„Die Situation ist kritisch, aber besser als in der vergangenen Woche“: So beschreibt Dr. Laura Battisti, Primarin der Pädiatrie am Bozner Krankenhaus, die aktuelle Lage auf ihrer Station. Das RS-Virus und Lungenentzündungen füllen die Bettchen – „aber es gibt noch andere Krankheiten. Das darf man nicht vergessen“, sagt sie.<BR /><BR />Das RS-Virus kann Atemprobleme verursachen, die besonders bei kleinen Kindern, Säuglingen und Kindern mit Herzerkrankungen gefährlich werden können. Nach aktuellen Schätzungen kommen RSV-Atemwegserkrankungen mit einer Inzidenz von rund 50 Fällen und 5,6 schweren Fällen pro 1000 Kindern im ersten Lebensjahr vor: „6 Fälle pro 1000 Kinder sind ein Fall für die Intensivstation“, erklärt Dr. Battisti.<h3> Nur mehr wenige freie Kapazitäten</h3>6 Kinder mit Bronchiolitis werden derzeit in Bozen stationär betreut. Ein Kind liegt damit auf der Neugeborenenintensivstation. „Wie viele freie Plätze wir auf der Station haben, ist jeden Tag ein bisschen anders. Wir versuchen, Patienten so schnell wie möglich zu entlassen“, sagt die Primarin. Täglich blieben auf diese Weise maximal 3 freie Betten.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57378438_quote" /><BR /><BR />„Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit anderen Pädiatrien in der Sanitätseinheit: Bozner Kinder werden nach Brixen oder Meran geschickt oder umgekehrt, wenn nötig, damit jedes Kind, das eine Aufnahme braucht, einen Platz findet.“ Auch auf der Erwachsenenintensivstation unter der Leitung von Dr. Marc Kaufmann kommen im Notfall kleine Patienten unter. „Dort sind 2 Plätze für Kinder reserviert“, erklärt Dr. Battisti.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="842846_image" /></div> <BR /><BR />Die Krankenhäuser stehen aber auch in Kontakt mit den Kliniken in Innsbruck, Deutschland oder Italien: Patienten auf andere Häuser zu verlegen, sei derzeit nicht so leicht, da alle viele Patienten hätten – „aber bisher haben wir immer einen Platz gefunden“.<BR /><BR />Die Situation mache ihr freilich Sorge, sagt Dr. Battisti: „Die Zahlen sind hoch, im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Lage schlechter geworden.“ Trotzdem sei bis jetzt alles unter Kontrolle. „Wenn die Zahlen zunehmen, könnte es ein Problem werden. Aber zurzeit besteht kein Grund zur Panik.“<h3> Vorbeugen: Hände waschen, kranke Kinder nicht in die Kita</h3>Vorbeugung sei derzeit wichtig: „RSV ist sehr verbreitet, auch Erwachsene können das Virus haben. Allerdings merken sie davon meist wenig oder nichts.“ Für Kinder im ersten Lebensjahr könne es aber problematisch werden. „Wir sehen bei unseren kleinen Patienten, dass es in den betroffenen Familien immer jemanden gibt, der verkühlt ist“, warnt Dr. Battisti. „Mit RSV kann man sich immer wieder infizieren. Wenn jemand verkühlt ist, ist es wichtig, sich immer sorgfältig Hände zu wachen. RSV kann 45 Minuten lang auf Papierhandtüchern überleben, 20 Minuten lang auf Händen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="842849_image" /></div> <BR /><BR /> Nach dem Niesen die Hände waschen, Babys nicht von erkälteten Geschwistern küssen lassen – darauf könne man achten. Ebenso auf bessere Hygiene beim Spielzeug: „Wenn ein sehr kleines Kind zu Hause ist und jemand verkühlt ist, ist eventuell auch ein Mundschutz sinnvoll. Kinder, die erkältet sind, sollen jedenfalls nicht in Kita und Kindergarten“, warnt die Ärztin. „Das Virus verbreitet sich sehr leicht. Kranke Kinder sollten deshalb unbedingt zu Hause bleiben, bis sie symptomfrei sind.“<BR /><h3> Auch Grippesaison belastet Kliniken</h3>Die grassierende Influenza belastet die Krankenhäuser zusätzlich: „Außer bei Risikogruppen sehen wir bei der Influenza aber nicht sehr schwere Fälle“, sagt Dr. Battisti. Trotzdem kämen viele Eltern mit ihren kranken Kindern in die Notaufnahme. Manche Kinder hätten auch beides – RSV und Influenza, weiß die Primarin. „Ich hoffe, dass sich die Situation in den nächsten 3 bis 4 Wochen entspannt. Die Weihnachtsferien – geschlossene Schulen und Kitas – helfen uns, weil es weniger Kontakte gibt“, sagt sie<BR /><BR />Die Lage in der pädiatrischen Ersten Hilfe habe sich ein bisschen entspannt. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/fast-100-patienten-in-24-stunden-aber-so-etwas-darf-nicht-passieren" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(Die Hintergründe lesen Sie hier.)</a> „Wir wollen uns nicht zu früh freuen. Der Gipfel der Grippesaison steht uns erst noch bevor. Auch für die Basisärzte ist das eine große Belastung“, weiß die Primarin. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/aerztemangel-in-der-paediatrie-ist-sehr-akut" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(STOL hat berichtet.)</a> Kinder mit Diabetes, onkologischen Problemen und Knochenbrüchen seien schließlich auch noch Fälle für die Notaufnahme: „Es dauert alles ein bisschen länger. Wir haben es nun aber so organisiert, dass mehrere Einsatzkräfte zur Verfügung sind: Es gibt eine zusätzliche Rufbereitschaft für Ärzte und Pfleger.“<BR /><BR />Das könnte Sie interessieren: <a href="https://www.stol.it/artikel/panorama/gesundheit/rsv-infektion-woran-erkennen-eltern-einen-schweren-verlauf" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Diese Alarmzeichen für eine schwere RSV-Infektion sollten Eltern kennen und ernstnehmen.</a>