„Jäger und Sammler“ titelt das SZ-Magazin. Die Ausgabe Nummer 11, am Freitag erschienen, ist „Ein Männerheft“. „Der Mann als Jäger und Sammler – das klingt irgendwie primitiv nach Steinzeit“, heißt es im SZ-Magazin. Was würde da besser passen als Knochen und Wald?Für das Cover ging Fotograf Rafael Krötz auf die Pirsch – in Südtirol. Dort baute er im Prader Ortsteil Schmelz, am Eingang des Sulden- und Trafoitales, eine meterhohe Holzskulptur auf.Unterstützt wurde er dabei von Lorenz Kuntner, jenem Mann, der im Vinschgau auch als der „Indianer“ bekannt ist.Am Suldenbach hat er sich sein eigenes künstlerisches Reich geschaffen, mit Totempfählen, bunten Steinen und Gebilden aus rostigen Blechteilen.Südtirol Online: Ein Südtiroler Wald auf dem Cover des „SZ-Magazin“: Wie ist es dazu gekommen?Rafael Krötz: Ich arbeite regelmäßig für das „SZ-Magazin“. Vor allem, wenn es um Tüfteleien geht, kommen sie gerne zu mir. Sie wussten aber auch, dass ich gerne draußen arbeite.STOL: Wieso ausgerechnet ein Wald im Vinschgau?Krötz: Ich habe schnell vorgeschlagen, das Shooting in Südtirol zu machen, weil ich da jemanden kenne. Ursprünglich wollten wir dieses Symbol nur aus Ästen bauen und haben uns aber gedacht: ‚Beim Thema ‚Jäger und Sammler‘ muss noch mehr rein.‘ Da habe ich Lorenz (Kuntner, Anm.d.Red) gefragt, ob er uns mit Materialien unterstützen würde.STOL: War die Idee des Marssymbols eine Vorgabe oder stammte sie von Ihnen?Krötz: Die Idee kam vom Magazin. Es sollte ein „Männerheft“ werden.STOL: Woher kennen Sie Lorenz Kuntner?Krötz: Ich habe meine Diplomarbeit vor sechs, sieben Jahren in Südtirol geschrieben. Dabei habe ich u.a. Lorenz portraitiert, eingerahmt in seinen Arbeiten. Seitdem bin ich jedes zweites Jahr bei ihm, schaue mir seine neuen Arbeiten an und zeige meine. Lorenz kam mir bei diesem Projekt gleich in den Sinn.STOL: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?Krötz: Lorenz hat uns mit den Materialien unterstützt, er hat einen riesigen Fundus. Er hat uns aber auch Orte gezeigt. STOL: In die Äste, die Sie im Wald gefunden haben, haben sie verschiedene „Highlights“ eingebaut.Krötz: Wir haben Geweihe, Knochen, Rehpfoten und -beine benutzt. Es waren auch komplette Wirbelsäulen dabei, die in diese Kreisform gut reingepasst haben.STOL: Aufgebaut wurde dann alles mitten im Wald bei Prad am Stilfserjoch.Krötz: Das war direkt neben Lorenz‘ Haus. Am Boden haben wir einen Rohling gebaut und ihn dann mithilfe von Schnüren bestückt. Irgendwann wurde die Skulptur so schwer, dass wir uns Hilfe aus dem Dorf holen mussten, um sie nach oben zu hieven.STOL: Wie lange waren Sie in Prad?Krötz: Insgesamt waren wir vier Tage da: Zwei Tage lang haben wir nach der richtigen Stelle gesucht und gebaut. Dann haben wir die Skulptur noch weitere zwei Tage hängen lassen, um sie in den verschiedenen Lichtsituationen zu fotografieren: unter künstlichem Licht, bei Nacht und bei Sonnenlicht. Am Ende haben wir uns für die helle Sonnensituation entschieden.STOL: Sie hatten sich Nebel erhofft.Krötz: Es gab leider keinen Nebel und so mussten wir mit einer Nebelmaschine nachhelfen.STOL: War das ein Wunsch von Ihnen?Krötz: Das war ein Wunsch von mir. Zum einen, weil es zum Thema passte, so mystisch aussieht. Zum anderen war die optische Trennung zwischen dem Ring und dem Hintergrund bei normalem Licht nicht stark genug. Das ist natürlich für ein Cover, wo der Betrachter nach ein, zwei Sekunden schon sehen muss, worum es geht, nicht ideal. Das mit dem Nebel hat dann super funktioniert, wir mussten uns nur die Windrichtung ausrechnen. Der Nebelvorhang zog hinter dem Objekt durch und hat es selber nicht tangiert, sodass es dann relativ klar vor dem Hintergrund stand.STOL: Welche war bei diesem Setting die größte Herausforderung für Sie als Fotograf?Krötz: Die ergab sich erst vor Ort – man weiß nicht, was auf einen zukommt. Ursprünglich wollten wir mehr Schnee haben. Am ersten Tag hatte es zwar ziemlich stark geschneit, dann wurde das Wetter wieder besser und der Schnee fiel leider schnell wieder von den Ästen herunter. Dann hatten wir aber eigentlich doch Glück, dass durch ein Wolkenfenster die Sonne kam – das konnten wir dann ausnutzen. Man kann das nicht richtig planen.STOL: Musste das Foto im Nachhinein noch retuschiert werden?Krötz: Oft muss bei solchen Titelbildern manipuliert werden, da kommt hier ein Baum weg oder einer dazu, damit ein Buchstabe besser erkennbar ist. Unser Aufbau war schon so gut, dass genau über dem Symbol der Haupttitel steht und genau darunter die Unterzeile, und dass auch Lorenz, der mit im Bild ist, nicht tangiert wird.STOL: Das Bild konnte also so bleiben, wie es ist.Krötz: Ja, wir haben es so aufgenommen. Heutzutage kommt das fast schon reflexartig, weil einfach keiner mehr glaubt, dass man sich tatsächlich die Mühe macht und mehrere Tage an so etwas baut. Ich habe die Seile und das Geäst am Boden bewusst im Bild gelassen. Gegen diesen Verdacht muss man sich immer wieder wehren.STOL: Was ist mit dem Kunstwerk nach dem Shooting passiert?Krötz: Mit einer Leiter haben wir Lorenz‘ wertvollsten Stücke herausgenommen, dann wurde es per Seilzug heruntergelassen und komplett demontiert. Teilweise haben wir organisches Material zum Verbinden der Teile benutzt, das sich auch wieder aufgelöst hätte.STOL: Waren Sie schon öfters für Shootings in Südtirol?Krötz: Einmal für eine Architektur-Modestrecke. Das war an mehreren Orten: drei Motive befanden sich im Vinschgau, eines in Bozen. Ich hoffe aber, es wird mehr.Interview: Barbara Raich Jäger und Sammler - Wie das Cover des SZ-Magazin-Männerhefts entstand from Süddeutsche Zeitung Magazin on Vimeo.