Obwohl im Tal das Interesse am Erhalt der Schindeldächer groß ist, könnten dieses bäuerliche Kulturgut bald ganz von der Bildfläche verschwinden. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Richard Berger und Franz Thöni, die als Nachbarn den Paarhof Außergrub am Gruebberg oberhalb von St. Nikolaus in der Gemeinde Ulten bewohnen und bewirtschaften, sind Schindeldächer ein Anliegen. Richard Berger deckte seinen Stall und Stadel 2013 neu mit Holzschindeln ein, Franz Thöni seine Scheune 2018. Von der mühevollen Arbeit zeugt ein Stapel Fotos.<BR /><BR />Muss ein Schindeldach neu gedeckt werden, so beginnt die Planung schon Jahre vorher. Der erste Weg führt in den Wald. Lärchenholz ist aufgrund des starken Harzgehalts wasserabweisend und damit besonders lange haltbar. Die geschlagenen Baumstämme werden in eine Länge von 80 Zentimetern geschnitten, dann geviertelt oder bei dickeren Stämmen in 6 Teile geteilt. <BR /><BR /><b>„2 bis 3 Winter Arbeit“</b><BR /><BR />„Die Schindeln macht man, wann man Zeit hat. Das können 2 oder 3 Winter sein“, erklärt Richard Berger. Sie entstehen in mehreren Arbeitsschritten an der Holzspaltmaschine und der Kreissäge. Zum Schluss werden die losen Fasern mit der Axt entfernt. Bei Berger sitzt jeder Handgriff, die Arbeit ist Routine. Er verdient sich mit der Herstellung der Schindeln auch ein Zubrot.<BR /><BR />25 bis 30 Holzschindeln braucht es pro Quadratmeter Dach. Bergers Stadel- und Stalldach erstreckt sich über 500 Quadratmeter, Thönis Scheunendach über 640 Quadratmeter; auf 450 Quadratmetern musste Thöni neue Schindeln verwenden. Auf der restlichen Fläche konnten Schindeln wiederverwendet werden. Werden Schindeldächer gut gepflegt und beim neuen Decken ca. alle 20 Jahre die Schindeln richtig gewendet, so können sie auch 80 Jahre halten.<BR /><BR /><b>Latten und Steine</b><BR /><BR />Doch mit den Schindel allein, ist es nicht getan: Es braucht die Querlattung, meist Lärchen- oder Fichtenholz, die die Schindeln stabilisiert und die beschwerenden Steine am Dach fixiert. Die Steine kommen aus Wiese und Wald, müssen flach sein und werden geputzt, bevor sie auf dem Dach landen. Es liegen Hunderte auf einen Schindeldach.<BR /><BR />Auch Franz Thöni ist von Schindeldächern überzeugt: „Auf eine alte Scheune passt kein Ziegeldach.“ Allein das Abtragen der Schindeln dauerte 2018 ganze 3 Tage. Die Schindeln mussten in wiederverwendbare und kaputte sortiert werden. 10 Personen haben dann 14 Tage lang am neuen Schindeldach gearbeitet. Es war die dritte Neueindeckung für Thöni. Das Scheunendach kostete 77.000 Euro, 120 Euro pro Quadratmeter. „Ohne Förderung wäre das unbezahlbar“, bekräftigt der Bergbauer. <BR /><BR /><BR /><b>Ohne Förderung nicht möglich</b><BR /><BR /><BR />Richard Berger sind die Ultner Lattenzäune ebenfalls ein Anliegen. „Da gehen etliche Wochen drauf, bis ich meine 500 Meter Zäune repariert habe“, erzählt er – besonders nach einem schneereichen Winter wie heuer. Es gebe Bauern, die hätten kilometerlange Zäune. Für den Ultner Lattenzaun müssen die Pflöcke gebrannt werden, um sie haltbarer zu machen. Es braucht Querlatten und Holznägel. Auch der Erhalt dieser traditionellen Zäune hängt an Förderungen.<BR /><BR />Seit dem Jahr 2015 setzt sich die Arbeitsgemeinschaft Schindeldächer im Ultental für den Fortbestand von mit Holzschindeln gedeckten Dächer ein. Denn schon so lange gibt es immer wieder Probleme mit Förderstopps, veränderten Kriterien und verringerten Beiträgen – und das, obwohl das Interesse am Erhalt der Schindeldächer im Ultental groß ist: Im Jahr 2016 gab es fast 35 Beitragsansuchen. Gleichzeitig sind im Jahr 2018 allein in St. Gertraud/Ulten und St. Nikolaus/Ulten 9 Schindeldächer durch Ziegeldächer ersetzt worden. <BR /><BR />Die Arbeitsgemeinschaft hat sich intensiv um die Ausarbeitung neuer Kriterien gekümmert, damit die Förderungen wieder beginnen können. Das Ziel war, mit den neuen Kriterien, das Holzschindeldach als solches aufzuwerten und als prägendes Element der bäuerlichen Kulturlandschaft zu erhalten.„Es gibt eine große Dringlichkeit. Jedes Dach, das mit Ziegeln eingedeckt wird, ist als Schindeldach unwiederbringlich verloren“, betont die Arbeitsgemeinschaft.