Es ist der Mai der Rekordhitze. Die Sonne brennt auf den Kunstrasenplatz herab und Temperaturen bis zu 30 Grad Celsius treiben einem schon am Vormittag die ersten Schweißperlen auf die Stirn. Das Letzte, das einem bei dieser Hitze in den Sinn kommen würde, ist Sport – oder? Das möchte man zumindest meinen. Doch den vielen Seniorinnen und Senioren im Bozner Europastadion scheint die Hitze nichts anzuhaben: Sie sporteln, tanzen, lachen und genießen das gesellige Miteinander. Sie alle, also über 250 Senioren aus etwa 50 verschiedenen Altersheimen, haben sich zur diesjährigen Südtiroler Seniorenmeisterschaft versammelt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317900_image" /></div> <BR /><BR />Alessandro Borsoi ist bereits seit 6 Uhr morgens auf dem Sportplatz. Er ist der Direktor der Seniorenwohnheime im Bozner Betrieb für Sozialdienste und Gastgeber der diesjährigen Spiele. Es stehen zwei Disziplinen auf dem Programm: „Im Kegeln treten die Senioren im Team an, den Hindernisparcours bewältigen sie alleine“, erzählt Borsoi. Prämiert werden sowohl Einzelleistungen als auch die besten Teams – jedes Wohnheim bildet eines. <BR /><BR />Wie sehr sich die Seniorinnen und Senioren auf das Sportereignis freuen, weiß Monika Holzner von Velpa. Es ist der Verein der Ergo-, Logo- und Physiotherapeuten in den Südtiroler Altenheimen, die mit den Senioren im Vorfeld kräftig für die Spiele trainiert haben. Die Trainings bereiten den Heimbewohnern nicht nur Spaß, es ist ein klarer Siegeswille zu erkennen. „Die Leute sind sehr ehrgeizig“, erzählt Holzner. „Sie haben eine riesige Freude, wenn sie tatsächlich mit dem Pokal nach Hause gehen.“ <h3> Mix aus Ausdauer und Geschick gefragt</h3>Zwischen Teilnehmern, Freiwilligen und gespannten Zuschauern befinden sich um die 500 Menschen im Bozner Europastadion. Auch viele junge Betreuer tummeln sich über den Sportplatz. Einer von ihnen ist der 25-jährige Laurin Lardschneider. Er ist im Seniorenwohnheim von St. Ulrich tätig und rechnet seinem Team gute Chancen auf den Sieg aus. „Die Rekordzeit im Parcours liegt bei 18 Sekunden“, sagt Lardschneider.<BR /><BR /> Ein Herr aus St. Ulrich hat sie aufgestellt. Der Hindernisparcours besteht einerseits aus Kegeln, an denen sich die Teilnehmer vorbeischlängeln müssen. Danach ist Geschick gefragt: zuerst Bauklötze der Größe nach aufstapeln, anschließend kleine Sandsäckchen aus etwa eineinhalb Metern Entfernung in Plastikeimer werfen. „Für jeden Treffer werden fünf Sekunden der Gesamtzeit abgezogen“, erklärt Lardschneider, der die Zeit misst und den Senioren bei den Geschicklichkeitsspielen zur Seite steht. <BR /><BR />Als die 83-jährige Hermine Zanotti über die Ziellinie düst und die Glocke läutet, wird kräftig gejubelt und applaudiert. „Ich habe ein gutes Gefühl“, verrät Zanotti den „Dolomiten“. Die 83-Jährige ist bereits bei der Meisterschaft in Terlan im vergangenen Jahr angetreten. „Am meisten freue ich mich über die gute Gesellschaft und das Beisammensein – der Sport wird da schnell zur Nebensache“, sagt Zanotti. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1317903_image" /></div> <BR /><BR />Ein paar Meter weiter wartet der 73-jährige Albin Fill aus Lajen. Er wird sich als Nächster versuchen. Beim Kegeln hat Fill sein Können bereits unter Beweis gestellt: Als ihn die „Dolomiten“ nach seinen Leistungen fragen, schmunzelt er, zeigt auf die Medaille um seinen Hals und meint bloß: „Gonz letz wor's holt amol net.“ Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: „Ich übe fast jede Woche, um mich fit zu halten“, sagt Fill. Das harte Training hat sich ausgezahlt. <BR /><BR />Mit der Anzeige auf dem Thermometer steigt die Spannung im Bozner Europastadion. Es ist Mittag und Zeit für die große Preisverleihung. Als Erstes betritt das Team des Altenheims von Terlan die Siegerbühne: Sie konnten sich den Preis für die schönsten Mannschaftstrikots und den besten Teamgeist sichern. Als sportlicher Gesamtsieger ging hingegen das Seniorenwohnheim von Lajen hervor – nicht zuletzt durch die Spitzenleistungen von Albin Fill. Doch gewonnen haben an diesem heißen Maitag alle: nicht nur Medaillen, sondern die gemeinsame Zeit und unvergesslich schöne Erinnerungen.