Montag, 9. Mai 2022

Vinzenzgemeinschaft 2021: 4000 Menschen in Not geholfen

2021 haben 670 Freiwillige in 52 Südtiroler Vinzenzkonferenzen und 12 Helfergruppen rund 4000 Menschen in Not in Südtirol diskret und unbürokratisch unterstützt.

Zur Vollversammlung der Vinzenzgemeinschaft haben sich rund 110 Mitglieder im Kolpinghaus in Bozen versammelt. - Foto: © Südtiroler Vinzenzgemeinschaft

Solidarität macht uns zu Menschen, erklärte Zentralratspräsident Josef Haspinger bei der kürzlich stattgefundenen Vollversammlung vor 110 Mitgliedern der Südtiroler Vinzenzkonferenzen und Helfergruppen im Kolpinghaus in Bozen.

Zuhören, Zuwendung und Zustimmung: Das brauche jeder von uns, aber besonders wichtig sei das für Menschen in Not. Häufig unsichtbar, aber unverzichtbar stehen mehr als 600 Freiwillige der Südtiroler Vinzenzgemeinschaft im ganzen Land Bedürftigen zur Seite. Allein 2021 haben die Ehrenamtlichen der 52 Vinzenzkonferenzen und 12 Helfergruppen im ganzen Land 4000 Personen ein offenes Ohr geschenkt.

4000 Spender stellen beträchtliche Summe zur Verfügung

Sie haben sie durch Besuche aus der Einsamkeit geholt, ihnen bei Vinzi-Tafeln, bei Frühstücksausgaben, im Vinzi-Markt und in Kleiderkammern Lebensmittel und Bekleidung zur Verfügung gestellt.

In Notsituationen und in Zusammenarbeit mit Sozialdiensten haben sie unbürokratisch Miet- und Energiekosten übernommen. Insgesamt wurden 1,3 Millionen Euro an Spenden verteilt. 4000 Spender haben diese Summe zur Verfügung gestellt.

Josef Haspinger hat bei der Vollversammlung der Vinzenzgemeinschaft die Solidarität der Freiwilligen der Vinzenzkonferenzen mit Wasser verglichen. Tausendfach sei das Wasser der Solidarität in Haushalte eingedrungen, habe Menschen aus der Vereinsamung geholt, habe ihnen Sinn, Aufmerksamkeit und Unterstützung geschenkt: unter anderem auch bei den steigenden Strom- und Heizspesen, die für viele Menschen in Südtirol zu unlösbaren Problemen werden.

Jeder 6. Haushalt im Land armutsgefährdet

Corona habe die Gesellschaft gespalten und die Armut verschärft. „Das Virus hat aber auch die Solidarität unter den Mitmenschen verstärkt“, sagte Josef Haspinger. Alte Modelle wurden in Frage gestellt. Allen sei klar geworden, dass Armut Menschen auch unverschuldet treffen kann. Das macht das Leben weniger planbar, noch mehr Flexibilität ist gefragt.

Not versteckt sich und beschämt, das erfahren die sozial engagierten Freiwilligen der Vinzenzkonferenzen immer wieder. Die Schere bei den Einkommen und beim Vermögen in Südtirol klafft immer weiter auseinander. Jeder 6. Haushalt im Land ist armutsgefährdet. Das sind 17 Prozent, Tendenz steigend.

Wir-Haltung gefragt

„Solidarisches Handeln im Alltag ist notwendiger denn je“, unterstrich Josef Haspinger. Es brauche eine Haltung des Wir. Daran arbeitet die Vinzenzgemeinschaft mit viel Kraft. Im Jahr 2022 soll ein großer Schwerpunkt auf die Vernetzung und den Aufbau von Vinzi-Tafeln im ganzen Land gelegt werden. Bedürftige Menschen sollen mit Grundnahrungsmitteln unterstützt und die Armut dadurch abgefedert werden. Dafür sei noch viel Sensibilisierungsarbeit notwendig, erklärte Josef Haspinger.

Der Zentralratspräsident verwies auch auf die vorläufige Einstellung des Vinzi-Bus in Bozen. Er hat im November 2021 seinen Dienst vorläufig eingestellt: nicht etwa, weil ihm die Freiwilligen ausgegangen wären, sondern weil die Bozner Stadtregierung entschieden hat, die obdachlosen Menschen an den Stadtrand zu drängen und sie im ehemaligen Alimarket-Gebäude in Bozen Süd mit Essen zu versorgen.

Zahl der Freiwilligen der Vinzenzgemeinschaft angestiegen

Weiters erklärte Josef Haspinger, dass es nicht einfach ist, die Gefangenen im Bozner Gefängnis würdevoll zu begleiten. Walter Gufler hat diese Aufgabe von Bruno Bertoldi und Karl Fink übernommen und stößt auf viele Herausforderungen und Hürden.

„Wir setzen uns dort ein, wo Menschen durch den sozialen Rost fallen“, erklärt der Zentralratspräsident der Vinzenzgemeinschaft. Das sei nicht einfach, erfordere Fingerspitzengefühlt, Diskretion und Durchhaltevermögen. Nichtsdestotrotz ist die Zahl der Freiwilligen der Vinzenzgemeinschaft im vergangenen Jahr 2021 angestiegen.

Mehr als 670 Freiwillige sind im ganzen Land in 52 Südtiroler Vinzenzkonferenzen und 12 Helfergruppen aktiv. Und die Spender goutieren deren Einsatz. Mehr als 4000 Menschen haben der Südtiroler Vinzenzgemeinschaft insgesamt 1,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Der Verwaltungsaufwand ist gering: 9,30 von 10 Euro kommen direkt bei den Betroffenen an.

stol

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