110.231,58 Euro: Dieses Loch klaffte im Schuljahr 2017/2018 im Mensasäckel. 522 Kinder haben den Dienst genutzt, deren Eltern haben die Kosten aber nicht bezahlt. „Das war vor meiner Zeit und da hat es immer geheißen, dass jedes Kind ein Recht auf eine warme Mahlzeit habe“, sagt die aktuell zuständige Stadträtin Johanna Ramoser. Das Argument sei natürlich schlagkräftig, aber der Gedanke nicht zu Ende gedacht. <BR /><BR />„Natürlich darf kein Kind Hunger haben, aber dass wir alle gratis verköstigen geht auch nicht. Wir haben das Geld nicht zu verschenken“, sagt sie. Gewisse Kreise haben herausgefunden, dass so gut wie gar nichts passiert, wenn man die Kosten nicht begleicht. „Das hat sich herumgesprochen und uferte schlussendlich aus“, berichtet Ramoser. Und das obwohl es eine Reihe von Ermäßigungen gibt, die genutzt werden können, sollte sich das Elternhaus in einer finanziellen Schieflage befinden. „Es hat auch besonders Schlaue gegeben, die sich die Verköstigung ihrer Kinder auf alle Fälle hätten leisten können, aber trotzdem nicht gezahlt haben. Das muss auch gesagt werden.“ Um der Abstaubermentalität einen Riegel vorzuschieben, wurden im Rathaus Gegenmaßnahmen erarbeitet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-60202870_quote" /><BR /><BR />In Zusammenarbeit mit den zuständigen Ämtern wurde überlegt, wie man die Schulden eintreiben könnte. Mittels Konvention mit den Südtiroler Einzugsdiensten startete man einen ersten Versuch. Das Ergebnis war eher mau. Daraufhin wurde beschlossen, am Mensa-Anmeldesystem Hand anzulegen. „Es wurde so umprogrammiert, dass Eltern, die im Jahr zuvor noch Mensaschulden hatten, ihr Kind für das neue Schuljahr nicht anmelden konnten“, erklärt Ramoser. Dieser Plan ging auf. Innerhalb von 5 Jahren konnte der Schuldenstand um fast 100.000 Euro gesenkt werden. Im Schuljahr 2021/2022 beliefen sich die Ausstände auf 20.971 Euro. Und: Die Anmeldungen blieben in etwa gleich. <BR /><BR />Mittlerweile sind auch andere Gemeinden des Landes auf das Bozner Modell aufmerksam geworden. „Natürlich waren, wie so oft, nicht alle mit der neuen Regelung einverstanden. Ich bin aber der Meinung, dass es für uns als Gemeindeverwaltung die Pflicht ist, dafür zu sorgen, dass kostenpflichtige Dienste, die in Anspruch genommen werden, auch bezahlt werden. Es gehe ohnehin nicht um große Summen, aber bei diesem Thema vor allem ums Prinzip“, sagt Ramoser.<BR /><BR />