Mittwoch, 12. August 2020

Viele Spitäler in Beirut laut WHO „nicht funktionsfähig“

Die Explosionskatastrophe in Beirut und die Corona-Pandemie haben Libanons Gesundheitssystem in eine tiefe Krise gestürzt. Mehr als die Hälfte der medizinischen Einrichtungen in der Hauptstadt seien nach der verheerenden Detonation im Hafen nicht mehr funktionsfähig, teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Mittwoch mit. Zugleich kletterte die Zahl der täglich neu registrierten Corona-Fälle in dieser Woche auf ein Rekordhoch.

Viele Gebäude, darunter auch Krankenhäuser, wurden durch die Explosion in Beirut zerstört.
Viele Gebäude, darunter auch Krankenhäuser, wurden durch die Explosion in Beirut zerstört. - Foto: © APA (AFP) / PATRICK BAZ
Krankenhäuser werden derzeit dringend benötigt: Bei der Explosionskatastrophe vor einer Woche mit über 170 Toten wurden auch tausende Menschen verletzt. Die Suche nach Opfern ist ebenfalls noch nicht abgeschlossen.

Über die Hälfte der Krankenhäuser nicht einsatzbereit

Die UN-Unterorganisation untersuchte nach eigenen Angaben rund 55 Kliniken und Gesundheitszentren in der libanesischen Hauptstadt. Nach den verheerenden Explosionen von vergangener Woche sei über die Hälfte davon nicht einsatzbereit, konstatierte WHO-Experte Richard Brennan. Viele Gebäude wurden stark beschädigt oder ganz zerstört.

3 große Krankenhäuser in Beirut seien bei der Explosion vergangene Woche so stark zerstört worden, dass in ihnen nicht mehr gearbeitet werden könne, sagte die WHO-Vertreterin im Libanon, Iman Shankiti. 2 weitere Kliniken seien teilweise beschädigt worden. Es fehlten 500 bis 600 Betten. Verletzte sowie Corona-Patienten würden auf weitere Krankenhäuser verteilt. Viele Einrichtungen seien von der Zahl der Patienten überfordert, erklärte die WHO.

Das Gesundheitsministerium hatte am Vortag 309 neue Corona-Fälle gemeldet, die bislang höchste Zahl täglicher Neuinfizierungen. Damit verzeichnete das Land offiziell bisher mehr als 7100 Corona-Infektionen. Die Zahl der Toten in Verbindung mit dem Virus stieg demnach um 7 auf insgesamt 87.

Gedenkmarsch am Dienstag

Tausende Menschen nahmen am Dienstag inmitten der Trümmer an einem Trauermarsch zum Gedenken an die Opfer der Explosion teil. Sie zogen in der libanesischen Hauptstadt schweigend in Richtung Hafen. Viele von ihnen hüllten sich in rot-weiße Landesflaggen und riefen „Lang lebe der Libanon“. Bei der Gedenkveranstaltung wurden auch die Namen der Todesopfer verlesen.

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apa/afp