Das Fazit: Die große Vielfalt an Ökosystemen beherbergt eine hohe Biodiversitätsdichte, die allerdings im verstärkten Ausmaß Pflege und Schutz erfordert. Hier die wichtigsten Erkenntnisse. <BR /><BR />Welch umfangreiches Unterfangen sich hinter dem ziemlich sperrigen Begriff Biodiversitätsmonitoring verbirgt, lässt sich aus einigen Eckdaten herauslesen: Ein Kernteam von acht Personen hat unter Einbindung weiterer Helfer im Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 440 Standorte (320 terrestrische und 120 Fließgewässer) in ganz Südtirol systematisch nach Vielfalt in der Natur abgesucht bzw. im wahrsten Sinne des Wortes abgegrast.<BR /><BR />Nota bene: Nicht nur nach Vielfalt der Arten, sondern nach genetischer Vielfalt innerhalb der Arten sowie der Vielfalt von Lebensräumen. Denn genau diese Aspekte umfasst die Biodiversität. „In der Tat handelt es sich bei diesem Monitoring um eine sehr umfassende Erhebung, die ihresgleichen sucht, weil sie nicht nur eine oder zwei spezifische Arten im Fokus hat“, skizziert Studienleiter Andreas Hilpold die Bedeutung.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1262451_image" /></div> <BR /><BR /> Das Hauptaugenmerk wurde hierbei auf sogenannte taxonomische Gruppen gelenkt, die besonders sensibel auf Klima- und Landnutzungsänderungen reagieren, die man also getrost als Indikatoren für den Zustand der Lebensräume betrachten kann: Gefäßpflanzen, Vögel, Fledermäuse, Heuschrecken und Tagfalter sowie wirbellose Kleinstlebewesen in den aquatischen Standorten. Dank seiner speziellen Lage zwischen Mittelmeerraum und Alpen, seiner geologischen Vielfalt und dem bemerkenswerten Höhenspektrum verfügt Südtirol über sehr gute Voraussetzungen zur Beherbergung einer hohen Biodiversität. Schätzungen zufolge lässt sich der Artenreichtum hierzulande mit etwa 5.000 Gefäßpflanzen sowie 30.000 Tieren beziffern, darunter etwa 500 Arten von Wirbeltieren.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1262454_image" /></div> <BR />Wenn man Hilpold nun nach seinen Erkenntnissen aus dem fünfjährigen Monitoring fragt, so erhält man eine differenzierte Antwort, die man sowohl als Mahnung wie auch als Ermutigung auffassen darf: „Man sieht die positiven Auswirkungen von naturnaher Bewirtschaftung für die Biodiversität, aber es ist ganz klar, dass viele natürliche Lebensräume einem starken Druck ausgesetzt sind bzw. in manchen Lagen bereits weichen mussten.“ <BR /><BR />Insbesondere zu nennen sei hier die systematische Zurückdrängung von Feuchtgebieten, Mooren und Auwäldern, welche bekanntermaßen veritable Biodiversitäts-Hotspots sind. Die bisherigen Maßnahmen schätzt Hilpold als zu kleinflächig ein. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1262457_image" /></div> <BR />Bei einem gesonderten Blick auf die unterschiedlichsten Lebensräume – Wiesen und Weiden, Äcker und sogenannte Dauerkulturen, Wälder, alpine Lebensräume, Feuchtgebiete, Fließgewässer sowie Siedlungsgebiete – lässt sich die vereinfachte Formel herausfiltern: Je mehr Vielfalt der Mensch zuzulassen bereit ist, desto besser für die Natur. <h3><b>Je mehr Vielfalt, desto besser</b></h3>Das bedeutet etwa für den Wald, auf unterschiedliche Entwicklungsphasen mitsamt Totholz zu achten, für die sog. Dauerkulturen Strukturelemente wie Trockensteinmauern oder Hecken vorzusehen oder aber im alpinen Bereich gezielt auf extensive Weidebewirtschaftung zu setzen. Nur drei Beispiele von vielen, wie man Rückzugsräume schaffen kann. <BR /><BR />„Es lässt sich sagen, dass es leider noch nicht gelingt, unseren großen Biodiversitätsschatz umfassend zu bewahren“, meint Hilpold nachdenklich, „allerdings lässt sich sehr wohl von einem Paradigmenwechsel sprechen, wenn es um das gestiegene Bewusstsein für den Wert der Natur geht.“ Damit sei zumindest das Fundament geschaffen, von der Theorie ins Tun zu kommen. Und hier habe jeder Einzelne Möglichkeiten: im eigenen Ort, im eigenen Garten und sogar auf dem eigenen Balkon.