Über 2000 Menschen waren vor vier Jahren nach Brixen gekommen, um der Bischofsweihe beizuwohnen. Der damalige Patriarch von Venedig, Kardinal Angelo Scola, der Trientner Erzbischof Luigi Bressan und Bischof Manfred Scheuer aus Innsbruck spendeten dem Nachfolger des unerwartet verstorbenen Bischofs Wilhelm Egger die Bischofsweihe. Bischof Golser wandte sich nach der Weihe mit den ergreifenden Worten „Für Euch bin ich Bischof, mit Euch bin ich Christ“ an die Gläubigen aus dem ganzen Land. Nach nur zwei Jahren musste Karl Golser wegen seiner schweren Krankheit von seinem Amt zurücktreten.Tröstende WorteSein Nachfolger Bischof Ivo Muser fand am Sonntag bei der Eucharistiefeier zum vierten Weihetag tröstende und hoffnungsvolle Worte für das schwere Leiden von Karl Golser: „Das Leid ist für uns Christen kein Verhängnis, kein blindes Schicksal und keine Strafe, sondern Anteil an jenem Kreuz, das die Welt erlöst hat.“ Im Leben von Bischof Golser träfen sich eine sehr aktive und jetzt eine passive Phase: „Nur Gott kann sie zusammenhalten und fruchtbar machen. Bischof Golser wirkt auch jetzt, wenn auch anders als wir es uns wünschen und es verstehen. Uns allen wird zugemutet mit offenen und ungelösten Fragen zu leben. Aber ganz in der Mitte unseres Glaubens steht die österliche Hoffnung: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, Hoffnung und Auferstehung.“ Bischof Karl dürfe auch die Erfahrung machen, dass er von vielen Menschen umgeben sei, die ihm helfen und beistehen. Vor allem dankte Bischof Ivo Frau Margareth Vikoler, die seit Jahrzehnten Karl Golser begleitet. „Wir sind froh, dass unser Bruder zu Hause gepflegt werden kann“, meinten die anwesenden Geschwister von Bischof Karl.Schwer begreiflichAltbischof Karl verfolgte vom Rollstuhl aus im vollen bischöflichen Ornat und mit wachem Auge die Hl. Messe, empfing die Kommunion und freute sich über den Friedensgruß aller Anwesenden. Vieles im jetzigen Leben von Bischof Karl sei schwer begreiflich, doch „es ist einer da, der auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann“, meinte Bischof Muser.„Du, Bischof Karl, sprichst auch jetzt, wo du sprachlos geworden bist, zu uns. Du hast unserer Gesellschaft immer noch viel zu sagen.“