Der ASGB-Chef hat der Politik mehrere Vorschläge unterbreitet, wie sie den Familien unter die Arme greifen könnte, doch auf eine Reaktion wartet er bis heute. <BR /><BR /><BR />Vor allem die Zahl der Menschen im Land, die trotz Vollzeitarbeit kaum oder gar nicht mehr über die Runden kommen, steigt weiter. Eine Familie aus Bozen hat bisher 1300 Euro Kondominiumspesen bezahlt – heuer sind es 2500. „Und viele bekommen die Rechnung erst nächstes Jahr präsentiert“, warnt Tschenett. <BR /><BR />Dabei sind laut jüngst veröffentlichten ASTAT-Zahlen bereits jetzt fast 40.000 Südtiroler Haushalte armutsgefährdet. Diese Zahl dürfte noch weiter steigen, sollte das Land nicht rasch gegensteuern. Doch dafür fehle offiziell das nötige Geld, so der ASGB-Vorsitzende. <h3> Schieflage im Landeshaushalt</h3>Dabei habe die Schieflage schon beim Landeshaushalt fürs laufende Jahr begonnen, ärgert er sich. Wenn die Mobilität sogar mehr Geld bekomme als das Soziale, dann stimme etwas nicht. Es sei höchst an der Zeit, dass die Landesregierung etwas unternimmt und entsprechende Maßnahmen setzt. „Doch die befindet sich offensichtlich noch immer im Winterschlaf“, so Tschenett. <BR /><BR />Vor Wochen bereits hatte der Vorsitzende des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes der Landesregierung ein Schreiben geschickt, in dem er auf die enorme Teuerungsrate und die massiven Auswirkungen auf die Kaufkraft der Bürger hingewiesen hat. Gleichzeitig hat Tschenett Vorschläge für kurzfristig umsetzbare Maßnahmen deponiert. Sie alle verfolgen das Ziel, einen Beitrag zur Verringerung des Kaufkraftverlustes zu leisten.<BR /><BR />Die wohl am einfachsten umsetzbare Maßnahme ist, die Sozialtransfers, die seit Jahren nicht mehr der Inflation angepasst wurden, „um mindestens 10 Prozent zu erhöhen“, so Tschenett. Betreffen würde dies das soziale Mindesteinkommen, Beiträge für Miete und Wohnungsnebenkosten, für Wohnungsnebenkosten für Senioren, das Landeskindergeld und die Studienstipendien. Und auch eine Aufstockung der Gelder für Kollektivverträge im öffentlichen Dienst würde Erleichterung bringen, so Tschenett. Antwort auf seine Vorschläge bzw. Forderungen habe er bis heute keine bekommen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-54039140_quote" /><BR /><BR />Dabei hätte der ASGB-Vorsitzende sogar einen Vorschlag unterbreitet, wie man zumindest einen Teil der durch die Maßnahmen gegen die Teuerung anfallenden Mehrkosten abfedern könnte. Durch die staatliche Reform der Familienzulagen, die seit März in Kraft ist, spare sich das Land nämlich jährlich allein in den Bereichen Schule, Landesverwaltung und Sanität rund 6 Millionen Euro, weil die Leistungen für die öffentlich Bediensteten nicht mehr über den Lohn, sondern direkt vom INPS ausbezahlt werden.<BR /><BR />„Ein Teil der Einsparungen sollte jenen Familien zugutekommen, denen die Landesleistung Covid-19-Kindergeld ausbezahlt wurde“, schlägt Tschenett vor. Bei dieser Kategorie wisse man nämlich genau, dass sie pandemiebedingt Einkommensverluste hinnehmen musste und ökonomische Hilfsleistungen dringend benötigt. „Da viele dieser Familien in den sogenannten Mittelstand fallen, wäre auch die Abdeckung eines Teils des Mittelstandes mit Förderungen gewährleistet“, so Tschenett. Der andere Teil der Einsparungen sollte hingegen zur Aufstockung des Beitrages für Wohnungsnebenkosten für Senioren verwendet werden.<BR />