Seit seiner Jugend ist Erich Oberpertinger leidenschaftlicher Vespa-Fahrer. Ungefähr genauso lange beschäftigt er sich damit, seine Vespas schneller und leistungsstärker zu machen.<BR /><BR />„Mit 14 Jahren fuhr ich meine erste Vespa und begann daran rumzubasteln. Ich baute den Motor auseinander, schaute die einzelnen Teile an und überlegte, wie ich sie verändern kann, um sie schneller zu machen. Ich war von der Komplexität des Motors sofort beeindruckt und diese Faszination hat mich bis heute nicht losgelassen“, erzählt der 35-Jährige bei einem Treffen in seiner Produktionshalle in der Klausner Handwerkerzone.<BR /><BR />Die Faszination für Zweitaktmotoren und deren Bestandteile ist den Worten Oberpertingers deutlich anzumerken und in seiner Halle überall sichtbar: Vergaser hier, Zylinder dort, Motoren mit kleinen oder großen Auspuffanlagen – für Vespa-Liebhaber ein wahres Paradies. Wenn man bedenkt, dass ein einziger Motor aus rund 300 Einzelteilen besteht, kann man sich vorstellen, wie komplex die Entwicklung eines schnelleren Motors sein muss. „Alles hat mit der Entwicklung eines Auspuffs angefangen, in die ich viel Schweiß und Herzblut investiert habe“, sagt Oberpertinger. Heute produziere er von der Kupplung bis zum Zylinder fast alle Teile des Motors selbst. Nur den Vergaser stellt er aufgrund dessen Komplexität nicht selbst her.<h3> Wie alles begann</h3>Im Jahr 2017 gründete er den Betrieb „Egig Performance“, in Anlehnung an seinen Kosenamen aus frühester Kindheit. Neben seinem Beruf als Koch begann er, Spezialteile für Vespas zu produzieren, mit denen sich die Motorleistung steigern ließ – der Beginn des Vespa-Tunings.<BR /><BR />„Bis zur Corona-Pandemie war ich nebenher als Koch im elterlichen Betrieb beschäftigt. Als die Verpflegungsbetriebe aufgrund der Auflagen schließen mussten, hatte ich mehr Zeit, mich dem Vespa-Tuning zu widmen. Auch die Nachfrage stieg in dieser Zeit, da auch andere Vespa-Tüftler mehr Zeit hatten in den Garagen an ihren Zweitaktern zu basteln und nach speziellen Teilen zu suchen. In dieser Zeit hat sich die Nachfrage nach meinen Produkten verdreifacht. Deshalb entschied ich mich 2020, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und mich hauptberuflich dieser Tätigkeit zu widmen. Meinen Beruf als Koch gab ich dafür auf“, erzählt Oberpertinger.<BR /><BR />Seine Kunden kommen vorwiegend aus dem italienischen und deutschen Sprachraum, 20 Prozent sind internationale Abnehmer. Der Vertrieb findet hauptsächlich über Online-Versand statt. Gekauft werden können Einzelteile zum Selbereinbauen oder bereits einbaufertige Zweitaktmotoren. Inzwischen liefert „Egig Performance“ pro Jahr rund 100 Motoren und mehrere Hundert Motorenbausteine an Kunden aus. Entwickelt und konzipiert werden sie von Oberpertinger selbst, produziert werden die Teile italienweit. In der Produktionsstätte in Klausen finden die Tests statt und der Versand wird von da aus abgewickelt.<h3> Bestseller: Vespa mit 170 Kubikzentimetern Hubraum</h3>Durch sein jahrelanges Tüfteln und Basteln hat Erich Oberpertinger die Vespa 50, deren Motor aufgrund des geringen Hubraumes normalerweise für kürzere Strecken konzipiert ist, grundlegend weiterentwickelt. Durch kontinuierliche Verbesserungen steigerte er den Hubraum von ursprünglich 50 auf 170 bis 220 Kubikzentimeter und machte die Vespa somit auch für Langstreckenfahrten geeignet.<h3> Weltrekord</h3>Erich Oberpertinger nimmt regelmäßig an regionalen und internationalen Vespa-Treffen teil, bei denen die Motorleistung der Fahrzeuge an Prüfständen getestet wird. Mit seinen Vespas hat er mehrmals die beachtliche 100-PS-Marke überschritten und dabei mehrere Preise gewonnen. Aktuell hält er mit seiner Vespa „The Beast“ mit 104 PS den Rekord für den stärksten Motor der Welt. „Darauf bin ich sehr stolz. Es zeigt mir, dass sich die harte Arbeit und der Einsatz der vergangenen Jahre ausgezahlt haben. Auch wenn diese Vespa nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen ist, erfüllt mich der Rekord mit großer Genugtuung und motiviert mich, meinen Weg weiterzugehen“, sagt Oberpertinger.