Das Leben vieler Bauern hat mit der kolportierten Beschaulichkeit früherer Tage rein gar nichts mehr zu tun. Hart war das Leben am Hof immer schon. Doch nun kommt für viele Landwirte durch den finanziell unvermeidlichen Nebenerwerb eine Doppelbelastung hinzu. Darunter können Mensch und Tier leiden, wie jüngst am Landesgericht ein Prozess rund um angeklagte Tierquälerei aufgezeigt hatte.<h3> Zum Nebenerwerb gezwungen</h3>Angeklagt war ein 33-jähriger Bauer, der seit Jahren zum Nebenerwerb gezwungen ist. Vier Kinder und das Vieh im Stall müssen ernährt, Leasingraten beglichen und ein 380.000-Euro-Darlehen für den Hofumbau abgestottert werden. Im Dezember hatte sich die Situation für den Arbeiter zugespitzt. Geplagt von massiven gesundheitlichen Problemen, war der Arbeitsdruck wegen der bevorstehenden Winterpause am Bau besonders groß gewesen.<BR /><BR />Kurz zuvor hatte er jedoch noch acht Kälber zugekauft, die im kalten Stall bald erkrankt waren. Auf Symptome wie Abmagerung, Durchfall oder Erkältungsanzeichen war der 33-Jährige darauf aber nicht ausreichend eingegangen. Der zu den Tierqualen geständige Landwirt zu Richterin Andrea Wegscheider: „Ich kam komplett fertig vom Bau. Meistens war es schon 19 oder 20 Uhr.“ Nur das Nötigste wurde im Stall noch gemacht, die Kälber nur unzureichend versorgt. Ein Todesurteil für drei der Kälber, die im Jänner bei einer unangemeldeten Routinekontrolle der Veterinärbehörde verendet aufgefunden wurden. Ein weiteres Kalb starb Tage später.<h3> Verteidigung beantragte Diversion</h3>Verteidiger Hannes Bodner betonte in seinem Plädoyer, dass sein Mandant zu den Geschehnissen zwar voll geständig ist, es sich hier aber um keinen Fall bewusster Tierquälerei handle: „Kein Bauer kauft für tausende Euro Kälber an und lässt sie dann einfach verenden. Der Mandant ist unter Einfluss der Doppelbelastung zusammengebrochen. Seien wir froh, dass wir im Land noch so fleißige Leute haben.“ In der Gesamtschau der Situation beantragte RA Bodner deshalb eine Diversion für den Geständigen<BR />.<h3> Situation nun verbessert</h3>Dieser beteuerte, dass er „an seinen Tieren doch hängen“ würde. Seit dem Vorfall habe er im Stall zahlreiche Verbesserungen im Stall umgesetzt – bis hin zu Wasserleitungen, die nun nicht mehr zufrieren können. Mit dem Arbeitgeber habe er vereinbart, dass er künftig um 16 Uhr am Hof sein müsse. Richterin Wegscheider hörte es und beließ es bei einer Diversion (siehe unten) über 1000 Euro samt Verfahrenskosten.<BR /><BR /><b>Was versteht man unter einer Diversion? <BR /></b><BR />In Fall einer Diversion bekommt der Beschuldigte bzw. der Angeklagte das Angebot, sich einer belastenden Maßnahme zu unterwerfen (z.B. gemeinnützige Leistung oder Geldzahlung).Wird ein Strafverfahren mittels Diversion beendet, erfolgt kein Schuldspruch und keine formelle Verurteilung. bekommt .