen der Schimpansen. Wie Tiere den Tod verstehen“ wird am 2. März mit dem Preis „Wissenschaftsbuch des Jahres 2026“ in der Kategorie „Naturwissenschaft/Technik“ ausgezeichnet. Seit 2007 wird die Wahl zum „Wissenschaftsbuch des Jahres“ durchgeführt und ist eine Aktion des österreichischen Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung gemeinsam mit der Buchkultur Verlag GmbH und der österreichischen Buchbranche. Mit der Initiative soll der Stellenwert des wissenschaftlichen Sachbuches deutlich gemacht werden. (www.wissenschaftsbuch.at)<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1282521_image" /></div>