<b>von Micaela Taroni</b><BR /><BR />Von der japanischen Ordnung zum Trubel in Rom: Der 61-jährige Diplomat Michael Rendi ist seit wenigen Wochen Österreichs neuer Botschafter in Italien. Nach 14 Monaten als Botschafter in Tokio wechselte er Ende Oktober in die Ewige Stadt. <BR /><BR />Am heutigen Freitag ist Botschafter Rendi auf Antrittsbesuch in Südtirol und trifft dabei Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landesrat Philipp Achammer und Landtagspräsident Arnold Schuler. Im „Dolomiten“-Interview spricht er über die Vorbildfunktion der Autonomie, über Südtirol als verbindendes Element zwischen Österreich und Italien und was es in seinem Leben mit dem Rugbysport auf sich hat.<BR /><BR /><b>Herr Botschafter, Sie besuchen Südtirol wenige Tage nachdem der Senat die Autonomiereform gebilligt hat. Der Ball liegt jetzt bei Österreich als Südtirols Schutzmacht. Wie sehen Sie die Situation?</b><BR />Michael Rendi: Österreich hat den gesamten Prozess von Beginn an sehr genau verfolgt und ist sehr zufrieden, dass er in beiden Parlamentskammern positiv verlaufen ist. Wir gehen davon aus, dass Österreich von Italien über dieses Projekt in einem Schreiben informiert wird, das dann seitens Österreich im Rahmen eines Notenwechsels beantwortet wird. Erwartet wird auch, dass die weiteren Schritte bis zur endgültigen Beschlussfassung in Rom ohne Probleme erfolgen werden. Südtirol ist heute wirklich ein verbindendes Element zwischen Italien und Österreich. Das ist das Resultat eines langen Prozesses. Die Südtiroler Autonomie ist ein Erfolgsmodell, das uns vereint. Wir sind sehr froh, dass mit der Autonomiereform die volle Wiederherstellung wichtiger autonomer Kompetenzen besiegelt wird. Südtirol ist eine Lösung, die auch bei anderen Konflikten auf der Welt im Umgang mit Minderheiten als Beispiel dienen kann.<BR /><BR /><b>Der Transitverkehr sorgt derzeit für Spannungen zwischen Rom und Wien.</b><BR />Rendi: Der Brenner ist ein Nadelöhr, aber zugleich eine ganz wichtige Achse für die Verbindung unserer Wirtschaften. Es liegt im Interesse aller, pragmatische Lösungen zu finden. Moderne, intelligente Systeme können für eine bessere Verkehrssteuerung sorgen und verhindern, dass Frächter lange Stehzeiten in Kauf nehmen müssen. Die Geografie und die Straßenverbindungen sind, wie sie sind, aber wir müssen lernen, damit umzugehen. Wichtig ist der Ausbau des Brennerbasistunnels; der technische Durchstich im September war ein Meilenstein. Wir hoffen, dass die Arbeiten zügig weitergehen, denn die Realisierung dieser Infrastruktur ist für ganz Europa von Bedeutung, nicht nur für Österreich und Italien. Wir hoffen, dass damit Druck von der Straße genommen wird.<BR /><BR /><b>Allerdings hat Italien Österreich vor dem Europäischen Gerichtshof wegen der Transitfrage verklagt. Was geschieht, wenn Österreich verurteilt wird?</b><BR />Rendi: Das Verfahren läuft, und Österreich hat großes Interesse daran, dass es rasch zu einem Ende kommt. Wir werden uns auf jedem Fall dem Urteil stellen. Wir sehen das pragmatisch. Auch nach einem Urteil müssen Lösungen für den Brenner gefunden werden, die den wirtschaftlich wichtigen Verkehr aber auch die Bevölkerung berücksichtigen. Denn die Bevölkerung hat nicht nur in Nord- sondern auch in Südtirol Interesse, in einer lebenswerten Umwelt zu leben.<BR /><BR /><b>Sie haben Ende November Präsident Sergio Mattarella Ihr Beglaubigungsschreiben überreicht ...</b><BR />Rendi: Ja, ich hatte die große Ehre und das Vergnügen, Präsident Mattarella mein Beglaubigungsschreiben zu überreichen, und konnte mich danach direkt mit ihm austauschen. Wir haben die sehr engen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Österreich hervorgehoben, die von Vertrauen und gelebter nachbarschaftlicher Partnerschaft geprägt sind. Unsere Länder sind historisch und kulturell eng verbunden. Auch unsere Schutzfunktion Südtirol gegenüber leben wir in einem positiven Geist. Der enge Austausch ist zudem durch die freundschaftliche Beziehung zwischen Präsident Mattarella und dem österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen noch gestärkt. Van der Bellen wird am 4. und 5. März in Rom sein und zusammen mit Mattarella im Palazzo Cipolla eine Ausstellung mit Exponaten aus dem Kunsthistorischen Museum Wien eröffnen.<BR /><BR /><b>In wenigen Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele. Werden Sie diese verfolgen?</b><BR />Rendi: Ich werde am Freitag (heute, Anm. d. Red.) an der großen Gala zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele in der Bozner Stadthalle teilnehmen - darauf freue ich mich sehr. Eine Woche später folgt dann der eigentliche Olympia-Auftakt. Wir sind voller Erwartung: Das Österreich-Haus wird in Cortina eröffnet und viele offizielle österreichische Besucher werden am ersten Wochenende dort anwesend sein - darunter Bundeskanzler Christian Stocker. Wir hoffen auf ein großartiges und aus österreichischer Sicht erfolgreiches Spektakel. Wir haben hervorragende Sportlerinnen und Sportler, sowohl bei den Olympischen als auch bei den Paralympischen Spielen. Ich bin überzeugt, dass Italien ein tolles Wettkampfareal an den erstmals sehr breit gefächerten Austragungsorten bieten wird.<BR /><BR /><b>Mit den dezentralisierten Winterspielen sind logistische Herausforderungen verbunden. Rechnen Sie mit Unannehmlichkeiten?</b><BR />Rendi: Bei großen Veranstaltungen kommen viele Nationen aus der ganzen Welt zusammen und diesmal in einem geografisch komplizierten Gebiet. Italien hat für die Olympischen Winterspiele viel Infrastruktur geschaffen - mit Flexibilität und gutem Willen wird man diese Aufgabe meistern. Wir Österreicher haben einen Vorteil: Wir können aus Osttirol mit dem Auto nach Cortina fahren. Das erleichtert einiges.<BR /><BR /><b>Sind Sie ein Sportfan?</b><BR />Rendi: Ich fahre sehr gern in Südtirol Ski, aber mein Lieblingssport ist Rugby, eine Sportart, die mich mein ganzes Leben begleitet. Ich hatte die große Ehre, 1992 erster Kapitän der österreichischen Rugby-Nationalmannschaft zu sein und die Liebe zum Rugby hat mich nie losgelassen. Da auch Italien eine starke Rugby-Mannschaft hat, werde ich auch hier diesen Sport verfolgen. Ich hatte bereits Austausch mit dem italienischen Rugbyverband und werde die italienische Nationalmannschaft sicher oft im Stadion in Rom unterstützen.<BR /><BR /><b>Sie sind mit Italien auch familiär verbunden, da Sie als Kind einige Jahre in Triest verbracht haben?</b><BR />Rendi: Ich wurde in Wien geboren und bin dann mit meinen Eltern nach Triest gezogen, wo mein Vater fünf Jahre lang gearbeitet hat. Bis zu meinem fünften Lebensjahr haben mich die italienische Sprache und Lebensart stark geprägt. Mit meiner Familie habe ich danach viele Urlaube in Italien verbracht – auch in Südtirol. Nun freue ich mich darauf, in den kommenden Jahren Italien intensiv zu erleben und bereisen zu dürfen. Ich habe noch immer Kontakte zu Triest, das ich im März wieder besuchen werde. Ich freue mich darauf, das Haus wiederzusehen, in dem ich gehen gelernt habe.<BR /><BR /><b>Sie sind von Tokio nach Rom gekommen. Wie war der Übergang von der sprichwörtlichen japanischen Ordnung zum täglichen römischen Chaos?</b><BR />Rendi: Das Leben in Japan ist wirklich sehr geregelt, die Mentalität und die Lebensweise sind ganz anders als in Italien. Natürlich gibt es in Rom viel mehr Trubel, aber wir Österreicher lieben die italienische Lebensart. Japan war für mich eine wunderschöne Erfahrung, aber jetzt freue ich mich darauf, eine neue und aufregende Erfahrung in einem Land machen zu dürfen, das so eng mit Österreich verbunden ist.<h3> Vom Kapitän der Rugby-Nationalmannschaft ans Kommando der Botschaft</h3>Der neue österreichische Botschafter in Italien, Michael Rendi, wurde 1964 in Wien geboren. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien trat er 1992 in den diplomatischen Dienst ein, wo er zunächst an den österreichischen Botschaften in Damaskus, Helsinki und London eingesetzt wurde. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1268493_image" /></div> <BR /><BR />Von 2002 bis 2007 leitete er das Büro des Generalsekretärs im österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Von 2008 bis 2011 bekleidete er den Posten des österreichischen Botschafters in Israel. Bevor er 2016 als Kabinettchef ins Wiener Bundeskanzleramt wechselte, leitete Rendi die Abteilung für die Vereinten Nationen und internationale Organisationen im österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. <BR /><BR />Von 2016 bis 2017 war Rendi Kabinettchef des damaligen SPÖ-Kanzleramtsministers Thomas Drozda. Danach leitete er die Krisenabteilung und die Gruppe Infrastruktur im Außenministerium, bevor er 2024 als Botschafter nach Japan zog; den Posten besetzte er bis zum Wechsel nach Rom im vergangenen Oktober. Mit der österreichischen Ärztin und ehemaligen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner (54) hat Michael Rendi zwei Töchter.