„Immer mehr Bürger wenden sich an die Volksanwaltschaft, um ihr Anrecht auf soziale Unterstützung prüfen zu lassen“, betonte Burgi Volgger.Dass es sich im Jahr 2010 nicht mehr nur um soziale Randgruppen handle, sondern um Familien aus der breiten Mittelschicht, sei besorgniserregend. „Es war merklich spürbar, dass sich 2010 viel mehr Menschen wegen der Wirtschaftskrise in einer finanziellen Notlage befanden. Die Menschen bangen um ihren Lebensstandard und befürchten, dass sie durch Einkommensverlust, Arbeitslosigkeit und Krankheit in die Armut abrutschen. Die Zahl der Bürger, die um das soziale Mindesteinkommen angesucht haben, hat sich 2010 verdoppelt“, stellte Volgger fest.Viele Bürger seien aufgrund abgelehnter Ansuchen für Sozialhilfe, dem Widerruf von Förderungen, Steuerschulden und unterwarteten Verwaltungsstrafen verzweifelt, so die Volksanwältin, die prognostizierte: "Die soziale Schere wird auch in Zukunft immer weiter auseinandergehen." Beschwerden zu Abgaben gestiegenIn dieses Bild passt auch die drastische Zunahme von 30 Prozent bei Beschwerden zu Steuern und Abgaben.„Dieser Trend der letzten Jahre hat sich 2010 weiter verschärft. Immer mehr Bürger fordern eine Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Kraftfahrzeugsteuer, der Gemeindeimmobiliensteuer, der Baukostenabgabe, der Erschließungsgebühren, der Aufenthaltssteuer, der Müllgebühren usw. “, erklärte Volgger.Sorge um sichere Arbeit gestiegenDer Bericht von 2010 zeige aber auch, dass die Sorge um den sicheren Arbeitsplatz im vergangenen Jahr weiter gestiegen sei, betonte sie.„Vor allem junge Menschen klagen über neue Formen der Beschäftigungen. Zeitverträge, Arbeit auf Abruf und Projektarbeit machen eine Lebens- und Familienplanung unmöglich. Selbst für gut ausgebildete junge Leute ist es nicht leicht, einen Arbeitsplatz zu finden. Das Problem lässt sich immer häufiger beobachten“, so Volgger. Aber auch ältere Menschen stünden vor diesem Problem. Würden sie ihren Arbeitsplatz verlieren, hätten sie trotz Umschulungen große Schwierigkeiten, einen neuen Job zu finden, erklärte die Volksanwältin. 2.902 bearbeitete Fälle im Jahr 2010Insgesamt hat die Volksanwaltschaft Südtirol im vergangenen Jahr 2.902 Fälle bearbeitet. Nach Steigerungen in den Vorjahren von bis zu 30 Prozent, sank 2010 die Zahl der „Kunden“.30 Prozent der vorgebrachten Beschwerden hatten mit den Gemeinden zu tun, 21 Prozent betraffen die Landesverwaltung, neun Prozent den Sanitätsbetrieb, sechs Prozent das Wohnbauinstitut, vier Prozent die Bezirksgemeinschaften und zehn Prozent den Staat und seine privatisierten Dienste. Raumordnung um 25 Prozent gesunkenAuffallend sei, dass die Beschwerden im Bereich Raumordnung um 25 Prozent abgenommen hätten, erklärte die Volksanwältin, die in der gesunkenen Bautätigkeit angesichts der Wirtschaftskrise den Grund dafür sieht.„Die Bauabschlüsse sind 2010 um 26,5 Prozent zurückgegangen, was sich auch auf die Beschwerden der Bürger ausgewirkt hat.“Auch Fälle im Bereich Schule, Familienrecht, Kinder- und Jugendgerichtsbarkeit haben 2010 merklich abgenommen, was aber auf die Einsetzung des Kinder- und Jugendanwalts zurückzuführen sei, erklärte Volksanwältin Burgi Volgger, die auch auch Gemeindevolksanwältin ist.Die Volksanwaltschaft hat seit 2010 eine Konvention mit allen 116 Südtiroler Gemeinden. "Schritt für Schritt ist es gelungen, die Akzeptanz der Volksanwaltschaft in den Gemeinden auszubauen und darauf hinzuweisen, dass sie keine Einmischung von außen ist, sondern eine Chance für Bürgernähe und für eine Verbesserung der Verwaltung“, unterstrich Volgger. tal