Sprengel-Direktorin Renate Kollmann über Herausforderungen, zunehmende sprachliche Vielfalt und Verunsicherungen.<BR /><BR /><b> Frau Direktor Kollmann, zuerst zu den Zahlen. Heuer mehr oder weniger Kinder?</b><BR />Renate Kollmann: Die Zahl stagniert heuer bei 1600, ist aber seit einigen Jahren besonders in Meran leicht sinkend. Die Komplexität, was die sprachliche, kulturelle und familienspezifische Vielfalt betrifft, nimmt aber kontinuierlich zu. Daher brauchen wir das Personal dringend, um allen Situationen, die Kinder und deren Familien in den Kindergarten bringen, zu begegnen. <BR /><BR /><b>Was erfordert dies?</b><BR />Kollmann: Vielfalt braucht eine verständliche Kommunikation mit den Familien. Dazu greifen wir auf unsere Sprachkompetenzen – auch auf Englisch – zurück. Wir versuchen Informationen so einfach wie möglich zu gestalten über Fotos und Symbole und wir involvieren Sprachmediatoren. Dies erfordert von den pädagogischen Fachkräften sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit. In einer Gemeinde wie Meran ist oft die Hälfte der Kinder nicht deutscher Muttersprache. Vertrauensbildende Kommunikation mit der Familie braucht viel Zeit. Was wir auch vermehrt feststellen, ist eine gewisse Verunsicherung der Eltern als Mama, als Papa. <BR /><BR /><b>Wie äußert sich die?</b><BR />Kollmann: Sehr viele Eltern sind unsicher, wie sie ihr Kind erziehen sollen. Sie haben eine maximale Auswahl an Informationsquellen – auch im Internet – und müssen sich erst orientieren. Manchmal erleben wir auch, dass Eltern lieber bester Freund des eigenen Kindes sein möchten als Mutter oder Vater mit Erziehungsverantwortung. Wir bemerken das auch an der zunehmenden Anzahl an Verhaltensauffälligkeiten der Kinder. Grundsätzliche Regeln, die in einer Gemeinschaft wichtig sind, kennen Kinder oft nicht. Sehr oft erleben wir auch Familien, die keine Kraft mehr haben und Hilfe brauchen. Daher arbeiten wir in 3 Meraner Kindergärten mit sozialpädagogischen Fachkräften, die Familien auch außerhalb unterstützen. <BR /><BR /><b>Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten?</b><BR />Kollmann: Oft liegt diese in einem erhöhten Medienkonsum des Kindes, der nicht kontrolliert wird. Manche Kinder schlafen mit dem Handy ein.<BR /><BR /><b>Zurück zur Sprachenvielfalt: Wie macht’s der Kindergarten?</b><BR />Kollmann: Ein Kind lernt Sprache durch Begegnungen und kommt übers Hören zum Sprechen. Unsere Bildungssprache ist die deutsche Sprache. Deutsch ist nicht die bessere Sprache, sondern die verbindende Sprache im Kindergarten. Beispielsweise lesen wir ein- und dieselbe Geschichte auf Deutsch vor und ein Elternteil, das in den Kindergarten kommt, in der Sprache der Familie. Die pädagogischen Fachkräfte sind professionelle Sprachbegleiterinnen. Wir begleiten alles, was wir tun, sprachlich – eingebettet in unseren Alltag. <BR /><BR /><b>Die Schulen stöhnen unter dieser Sprachenvielfalt...</b><BR />Kollmann: Im Gegensatz zur Schule arbeiten wir nicht mit einem fixen Stundenplan und Fächern. Wir können Interessen individuell aufgreifen und dranbleiben – und wir müssen nichts bewerten. Diese Situation überfordert uns nicht, aber wir brauchen die zur Verfügung gestellten personellen Ressourcen. <BR /><BR /><b>Ihr Anliegen für den Kindergartenbetrieb?</b><BR />Kollmann: Wir sind kein Ort der reinen Bespaßung, wir sind Ort der achtsamen Begleitung und der inklusiven Bildung.