Außerdem erklärt sie, warum Eltern ihre Kinder auch öfter mal zum Durchhalten animieren sollten anstatt nur die bequemste Lösung durchgehen zu lassen.<BR /><BR /><b>Frau Niederstätter, der Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter wird neuerdings immer mehr Bedeutung zugemessen. Warum?</b><BR />Monika Niederstätter: Das hat mit mehreren Dingen zu tun. Noch immer wirkt die Hochphase der Coronakrise nach, denn darunter hat die Kindergesundheit arg gelitten. Sehr viele Kinder haben es sich in den Lockdowns angewöhnt, daheim vor dem Fernsehgerät und dem Computer ihre Freizeit zu verbringen. Vor allem Einzelkindern und Kindern ohne Wiese und Garten fehlten schlichtweg die Möglichkeiten, sich sozial auszutauschen. Somit haben sich viele einfach die Bewegung abgewöhnt.<BR /><BR /><b>Heißt also: Es wäre in jenen Fällen höchst an der Zeit, Bewegung wieder in den Alltag einzubauen? </b><BR />Niederstätter: Genau. Wir Menschen sind nun mal Gewohnheitstiere, weshalb wir auf unsere natürlichen Kreisläufe achten sollten. Damit meine ich die natürliche Wechselwirkung zwischen Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung. Kinder lieben und brauchen Bewegung, sie entwickeln sich nur durch Bewegung – sowohl körperlich als auch geistig und emotional. Die logische Folge ist dann das natürliche Bedürfnis nach einer gesunden Ernährung, nach Vitaminen und Mineralstoffen. Damit verbunden sind Entspannung und eine bessere Stressbewältigung.<BR /><BR /><b>Nun sagen Sie selbst, dass Kinder ein inneres Verlangen nach Bewegung haben. Dennoch hat es den Anschein, dass immer mehr Kinder träge und lustlos wirken, oder?</b><BR />Niederstätter: Dieser Eindruck stimmt, er kann mit unzähligen Studien untermauert werden. Heute fehlen vielen Kindern banale Sachen wie im Freien herumtollen oder auf Bäume kraxeln. Früher gehörte das wie selbstverständlich zum Kindsein dazu, gerade auf diese Weise hat man spielerisch elementare Dinge erlernt, beispielsweise sich selbst im Raum wahrzunehmen und ein Bewusstsein für den eigenen Körper aufzubauen. Heute sind viele Kinder mit Aktivitäten überhäuft, mitunter auch von Eltern fremdgesteuert. <BR /><BR /><b>Aber viele Kinder besuchen doch die Sportkurse in den Vereinen, lernen mitunter Schwimmen und Tennis im Sommer und Skifahren im Winter …</b><BR />Niederstätter: Eben sollte man gerade in diesen Fällen genauer hinschauen: Wollen das die Kinder aus eigener Motivation heraus oder erfüllen sie damit bloß die Wünsche ihrer Eltern. Dieses Programm kann oft überzogen sein, also zu leistungsorientiert. Denn bis zum Ende der Mittelschule ist es sinnvoller, den Kindern die Freude an der Bewegung zu vermitteln und das Körperbewusstsein in den Mittelpunkt zu stellen. Erst ab etwa 12 Jahren ist es auch aus anatomischen Gesichtspunkten her ratsam, sich auf einzelne Sportarten zu spezialisieren. Gerade in dieser Frage hätten die Sportvereine noch viel Potenzial nach oben.<BR /><BR /><b>Was meinen Sie damit genau?</b><BR />Niederstätter: Wenn sich bereits die Trainer und Funktionäre in den Sportvereinen zu sehr über die Leistungen ihrer Schützlinge definieren, so kommen die spielerischen Elemente zu kurz. Vor allem weniger geschickte Kinder oder bewegungsfaule Kinder bleiben außen vor – für sie gibt es so gut wie keine Angebote. Das führt bei den betroffenen Kindern vielfach zur Angst, sich zu blamieren und so ziehen sie sich zurück. Gerade diese Lücke möchten wir mit dem Lehrgang „Gesundheitstrainer für Kinder“ im Bildungshaus Kloster Neustift füllen. Mit einfachen Übungen, mit Bewegungstheater und auch tänzerischen Elementen sollen sie an die Freuden und die Vorteile der Bewegung herangeführt werden. Das stärkt zugleich auf ihr Selbstwertgefühl. <BR /><BR /><b>Darüber hinaus erfüllt sportliche Betätigung wichtige soziale Komponenten, etwa Gruppendynamik oder das Anpeilen gemeinsamer Ziele …</b><BR />Niederstätter: Sport ist eine hervorragende Lebensschule, daran besteht kein Zweifel. Hinzufügen möchte ich hierbei vor allem den Umgang mit Sieg und Niederlage. Gerade mit Niederlagen muss das Kind umgehen lernen. Es wird auch später im Leben immer wieder mal Phasen geben, in denen es nicht so läuft, weshalb es gut ist, schon im Kindes- und Jugendalter mit Frustrationen umzugehen. Deswegen sollten die Eltern ihre Kinder auch öfter mal zum Durchhalten animieren anstatt nur die bequemste Lösung durchgehen zu lassen.<BR />