Miranda Dedej gehört zur 20-köpfigen Frisör- und Visagisten-Gruppe von Giovanni Sciarillo „Al Pacino“. Sie ist am vergangenen Sonntag zum 10. Mal zum Festival nach Sanremo gereist, um den Stars die Haare schön zu machen. „Vor meinem ersten Engagement habe ich drei Monate vorher nicht mehr richtig schlafen können. Und verraten habe ich es auch niemandem. Ich hatte ja keine Ahnung, was ich dort überhaupt würde machen dürfen“, sagt sie und lacht.<BR /><BR />In der Festival-Woche hat der Arbeitstag viele Stunden. „Er beginnt um 10 Uhr morgens und endet um zwei Uhr nachts. Wir müssen immer zur Hand sein, wenn irgendjemand die Haare frisiert haben möchte oder ein Make-up braucht“, sagt sie.<BR /><BR />Miranda Dedej stammt aus der albanischen Hafenstadt Durres. 1993 flüchtete sie erst 17-jährig mit ihrem Freund nach Bruneck. „Wir lebten in Albanien bis dahin völlig abgeschottet und isoliert. Aber wir konnten Rai1 empfangen. Unser Fenster zur Welt. Schon als Kind habe ich den Glamour des Festivals von Sanremo bestaunt. Ich bewunderte die Menschen in den schönen Kleidern. Aber ich hätte mir nie erträumt, einmal in Italien zu leben, geschweige denn beim Festival von Sanremo dabei zu sein“, erzählt die quirlige Meranerin.<BR /><BR />14 Jahre lebte sie in Bruneck mit ihrem Mann. „Zunächst versuchte ich, die Frisörlehre in der deutschen Berufsschule zu absolvieren. Denn die Sprache war die größte Barriere, um bei den Südtirolern in Bruneck Einlass zu finden“, erinnert sie sich.<BR /><BR />Ein Mensch, dem sie ein Leben lang dankbar sein wird, sei der verstorbene Brunecker Bürgermeister Günther Adang. „Als ich von unserem ersten Sohn schwanger war und wir in einem kleinen Zimmer ohne Bad leben mussten, weil wir nichts zum Mieten bekamen, ist er mit uns zu Ordensschwestern und so bekamen wir ein viel größeres Zimmer. Ein so guter Mensch, er hat sich unsere Sorgen angehört und geholfen. Das vergesse ich ihm nie“, sagt sie. Einem Menschen, dem sie auch dankbar sei, ist Lehrerin Waltraud, eine Frisöse aus Lana. „Sie hat in der Berufsschule meine Passion für den Frisörberuf erkannt und mir einen Arbeitsplatz in Brixen verschafft als Frisörgehilfin“, sagt sie. <BR /><BR />2007 ist sie dann mit ihrer Familie nach Meran übersiedelt. „Mein jüngerer Sohn, der bereits Pusterer Dialekt sprach, wollte gar nicht weg aus Bruneck. In Meran ist es wärmer, temperaturmäßig meiner früheren Heimat ähnlicher. Ich fühle mich als Meranerin“, meint sie. Sie habe als Privatistin die Frisörlehre in der italienischen Berufsschule abgeschlossen. Ihr Reich in Meran ist ihr Salon „La Divina“.<BR /><BR />Und was war ihre erste Aufgabe vor zehn Jahren in Sanremo? „Ich musste mich um die Perücke von Platinette kümmern“, sagt sie. Platinette ist ein italienischer Schauspieler, Sänger und Radiomacher. Dann ging es Schlag auf Schlag bei den Persönlichkeiten, die Sanremo bevölkern. „Besonders beeindruckt haben mich Iva Zanicchi, eine besondere Persönlichkeit, und die Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit von Claudio Baglioni. Wenn er mich sieht, erinnert er sich sogar an meinen Namen. Ich habe drei seiner Konzerte besucht, einmal hinter der Bühne, weil das Konzert ausverkauft war“, so Miranda Dedej.