Mittwoch, 29. März 2017

Vizebürgermeister: „Egetmann hat sich UNESCO-Aufnahme verdient“

Es war ein kleiner Rückschlag für den traditionsreichen Egetmann-Umzug in Tramin: Die italienische Kommission hat sich entschlossen, für 2018 eine andere Veranstaltung für die Aufnahme ins immaterielle Weltkulturerbe der UNESCO zu nominieren. Entmutigt ist man im Traminer Rathaus deswegen nicht.

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„Sicher wäre es schön gewesen, wenn die Nominierung sofort geklappt hätte“, betont der Vizebürgermeister der Gemeinde Martin Foradori. Enttäuscht sei man von dem Aufschub jedoch nicht: „Der Egetmann-Umzug ist eine fast 500 Jahre alte Tradition. Da kommt es auf das eine Jahr mehr oder weniger nicht an.“

Denn dass der Egetmann-Umzug irgendwann ins immaterielle UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wird, daran zweifelt Foradori nicht: „Wir haben bewiesen, dass der Umzug kulturell gesehen etwas Besonderes ist und dass wir uns die Aufnahme verdient haben. Das wurde uns auch von den Funktionären der UNESCO-Kommission, die in diesem Jahr vor Ort waren, bestätigt.“

„Wer den Egetmann-Umzug zum ersten Mal erlebt, muss das mal verarbeiten“

Auf die Frage, ob die Besucher aus Rom vom Umzug begeistert waren, muss Foradori lachen: „Ich glaube, ‚begeistert‘ wäre wohl das falsche Wort. Jeder Besucher, der den Egetmann-Umzug zum ersten Mal miterlebt, komme er aus Rom, Berlin oder Wien, muss das Gesehene erst einmal verarbeiten. Noch wichtiger: Es muss erklärt werden. Erst, wenn man die historischen Hintergründe kennt, wird der Egetmann zum wahren Erlebnis.“

Der Egetmann-Umzug ist unter anderem bekannt für seine Ausgelassenheit. Doch das allein mache die Tradition nicht aus: „Die Ausgelassenheit gehört dazu. Aber man darf den kulturhistorischen Wert der Veranstaltung nicht vergessen. Das gilt besonders auch für die Traminer selbst. Aber ich bin mir sicher, dass alle, die hier aufwachsen, das mit der Geschichte und dem Wissen rund um den Umzug tun.“

„Aufnahme würde Publikum aus der ganzen Welt anlocken“

Was würde sich für das knapp 3.300-Seelen-Dorf im Südtiroler Unterland ändern, wenn sein größtes Event zum immateriellen Weltkulturerbe würde?

„Dann fangen die Hausaufgaben für uns erst richtig an“, blickt der Vizebürgermeister voraus. Bis jetzt sei der Umzug vor allem eines: Von den Traminern für die Traminer.

Das würde sich mit der Aufnahme ändern: „In diesem Moment erwartet uns sicher ein internationaleres Publikum. Dem müssen wir dann als Gemeinde und als Dorfgemeinschaft gewachsen sein. Die Tradition darf auf keinen Fall kommerzialisiert werden.“

Interview: Elisabeth Turker

stol