In einer Sache war man sich am gestrigen Donnerstag in Bozen einig: Regional schmeckt’s am besten. Der Trend soll daher klar in diese Richtung gehen. Allerdings ist’s leichter gesagt als getan. Der Umstieg auf lokale und saisonale Produkte stellt viele Betriebe vor eine Herausforderung. Genau hier setzt das Projekt „NEST“ an. <BR /><BR />Die Forschenden haben rund 80 Akteure der gesamten Nahrungskette eingebunden – von Landwirtschaft und Verarbeitung bis hin zu Großhandel und Gastronomie – und dabei festgestellt: Die Bereitschaft zu mehr Regionalität und Nachhaltigkeit ist eindeutig vorhanden. Woran es fehlt, ist die Abstimmung. Landwirte würden mehr produzieren, wenn die Abnahme gesichert wäre. Gastronomen wiederum geben an, mehr regionale Produkte einzukaufen, wenn das entsprechende Angebot verfügbar ist.<BR /><BR />„Hier braucht es verbindliche Abkommen zwischen Land- und Gastwirten, die sowohl Angebot als auch Abnahme sichern“, erklärte Christian Hoffmann vom Institut für Regionalentwicklung der Eurac Research. Ziel ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Als Brücke zwischen den beiden Seiten schlagen die Experten sogenannte „Kümmerer-Personen“ vor: Sie kennen beide Seiten, vermitteln und bringen Produzenten und Abnehmer an einen Tisch. <h3> Auf zentrale Verteilerstellen setzen</h3>Um vor allem kleineren Produzenten den Zugang zum Markt zu erleichtern, empfiehlt das Projekt zentrale Verteilerzentren. „Also eine Art Sammelstelle, die Erzeuger mit Großhandel und Gastronomie verbindet“, so Hoffmann. Dorthin sollen die Produkte geliefert werden. Im Idealfall werden die Sammelstellen in bereits bestehende Strukturen eingebunden. <BR /><BR />Gleichzeitig stellt das Projekt „NEST“ die Frage, wie die Gastronomie der Zukunft aussehen soll. Schließlich hat diese einen großen Einfluss auf das Ernährungsverhalten der Südtirolerinnen und Südtiroler. „Die Gastronomie kann als ‚Trendsetter‘ für gesunde und nachhaltige Ernährung fungieren“, sagte Hoffmann. Neben Anreizen für Gastwirte und Köche, verstärkt auf lokale und saisonale Produkte – und somit auf eine nachhaltige Speisekarte – zu setzen, legt das Projekt auch einen Schwerpunkt auf Sensibilisierung und Innovation. Nachhaltigkeit bedeutet dabei ebenso eine Veränderung der Essgewohnheiten: Der Trend geht in Richtung einer stärker pflanzenbasierten Ernährung. <h3> „Gastronomie als Trendsetter“</h3>Der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) bietet dazu bereits entsprechende Lehrgänge an – etwa zur veganen Küche, aber genauso zu Fleisch. „Es gilt, das ganze Tier zu verwerten und auch weniger gefragte Teile in leckere Gerichte zu verwandeln“, bekräftigte Bettina Schmid vom HGV. <BR /><BR />In diesem Zusammenhang hob Joachim Messner von IDM Südtirol die Bedeutung der frühen Vernetzung hervor. „Die künftigen Landwirte, Touristiker und Gastronomen sollen sich bereits während der Ausbildung kennenlernen“, erklärte er. Ein Pilotprojekt zwischen Südtirols Hotel- und Landwirtschaftsschulen ist bereits angelaufen.<BR /><BR />Indes betonte Landeshauptmann Arno Kompatscher gestern, dass die Landesregierung ein klares Ziel habe: „Aus dem Projekt konkrete Maßnahmen ableiten und deren Umsetzung fördern“, sagte er.<h3> Drei Fragen an Christian Hoffmann*</h3><b>Herr Hoffmann, importiert Südtirol zu viele Lebensmittel aus dem Ausland – auch jene, die eigentlich auch im Land verfügbar wären?<BR /></b><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Christian Hoffmann: Was Produkte wie Milch, Obst oder Wein anbelangt, stehen wir in Südtirol sehr gut da. Dafür gibt es bei Getreide und Kartoffeln, aber auch bei Fleisch und Gemüse, große Mängel. Wir verbrauchen etwa 1,5-mal so viel Gemüse, wie wir selbst produzieren. <BR /><BR /><b>Wie kommt das?<BR /></b>Hoffmann: In Südtirol fehlt die Tradition für Fleischproduktion und Gemüsebau. Der Großteil der verfügbaren Flächen wird bereits für Obst verwendet. Nur kleinere Produzenten widmen sich dem Gemüsebau. <BR /><b><BR />Eine bessere Vernetzung sorgt in Zukunft auch hier für mehr Regionalität?<BR /></b>Hoffmann: Sicherlich. Es gibt bereits positive Beispiele. Ich denke etwa an das „Eggentaler Kistl“.