„In dieser Lebensphase können es sich die Menschen aussuchen, wie und in welchem Umfang sie sich noch am Erwerbsleben beteiligen möchten“, hieß es am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bozen, auf der die Studie „'Zweiter Aufbruch: Aktives Altern durch berufliche Neuorientierung'“ des Sozialforschungsinstituts apollis vorgestellt wurde.Die Hälfte der Südtiroler ab 55 ist beruflich nicht mehr aktiv und will dies auch größtenteils nicht mehr sein. Für die Studie wurden 240 Personen im Alter von 55 bis 70 Jahren in persönlichen Interviews zu ihrem Erwerbsverhalten befragt. Zudem wurden dreizehn persönliche Interviews mit Frauen im Alter zwischen 54 und 63 Jahren geführt, um die Situation der weiblichen Bevölkerung noch eingehender zu beleuchten. Warum arbeiten Rentner weiterIn der Studie ging es u.a. um die Frage, was die Rentner in Südtirol motiviert, weiterzuarbeiten. Denn ein Drittel der Rentnerinnen und Rentner ist beruflich noch aktiv.Ein weiteres Sechstel würde unter Umständen eine Nebentätigkeit aufnehmen, während die andere Hälfte ihren Ruhestand genießen möchte, ohne arbeiten zu müssen. Herauszufinden, wie auch dieser Teil der "Generation 55+" motiviert werden kann, weiterzuarbeiten, war der eigentliche Zweck des Projekts.„Die Arbeit macht mir einfach Spaß“ - dieser Satz fiel besonders häufig, als die erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner nach den Gründen gefragt wurden, warum sie neben ihrer Rente noch arbeiten. Etliche der Befragten begründen ihr berufliches Engagement damit, dass ihnen in der Rente ohne Arbeit langweilig sei. Aber auch finanzielle Gründe sind für viele Rentner ausschlaggebend, in gewissem Umfang weiterzuarbeiten.Einerseits sind sie auf ein zusätzliches Einkommen neben der Rente angewiesen, andererseits wollen sie sich im Alter noch einen gewissen Luxus leisten. Für die Frauen spielt der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit eine wichtige Rolle. Wer heute noch arbeitet, kann sich vorstellen, auch in „Rente“ noch zu arbeiten - ein Indiz dafür, dass das Vertrauen in die Rente schwindet und die Menschen sich um ihr wirtschaftliches Auskommen im Alter zu sorgen beginnen. Sehr viele arbeiten im familieneigenen Betrieb Die meisten der befragten erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner ab 55 arbeiten als Selbständige oder im familieneigenen Betrieb. Erwerbstätigkeit im Rentenalter heißt in Südtirol also vor allem, trotz Rente im (familien)eigenen Unternehmen weiterzuarbeiten. Sogenannte Rentnerjobs – also Tätigkeiten, die wenig spezielle Qualifikation voraussetzen und gegen eher geringen Lohn stundenweise ausgeübt werden – sind weniger verbreitet; lediglich ein Viertel der weiter erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner haben einen solche Beschäftigung. Männer und Frauen zeigen ein ähnliches Verhalten, wenn es um Erwerbstätigkeit neben der Rente geht. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Erwerbsverhalten sind im Alter offenbar nicht mehr so gravierend wie in früheren Lebensjahren. Groß bleiben dagegen die Familienpflichten für die Frauen. Oma betreut die Enkelkinder Über die Hälfte der Rentnerinnen engagiert sich bei der Betreuung der Enkelkinder, weitgehend unabhängig davon, ob sie zusätzlich noch erwerbstätig sind, oder nicht. Männer in Rente betreuen Enkelkinder wesentlich seltener, vor allem wenn sie noch einer Erwerbsarbeit nachgehen. Noch mehr erweist sich die Pflege von Angehörigen als Frauendomäne. Die befragten Rentnerinnen versorgen doppelt so häufig wie die Rentner pflegebedürftige Angehörige, und mehr noch: Die berufstätigen Rentnerinnen versorgen sogar zu einem größeren Anteil pflegebedürftige Personen, als das Nur-Rentnerinnen (und Nur-Rentner) tun. Weniger Interesse an Erwerbstätigkeit neben der Rente haben vor allem die eher Niedrigqualifizierten und diejenigen, die in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis stehen. Mehr Teilzeitangebote mit flexibler Arbeitszeitgestaltung Danach gefragt, wann sich Rentner für eine Erwerbsarbeit erwärmen könnten, gaben die meisten an, Voraussetzung sei eine 'interessante' oder 'passende' Arbeitsmöglichkeit. Der Ausbau eines attraktiven, den Bedürfnissen entsprechenden Arbeitsplatzangebots für Personen ab 55 Jahren – in der Privatwirtschaft wie der öffentlichen Verwaltung und im Nonprofit-Sektor – könnte demnach ein Anreiz sein, wieder zu arbeiten. Da die meisten Befragten im Rentenalter nicht mehr in Vollzeit tätig sein möchten, bräuchte es insbesondere mehr Teilzeitangebote, idealer Weise mit flexibler Arbeitszeitgestaltung, so eines der Ergebnisse der Studie des Sozialforschungsinstituts apollis.