<b>STOL: Früher und stärker als sonst – wie besorgniserregend ist die aktuelle Vogelgrippewelle in Deutschland?</b><BR />Dr. Christian Piffer: Wenn wir den Verlauf im letzten Monat in ganz Europa betrachten unterscheidet sich Deutschland nicht wesentlich von anderen EU-Staaten. <BR />Hier hat Spanien die höchste Anzahl an Schutzzonen nach Meldung von Fällen, gefolgt von Polen und Deutschland.<BR /><BR /><b>STOL: Was genau ist die Vogelgrippe?</b><BR />Dr. Piffer: Vogelgrippe ist verursacht durch das Influenzavirus A, das sowohl Menschen als auch Tiere befallen kann. Typisch für dieses Virus ist, dass immer wieder neue Varianten entstehen, wobei die Übertragung von Viren zwischen Vögel, Schweinen und Menschen eine Besonderheit darstellt. Besonderes Augenmerk ist auf die Übertragung zwischen Menschen und Schweinen gerichtet, da vor allem aus dieser Wechselbeziehung neue, auch für den Menschen gefährliche Stämme entstehen können.<BR /><BR /><b>STOL: Wie wird das Virus typischerweise übertragen?</b><BR />Dr. Piffer: Im Falle von Influenza A bei Vögeln erfolgt die Ausscheidung von Viren über den Kot, bei Schweinen als Tröpfcheninfektion über die Atemwege.<BR /><BR /><b>STOL: Wie groß ist die Gefahr, dass das Virus auf andere Tierarten oder sogar auf den Menschen übergreift?</b><BR />Dr. Piffer: Diese Gefahr besteht und wird weltweit konstant überwacht. Viren werden nach Typ, Tierart und geographischem Ursprung klassifiziert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1231656_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Wie wird ein Ausbruch der Vogelgrippe festgestellt?</b><BR />Dr. Piffer: Vogelgrippe verläuft bei hoch virulenten Virenstämmen dramatisch. Sie wird auch als Pest bezeichnet, da in kürzester Zeit sehr viele Tiere eines Bestandes eingehen. <BR /><BR /><b>STOL: Welche Maßnahmen greifen, sobald ein Verdachtsfall in einem Betrieb gemeldet wird?</b><BR />Dr. Piffer: Der Betrieb wird isoliert, noch lebende Tiere müssen getötet werden. Weitere Maßnahmen, wie Einschränkung des Viehhandels werden auferlegt oder das Verbot der Haltung von Geflügel im Freien in betroffenen Gebieten wird verhängt.<BR /><b><BR />STOL: Warum müssen betroffene Tiere gekeult werden?</b><BR />Dr. Piffer: Die meisten Länder der Welt verfolgen eine Strategie zur Ausmerzung der Vogelgrippe, weshalb nicht geimpft wird. Die oben erwähnte Charakteristik, dass immer wieder neue Stämme auftreten, erschwert den Einsatz von Impfstoffen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1231641_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Welche Präventionsvorkehrungen können getroffen werden?</b><BR />Dr. Piffer: Vorsicht beim Handel mit Geflügel, Schutz von gehaltenen Geflügel vor dem Kontakt mit Wildvögeln, Biosicherheitsmaßnahmen in den Betrieben zur Minderung der Gefahr der Einschleppung von Vogelgrippe aber auch anderer Erkrankungen.<BR /><BR /><b>STOL: Besteht durch den Vogelgrippeausbruch in Deutschland auch ein Risiko für Südtiroler Betriebe?</b><BR />Dr. Piffer: Auf Grund der Nähe, ist für Südtirol sicherlich die Situation in Oberitalien kritischer zu bewerten.