Manchmal, sobald Andreas Jungmann aus seinem Büro im Rathaus auf den Domplatz blickt, kann er es selbst nicht glauben, dass er jetzt Bürgermeister ist. „Dann frage ich mich, ob es wirklich stimmt“ erzählt der 50-Jährige offen.<BR /><BR /> Doch mit 5449 Stimmen, das sind 54,9 Prozent, hat es seine Richtigkeit, dass der gebürtige Pusterer jetzt der erste Bürger ist. Dabei hatte der Unternehmer alles andere geplant, als in die Politik zu gehen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015290_image" /></div> <BR /> „Ich hatte eigentlich vor gehabt, in jungen Jahren an der Fakultät für Holztechnik und Bau an der Technischen Hochschule in Rosenheim zu studieren“, erinnert sich Jungmann heute zurück. Nach der Pflichtschule in Sand in Taufers hatte der gebürtige Bruneckner die 3-jährige Tischlerfachschule in Meran absolviert und die Gesellenprüfung als Tischler abgelegt. 1991 war er mit seinen 2 Geschwistern Christine und Florian ins Familienunternehmen für Möbelbau- und -handel mit Sitz in Sand in Taufers eingestiegen, das damals eine Filiale in Brixen eröffnete. <h3> Sport ist die große Leidenschaft</h3> „Bei den Fahrten vom Pustertal nach Brixen stand ich dann täglich im Stau: Zuerst bei der Baustelle der Umfahrung der Mühlbacher Klause, dann bei der Unterführung bei Vintl, danach bei der Umfahrung Mühlbach. Ich wollte die Zeit aber besser nutzen“, erzählt der Unternehmer rückblickend. So zog der junge Mann in die Dienstwohnung des Unternehmens. <BR /><BR />„Ich hatte schon in Sand in Taufers Handball gespielt und bin in Brixen gleich zum Handball gekommen“, berichtet Jungmann. Nach kurzer Zeit – oder wie er sagt, weil ihm einige Vereinskollegen einiges vorenthalten hatten – wurde er für sich überraschend Sektionsleiter des Handballs. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015293_image" /></div> <BR />In seiner Jugend hatte er Fußball oder Handball gespielt und sich dann für Handball entschieden, wo er die Position Rückraum oder Flügel besetzte. „In Brixen spielte ich aber nur kurz bei den Altherren. Handball ist ab einem gewissen Alter, wenn man nicht mehr so gut trainiert ist, nicht empfehlenswert. Es kommt dann immer wieder zu Verletzungen wie einen Fingerbruch oder Probleme mit der Achillessehne“, sagt Jungmann lachend. Derzeit habe er zu wenig Zeit für den Sport wie das Laufen. In seiner Freizeit bevorzuge er Segeln, Skifahren oder Wandern – gerne auch auf seinem Lieblingsberg, der Plose.<BR /><BR /> „Leider merkt man aber, dass ich nur mehr selten dazu komme“, sagt er lachend und streift mit der Hand über seinen Bauch. Er trägt ein weißes Hemd mit Sakko – Krawatten oder gar Fliegen liebt er nicht besonders. Er mag es lieber sportlich. Denn der Sport war und ist seine große Leidenschaft. <h3> Leidenschaft für Sportgroßveranstaltungen</h3>Während seiner Ausbildung in Köln begann er bereits immer wieder Sportgroßveranstaltungen zu besuchen, was er auch noch heute liebt. Jungmann hatte nach dem Einstieg in das Familienunternehmen eine 2,5-jährige Ausbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt an der Fachschule des Möbelhandels in Köln absolviert. Danach arbeitete er ein Jahr in einem Möbelbetrieb in der Nähe von Regensburg.<BR />Gallery #DText/86-64174734 not found<BR />Mit Eröffnung der Filiale 1991 in Brixen stellte Vater Max Josef Jungmann die fleißige Verkäuferin Roswitha Malsiner aus St. Christina ein – ein Glücksgriff, wie sich herausstelle. Andreas Jungmann lernte die musikalische Frau kennen. 2001 heiratete das Paar. 2002 kam Sohn Manuel zur Welt und 2005 Greta. „Vor der Geburt Manuel wollten wir uns eine Wohnung im Grünen oder ein Haus mit Garten kaufen, da unsere Dienstwohnung in der Brixner Industriezone liegt“, berichtet Jungmann. Aber in Brixen war ein eigenes Haus für das Paar unerschwinglich. „Damals war es wie heute: Bauträger kauften alles und bauten daraus 15 Wohnungen“, berichtet Jungmann. <BR /><BR /> Durch Zufall konnte die junge Familie einen Baugrund in St. Andrä erwerben und verwirklichte sich dort ihr Eigenheim. „Wie auch in Brixen habe ich mich in St. Andrä von Anfang an wohl gefühlt“, berichtet Jungmann.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015296_image" /></div> <BR /><BR /> Die Familie integrierte sich in St. Andrä schnell: Jungmann spielte bei den Altherren Fußball, seine Frau Roswitha singt heute noch beim Kirchenchor wie auch beim Domchor. „In Sand in Taufers habe ich nur mehr meine Familie und wenige Freunde“, berichtet Jungmann. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015299_image" /></div> <BR />Sobald er Zeit hat, verfolgt er jede Sportübertragung im Fernsehen. „Oft muss ich selbst über mich lachen, weil ich gleichzeitig mehrere Sportübertragungen im Fernsehen schaue und ständig Sender wechsle, um nichts zu verpassen. Es gibt keinen Sportart, die mir nicht gefällt“, erzählt Jungmann.<BR /><BR /> Ab und zu begleitet ihn auch seine Frau zu Sportgroßveranstaltungen – auch wenn sie sich eher in der Musik beheimatet fühlt. Andreas Jungmann begleitet sie immer wieder gern zu Konzerten. „Ich kann die Musik sehr genießen“, erzählt Jungmann. Dennoch plant er mit seiner Frau ein gemeinsames Projekt. Das Paar würde gern gemeinsam ein Spiel von Jannik Sinner live verfolgen.<h3> Handwerklich äußerst geschickt</h3>Und noch ein Hobby hat Andreas Jungmann. Der gelernte Tischler ist – wie er selbst sagt – handwerklich äußert talentiert, auch wenn er nicht immer Lust hat „etwas sofort anzugehen“. Im Haus repariert er alles selbst – vom Mauerschäden bis Lampen. „Ich überrasche viele damit, wie geschickt ich bin. Mir geht das einfach gut von der Hand“, sagt Jungmann. <BR /><BR />Gut von der Hand ging ihm bisher auch die politische Karriere, die er laut eigenen Aussagen nie geplant hatte. <BR /><div class="img-embed"><embed id="1015302_image" /></div> <BR />„Mit der Politik war es so eine komische Sache“, holt Jungmann aus. Er sei in St. Andrä einfach gefragt worden, ob er für die Land-Liste kandidieren möchte, da die Land-Liste Stimmen von der Stadt holen wollte. „Zu meiner Überraschung wurde ich sehr gut gewählt und kam 2010 in den Gemeinderat“ blickt Jungmann zurück. Der Einstieg sei schwierig gewesen, weil der Unternehmer es gewohnt gewesen war, schnell zu entscheiden und umzusetzen, erinnert er sich. „Ich dachte, da werde ich nicht alt. Aber sobald man das System versteht, hat es mir gefallen“, berichtet Jungmann. 2015 habe ihn Peter Brunner wieder überzeugt, als Mannschaft anzutreten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1015305_image" /></div> <BR /> „Im Stadtrat habe ich dann gesehen, dass man etwas umsetzen kann. Das hat Spaß gemacht“, erzählt Jungmann und ergänzt scherzhaft: „und danach habe ich nicht schnell genug Nein gesagt als ich als Bürgermeister kandidieren sollte.“ Jungmann hatte nie geplant, einmal Bürgermeister zu werden. „Es hat sich nur so ergeben“, sagt Jungmann. Nach dem Rücktritt Peter Brunner reizte es ihn aber als Kapitän eine Mannschaft weiter zu loten und neue Kräfte für die Zukunft aufzubauen. Sobald seine Familie ihre Unterstützung zusagte, kandidierte er, und seitdem setzt er alles daran, um Brixen weiter zu bringen – auch wenn er sich an den Blick vom Bürgermeisterbüro auf den Domplatz erst noch gewöhnen muss.