Ein Gericht in Reggio Emilia stellte in einem beschleunigten Verfahren fest, dass es „unzureichende Beweise“ für eine Verurteilung des ehemaligen Kulturstaatssekretärs und Präsidenten des Museums für moderne Kunst Rovereto (MART) gebe. Die Staatsanwaltschaft Reggio Emilia hatte ursprünglich eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten gefordert.<BR /><BR />Die Ermittlungen begannen zwar in Macerata, da Sgarbi in San Severino Marche (Provinz Macerata) wohnt und dort früher Bürgermeister war, sie wurden später aber nach Reggio Emilia verlegt. <BR /><BR />Das Gemälde von Rutilio Manetti, einem Vertreter des Seneser Manierismus, entstand zwischen 1637 und 1639 und zeigt Soldaten, die dem Richter einen bärtigen Mann vorführen. Der Wert wird auf 200.000 bis 300.000 Euro geschätzt. Das Werk war 2013 aus dem Schloss Buriasco bei Turin gestohlen worden, wie die Kunstspezialeinheit der Carabinieri mitteilte. Im Jänner 2024 durchsuchte die Polizei drei Immobilien Sgarbis in Rom und nahe Macerata. Das Gemälde von Rutilio Manetti wurde schließlich in einem Anwesen der Familie Sgarbi in Ro Ferrarese entdeckt. Dort befand sich auch eine 3D-Kopie des Bildes, die in einer Werkstatt in Correggio in Auftrag gegeben worden war.<BR /><BR />In einer Folge der investigativen Fernsehsendung Report berichtete die Schlosseigentümerin Margherita Buzio, Diebe hätten das Gemälde aus dem Rahmen geschnitten. Zuvor habe ein Freund Sgarbis das Anwesen besucht und reges Interesse am Kauf des Bildes bekundet.<BR />Die Ermittler gingen davon aus, dass das Werk auf betrügerischem Wege in Sgarbis Besitz gelangt sei. Sie vermuteten außerdem, Restauratoren hätten später eine kleine Fackel in eine Ecke des Bildes gemalt, um dessen Identifizierung zu erschweren. 2021 war das Gemälde in einer Ausstellung in Lucca zu sehen, wobei Sgarbi als Eigentümer aufgeführt wurde.<BR /><BR />Der Politiker erklärte hingegen , er habe das Bild vor mehr als 20 Jahren in einer Villa entdeckt, die seine Mutter ihm in Viterbo, rund 100 Kilometer nördlich von Rom, gekauft habe. Die Herkunft des Bildes sei keineswegs illegal. Zwei Sgarbi vorgeworfene Delikte - Fälschung von Kulturgütern und Selbst-Geldwäsche von Kulturgütern - waren bereits eingestellt worden. „Dieser Fall zeigt erneut, wie mediale Kampagnen einem unschuldigen Bürger ungerechtfertigte moralische und materielle Schäden zufügen“, erklärten Sgarbis Anwälte.<BR /><BR />Sgarbi hatte infolge der Ermittlungen 2024 sein Amt als Kulturstaatssekretär aufgegeben. Daraufhin schlitterte er in eine Depression, wegen der er in einem römischen Krankenhaus behandelt werden musste und von der er sich bis heute noch nicht vollständig erholt hat.