Seit 6 Jahren betreut Anna als Badante eine Frau in Pfalzen und die dortige Gemeinde hat ihre Familie in zwei Kleinwohnungen im Bürgerheim aufgenommen. <BR /><BR /><BR />Am 24. Februar um 5 Uhr früh reißen Sirenengeheul und gleich darauf ein naher Raketeneinschlag die Menschen in Ivano Frankiwsk, einer Stadt im Westen der Ukraine, unweit der Grenze zu Polen, aus dem Schlaf. Annas Tochter Alessia und ihre Söhne Arsen (15) und Artur (11) laufen zum Fenster, und der Schrecken fährt ihnen in alle Glieder: Vom Bereich des Flughafens, der nur wenige Kilometer von ihrer Wohnung entfernt ist, steigen hohe Flammen auf. Und immer wieder heulen die Sirenen. <h3> Tage der Angst</h3>Alessia ruft ihre Mutter Anna an. Diese drängt sie und ihre Schwiegertochter Alexandra mit ihren Söhnen Taras (11) und Tadei (8) schnellstmöglich die Stadt zu verlassen. Die Frauen treffen Vorbereitungen zur Flucht, tags darauf geht es rund 50 Kilometer aus der Stadt hinaus. Alessia flüchtet mit ihren Kindern in ein kleines Dorf in das leerstehende Elternhaus ihrer Mutter, Alexandra mit ihren beiden Söhnen zu ihrer Mutter. Dort, auf dem Land, wähnen sie sich zunächst halbwegs sicher, doch die Angst, dass der Krieg weiter vorrückt, steigt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="747617_image" /></div> <BR /> Und Anna Dufenyuk in Pfalzen vergeht fast vor Sorge um ihre Familie. Sie versucht ihrer Tochter Geld zu schicken, aber das funktioniert nicht mehr. „Die Kinder müssen zu mir kommen“, sagt sie sich und bittet sie inständig, die Ukraine zu verlassen. Aber die Buben zu überzeugen, ist nicht einfach. Sie möchten lieber in ihrer Umgebung bleiben, hoffen darauf, dass der Krieg in wenigen Tagen zu Ende ist und sie schon bald wieder in die Stadt zurückkehren können. Aber diese Hoffnung schwindet von Tag zu Tag mehr. <BR />So entschließen sich schließlich alle gemeinsam zur Flucht.<h3> Aufbruch zur Flucht</h3>Auf diese nimmt Alessia auch ihren 16-jährigen Cousin Slawik mit. Dessen Mutter ist vor 5 Jahren an einem Tumor und dessen Vater vor 3 Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="747620_image" /></div> <BR /><BR />Die Fahrt mit dem Bus wird lang und strapaziös. Nur das Allernötigste haben sie in Rucksäcken und einem kleinen Koffer bei sich. An der ukrainisch-polnischen Grenzen müssen sie 15 Stunden warten, bevor es weiter geht nach Venedig, wo sie zwei Tage nach ihrem Aufbruch aus der Ukraine ankommen. Ein Kleinbus bringt sie am Mittwoch, 9. März, schließlich nach Pfalzen. Um 5 Uhr früh treffen sie dort beim Bürgerheim ein. <h3> Große Hilfsbereitschaft</h3>„Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich bin, dass meine Kinder in Sicherheit sind, dass wir uns haben und dass wir so viel Solidarität erfahren“, sagt Anna. „Die Tochter der Frau, die ich pflege, hat uns den ganzen Lebensmittelschrank aufgefüllt, Menschen aus der Nachbarschaft haben uns Bekleidung für die Kinder gebracht, die Gemeinde stellt uns die Wohnung zur Verfügung und ist uns bei so Vielem behilflich. Ich kann nur danke, danke, danke sagen“, sagt sie. <h3> Angst um Freunde</h3>So sehr sich Anna freut, ihre Lieben bei sich zu haben, so sehr sorgt sie sich aber weiter um ihre Verwandten und Freunde in der Ukraine. An ein baldiges Ende des Krieges wagt sie kaum zu hoffen, „denn es wird von Tag zu Tag schlimmer. Putin ist wie ein Teufel. Er schreckt vor nichts zurück“. <BR /><BR />Die Sorge um die weitere Zukunft ihres Landes ist groß. „Aber wir dürfen uns nicht aufgeben“, betont Anna und achtet mit ihrer Tochter und ihrer Schwiegertochter darauf, dass die 5 Buben jeden Tag am Fernunterricht teilnehmen, ihre Schulaufgaben machen und fleißig lernen. Auch Alessia und Alexandra wollen nicht untätig abwarten. Sie wollen arbeiten, denn wann sie in die Ukraine zurückkehren können, ist ungewiss.<BR />