Hat jetzt auch die Welt der Pferde ihre Pandemie? Ausgehend von Spanien wütet ein gefährliches Virus bereits in mehreren Ländern. In Südtirol schrecken Fälle von erkrankten Tieren und die Sperre eines Betriebs in Bozen viele Pferdezüchter auf. Wie schätzen Tierärzte die Situation ein?<BR /><BR /><BR /><BR /><i>Von Stephan Pfeifhofer</i><BR /><BR /><BR />Landestierarzt Dr. Paolo Zambotto versucht, zu beruhigen: „Dieses Virus zirkuliert seit Jahrzehnten. Immer wieder tauchen Fälle auf. Hin und wieder sind einige Tiere symptomatisch. Wegen des Seuchenherdes in Valencia ist die Aufmerksamkeit der Tierärzte gestiegen.“ Ist ein Pferd einmal mit dem Herpes-Virus infiziert, so bleibt es dies ein ganzes Leben lang, erklärt der Landestierarzt. In Südtirol sei in den vergangenen Tagen noch kein Pferd wegen dieses Herpes-Virus verendet. <BR /><BR />Insgesamt sind laut gestrigem Stand 4 Pferde betroffen – alle aus demselben Reitstall in Bozen. „Eines der befallenen Pferde hatte Fieber“, berichtet Zambotto. Die Pferde hätten keinen Kontakt gehabt haben zu anderen Infektionsherden in Italien oder im Ausland. Insgesamt werden in dem Betrieb in Bozen über 30 Pferde gehalten – von denen bisher über die Hälfte bei Turnieren eingesetzt wurden. Bis jetzt gibt es keinen Nachweis dafür, dass die in Bozen gehaltenen Pferde sich bei einem Turner angesteckt hätten.<BR /><BR /><b>Betrieb in Bozen gesperrt</b><BR /><BR /> Die Inkubationszeit bei Herpes betrage bis zu 10 Tage, erklärt Dr. Christian Piffer vom Tierärztlichen Dienst in Bozen. Die Turniere lägen aber bereits länger zurück. Der Betrieb in Bozen sei gesperrt worden. „Da darf niemand mehr hinein oder heraus.“ <BR /><BR />Piffer weist darauf hin, dass die Pferde früher immer fleißig gegen Herpes 1 geimpft wurden. „In den vergangenen Jahren wurde dann weniger geimpft – und leider Gottes sind dies auch ein wenig die Folgen der Vernachlässigung der Impfung.“ Das Problem dabei: Gegen Herpes müsste den Pferde alle 6 Monate der Impfschutz verabreicht werden – mit entsprechenden Kosten. „Die Immunität ist nur von kurzer Dauer“, berichtet Piffer. <BR /><BR />Bemerkt ein Pferdehalter auffällige Symptome bei seinen Tieren, so sollte er es vermeiden, mit diesen irgendwo hin zu fahren wie etwa zu Reitveranstaltungen oder Ausstellungen, rät der Leiter des Tierärztlichen Dienstes im Sanitätsbetrieb. Ein entsprechendes Bewegungsverbot gebe es wegen der aufgetretenen Fälle in Italien noch nicht. Die FISE (Federazione Italiana Sport Equestri) habe die Turniere und Wettbewerbe ausgesetzt – als Vorsichtsmaßnahme nach den Vorfällen in Valencia. <BR /><BR /><b>Dramatische Szenen</b><BR /><BR />Teilnehmer einer Turnierserie in Valencia berichten von dramatischen Szenen und der Trauer nach dem Verlust der vertrauten Vierbeiner. „Die große Sorge ist nun, dass sich das Virus verändert haben und es aggressiver geworden sein könnte“, sagt Piffer. „Das ist aber eine reine Spekulation – dazu gibt es noch keine Daten.“ Das Herpes-Virus der Pferde übertrage sich nicht auf andere Tiere – und auch nicht auf den Menschen.<BR /><BR /> Zwischen den Fällen in Südtirol und jenen in Valencia gebe es keinen Zusammenhang; in der spanischen Hafenstadt an der Südostküste sollen mindestens 10 Pferde verendet sein. Piffer geht davon aus, dass es sich bei den in Südtirol befallenen Pferden um eine normale klassische Form des Herpesvirus 1 handelt. Jetzt gehe es darum, die Bestände „durchzuimpfen“. Es handle sich um keine Pflichtimpfung: Jeder Besitzer müsse sein Risiko abwägen, so Piffer.<BR /><BR />