Samstag, 27. Juni 2020

Virologe Fauci sieht ernstes Problem in den USA

Der prominente US-Virologe und Präsidentenberater Anthony Fauci hat höchst besorgt auf den rapiden Anstieg von Corona-Infektionen in vielen Bundesstaaten reagiert. „Wir haben in bestimmten Gebieten ein ernstes Problem“, sagte Fauci am Freitag bei einer Pressekonferenz der Coronavirus-Taskforce der US-Regierung. „Wir können das nur gemeinsam durchstehen.“

Manche USA-Staaten wollen die angekündigten Lockerungen nicht umsetzen.
Manche USA-Staaten wollen die angekündigten Lockerungen nicht umsetzen. - Foto: © APA (AFP) / Octavio Jones
Eine Reihe von Bundesstaaten verzeichnet derzeit die höchsten Ansteckungsraten seit Beginn der Coronakrise. Besonders betroffen sind Staaten im Süden des Landes wie Florida, Texas und Arizona, aber auch im Westen wie Kalifornien.

Wegen des Emporschnellens der Infektionen ordnete Texas am Freitag eine Schließung von Bars an. Florida verbot den Ausschank von Alkohol in Bars.

Die Coronavirus-Taskforce hielt am Freitag erstmals seit 2 Monaten wieder eine Pressekonferenz ab. Dabei war US-Vizepräsident Mike Pence bemüht, die Entwicklung in einem möglichst positiven Licht darzustellen. „Wir haben wirklich bemerkenswerte Fortschritte gemacht“, sagte er mit Blick darauf, dass zwar die Zahl der bestätigten Neuinfektionen steige, nicht aber jene der Todesopfer. Die steigende Zahl der Coronafälle führte Pence wie zuvor US-Präsident Donald Trump auf eine Ausweitung von Tests zurück.

Mehr als 126.000 Todesopfer in den USA

Mit rund 40.000 gemeldeten Fällen hatte die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA am Donnerstag einen neuen Höchststand erreicht. Pence - der der Taskforce vorsteht - sagte: „Wir haben mehr als 126.000 unserer Landsleute an die Krankheit verloren.“

Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Pence sagte, Ziel sei, „Leben zu schützen und sicher wieder zu öffnen“. Alle 50 US-Bundesstaaten hätten Maßnahmen zur Wiedereröffnung getroffen. Pence rief die Einwohner der USA dazu auf, weiterhin den Richtlinien zum Schutz vor einer Ausbreitung des Virus zu folgen. Der Vizepräsident bat sie auch, darum zu beten.

Pence betonte, mit den bisher getroffenen Maßnahmen habe man eine „solide Grundlage für alle Herausforderungen geschaffen, die in den kommenden Tagen oder Monaten auf uns zukommen könnten“. Er räumte aber auch ein: „Wir haben noch Arbeit vor uns.“



Kritiker werfen US-Präsident Trump vor, der Krise nicht mehr die notwendige Beachtung beizumessen. Der Präsident drängt schon seit Wochen auf eine rasche Rückkehr zur Normalität, um im Wahljahr 2020 die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Die Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass bisher wahrscheinlich nur ein Bruchteil der Infektionen erfasst wurde. „Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen“, sagte CDC-Direktor Robert Redfield. Die meisten Experten machen in erster Linie die von Trump vorangetriebene Lockerung von Corona-Beschränkungen in den Bundesstaaten für die steigenden Fallzahlen verantwortlich.

Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, kritisierte die Regierung für ihren Umgang mit der Corona-Krise. Der Widerstand gegen die Wissenschaft, das „Leugnen“ und die verspätete Reaktion auf die Pandemie habe zu Todesfällen geführt, sagte Pelosi am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Am Freitag sagte Trump kurzfristig einen Wochenendausflug zu seinem Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey ab. Eine Begründung nannte das Weiße Haus zunächst nicht. New Jersey hatte vor wenigen Tagen gemeinsam mit den Bundesstaaten New York und Connecticut eine zweiwöchige Quarantäne für Besucher angeordnet, die eine besonders vom Coronavirus betroffene US-Region besucht haben. Dazu gehört auch Arizona, wo Trump in dieser Woche war.

apa

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