<Vorspann>David Barbacovi, Vizekommandant der Bozner Stadtpolizei, vergleicht die diesjährigen Zahlen mit dem Jahr 2019 und zieht seine Schlussfolgerungen. <BR /><BR /><BR /><BR /> Heuer haben sich in Bozen bereits 4 tödliche Unfälle ereignet. Im Vergleich zu den Vorjahren ist das eine vierfache Steigerung. Gibt es dafür eine Ursache oder ist dieser Anstieg schicksalhaft? Das sagt David Barbacovi, der Vizekommandant der Bozner Stadtpolizei:<BR /><BR /><BR /></Vorspann><b><div class="img-embed"><embed id="693035_image" /></div> <BR /><BR />Herr Barbacovi, vor kurzem ist am Verdiplatz ein 62-jähriger Radfahrer zu Tode gekommen. In den Monaten davor gab es 3 weitere tödliche Verkehrsunfälle. Wie erklären Sie sich diesen Anstieg an schweren Zwischenfällen im Straßenverkehr?</b><BR />David Barbacovi: Ich habe mir die Statistik genau angeschaut und mit den Vorjahren verglichen. Effektiv gab es 2020 aber auch 2019 nur je einen tödlichen Unfall in Bozen. Heuer sind es bereits 4 Verkehrstote und deshalb haben wir insgesamt den Eindruck, dass die Zahl der Unfälle gestiegen ist. Die Daten belegen einen solchen generellen Anstieg aber nicht. <BR /><BR /><b>Barbacovi: Trotzdem, 4 Tote sind viel für eine Stadt wie Bozen. Gibt es momentan irgendwelche Faktoren, die schwere Unfälle begünstigen?</b><BR />Barbacovi: Bei dem Radfahrer, der jüngst am Verdiplatz so unglücklich gestürzt ist, war es sicher Pech. Wenn er einen Helm angehabt hätte, wäre es vielleicht anders ausgegangen. Auch bei dem holländischen Urlauber, der im Juli in Bozen-Süd unter den LKW gerutscht ist, war es einfach eine Verkettung tragischer Umstände. Es gibt keine wirkliche Erklärung für die tödlichen Unfälle. <BR /><BR /><b>„D“: Sie sagen, die Unfallzahl ist im Vergleich zu den Vorjahren nicht gestiegen?</b><BR />Barbacovi: Insgesamt hatten wir im Jahr 2019 1170 Unfälle, davon einer tödlichen. Im Jahr 2020 waren es 926 mit einem Toten, allerdings war dies auch das Jahr mit den zahlreichen Lockdowns, die den Verkehr insgesamt reduziert haben. Heuer liegen wir mit bisher 749 Unfällen im Trend des Jahres 2019. <BR /><BR /><b>Ja zur Helmpflicht</b><BR /><BR /><b>„D“: Was sind meist die Ursachen für einen Unfall, bzw. auf was müssen die Verkehrsteilnehmer besonders achten?</b><BR />Barbacovi: In den allermeisten Fällen liegt eine Verletzung der Straßenverkehrsordnung vor, zum Beispiel fahren die Betroffenen bei Rot über die Ampel oder missachten die Vorfahrt, auch eine überhöhte Geschwindigkeit oder ein Fahren abseits der Radwege ist oft ein Problem. <BR /><BR /><b>„D“: Stichwort Radwege: Sind diese in Bozen wirklich so unsicher, wie jüngst von diversen Medien geschildert wurde?</b><BR />Barbacovi: Eigentlich sind die Fahrradweg nicht gefährlich und auch die Anzahl der Unfälle ist auf diesen nicht überproportional. Zum Beispiel hatten wir heuer bislang 164 Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren. Davon hat aber auch nur ein kleiner Teil auf Radwegen stattgefunden. 2020 waren es 195 Radunfälle im gesamten Jahr und 2019 225. Wichtig wäre es allerdings, dass sich auch die Radfahrer strikt an die Straßenverkehrsordnung halten, was oft nicht der Fall ist. So wird häufig die rote Ampel missachtet, während des Radfahrens wird telefoniert oder die Radfahrer fahren gegen die Einbahn. Wichtig wäre auch eine Helmpflicht. Grundsätzlich sind Fahrradwege aber auf keinen Fall gefährlicher als die Straße.<BR /><BR /> <div class="embed-box"><div data-pinpoll-id="183726" data-mode="poll"></div></div> <BR /><BR /><b>Bei Rot über die Ampel</b><BR /><BR /><b>„D“: Der Radfahrer nimmt sich oft nicht wirklich als Verkehrsteilnehmer wahr und beachtet somit die Regeln weniger als der motorisierte Verkehrsteilnehmer?</b><BR />Barbacovi: Das kann man so sagen. Manchmal erlebe ich Dinge, bei denen ich fast meinen Augen nicht trauen kann. Etwa wenn ein Radfahrer mit dem Handy am Ohr gegen die Einbahn fährt. Außerdem sind 70 bis 100 Übertritte pro Monat bei Rot auf Radfahrer zurückzuführen, die nicht erfasst werden können, da sie kein Kennzeichen haben. Generell sind die Rote-Ampel-Übertretungen an den 9 Kontrollpunkten in der Stadt letzthin stabil geblieben. <BR /><BR /><b>„D“: Der Monat August war heuer ein Ausreißer, was die Zahl der Unfälle angeht. Warum?</b><BR />Barbacovi: Ja, das stimmt. Im August gab es verhältnismäßig viele Unfälle, nämlich 101. Im Schnitt haben wir sonst 70 bis 90 Unfälle pro Monat. Es kann daran liegen, dass heuer wieder viele Touristen in der Stadt waren, einige Einheimische aber nicht verreist sind.