„Anders als viele glauben, liegt die Südtiroler Wiege des Klöppelns nicht in Prettau, sondern in Proveis“, erklärt Klöppelexpertin Martha Oberstolz. „Bereits 1874 wurde auf Initiative des damaligen Kurators und Seelsorgers Franz Xaver Mitterer eine Klöppelschule in Proveis gegründet. Mitterer wollte damit der Abwanderung entgegenwirken und der bäuerlichen Bevölkerung eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit schaffen.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288233_image" /></div> <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288236_image" /></div> <BR /><BR />Die Schule in Prettau folgte erst 1893 – Klöpplerinnen hatten zuvor in Proveis ihre Ausbildung absolviert, um das Handwerk später in Prettau unterrichten zu können.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288239_image" /></div> <BR /><BR />Zeitweise besuchten bis zu 108 Schülerinnen die Proveiser Klöppelschule, die in der gesamten Region bekannt war. 1958 wurde sie mit der Gründung der Proveiser Mittelschule geschlossen, die Kunst des Drehens und Kreuzens der Klöppel drohte in Vergessenheit zu geraten. Doch noch heute gibt es Klöpplerinnen – nicht nur in Proveis, auch darüber hinaus.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288242_image" /></div> <BR /><BR />Seit 2015 wird das Klöppeln im Burggrafenamt wieder unterrichtet, an der Winterschule Ulten in St. Walburg. Auf Initiative von Karin Valorz, damals Kulturreferentin im Gemeinderat von Proveis, wurde das Fach eingeführt – mit großem Erfolg: „Das Interesse war so groß, dass das Klöppeln vor rund acht Jahren vom Neben- zum Hauptfach wurde“, erklärt Valorz.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288245_image" /></div> <BR /><BR />Klöppelexpertin Martha Oberstolz unterrichtet seit vier Jahren an der Winterschule Ulten. „Im Grunde genommen ist Klöppeln nichts anderes als die Kunst, Fäden, meist aus Leinen, – einer Nutzpflanze mit langer Tradition in unserer Region – zu drehen und zu kreuzen“, erzählt sie.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288248_image" /></div> <BR /><BR />Das Hauptfach umfasst laut Franziska Schwienbacher, der Koordinatorin der Winterschule, insgesamt 336 Unterrichtsstunden, verteilt auf drei Jahre. „Im dritten Ausbildungsjahr steht es den Teilnehmern frei, ob sie einen Abschluss erwerben möchten.“ Wer die europaweit anerkannte Berufsausbildung offiziell abschließen will, fertigt ein Prüfungsstück an und verfasst eine schriftliche Arbeit. „Nach bestandener Prüfung ist man offiziell anerkannte Fachkraft für Textilverarbeitung“, fährt Schwienbacher fort.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288251_image" /></div> <BR /><BR />An der Winterschule wird das Klöppeln nicht nur bewahrt, sondern auch neu interpretiert. „Klöppelstücke sollten kein Museumswerk sein. Neben klassischen Arbeiten wie Tischdecken oder Trachtenspitzen fertigen wir auch Schmuckstücke wie Ohrringe, Armreifen oder Halsketten aus Silberdraht oder Silberfaden an“, schildert die Klöppellehrerin. So bleibt jahrhundertealtes Wissen erhalten und entwickelt sich zugleich weiter.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288254_image" /></div>