Der zuständige Gesundheitslandesrat Dr. Hubert Messner räumt in einem Interview mit s+ zwar Probleme ein, verweist zugleich aber auf mehrere Maßnahmen des Landes, mit denen man diese angehe.<BR /><BR /><b>Herr Landesrat, der Ärztegewerkschaft Fimmg zufolge gibt es beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst Probleme. Stimmt das?</b><BR />Landesrat Dr. Hubert Messner: Der Bereitschaftsdienst wird zwar gesichert, aber es ist in der Tat schwierig, Ärztinnen und Ärzte dafür zu finden. Die Stellen werden im Verhältnis 1:5000 ausgeschrieben, wie es die geltenden Kollektivverträge vorsehen. Der neue gesamtstaatliche Kollektivvertrag verschafft allerdings in Zukunft mehr Spielraum, da Ärztinnen und Ärzte, die weniger Patienten haben als vorgesehen, einige Stunden in wohnortnahen Tätigkeiten wie dem ärztlichen Bereitschaftsdienst abdecken können. <BR /><BR /><b>Kritisiert wird auch eine Doppelgleisigkeit: Beim „Ambulatorium Notaufnahme“ in Bozen würden Hausärzte eingesetzt, die doppelt so viel Geld pro Stunde erhielten, wie jene beim Bereitschaftsdienst, der deshalb darunter leide. Das sei unfaire interne Konkurrenz, moniert die Gewerkschaft, das Ambulatorium im Spital müsse geschlossen werden.</b><BR />Landesrat Dr. Messner: Das sind 2 völlig verschiedene Angebote, mit unterschiedlichen Öffnungszeiten und einem anderen Zielpublikum. Der Bereitschaftsdienst garantiert den hausärztlichen Dienst an Wochenenden und Feiertagen bzw. nachts von 20 bis 8 Uhr. Das Ambulatorium für Grundversorgung hingegen übernimmt Patienten der Notaufnahme tagsüber und nur teilweise nachts – ursprünglich von 8 bis 20 Uhr, mittlerweile bis 24 Uhr. Es geht dabei um Patienten der Notaufnahme mit weniger dringendem Kodex, bei denen eine Ersteinschätzung durch einen Allgemeinmediziner Sinn macht – die also vielleicht gar keinen Facharzt brauchen. Das ärztliche Personal im Ambulatorium kann die Patienten selbst behandeln oder im Bedarfsfall trotzdem an Fachärzte im Krankenhaus weiterleiten. Die durchschnittlichen Wartezeiten im Ambulatorium liegen zwischen einer Stunde und 1,5 Stunden, sie sind damit deutlich kürzer als in der Notaufnahme. Seit der Einführung haben sich auch die allgemeinen Wartezeiten in der Notaufnahme für die entsprechenden Triage-Kodexe um rund eine Stunde verkürzt. Von Doppelgleisigkeit kann hier keine Rede sein. Dass die Tarife beider Dienste unterschiedlich geregelt sind, stimmt. Im Ambulatorium für Grundversorgung war eine höhere Vergütung möglich, weil es als Pilotprojekt gestartet wurde. Der Landesbeirat der Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin hat damals ein positives Gutachten zum Stundensatz abgegeben. Wohlgemerkt: Im Ambulatorium für Grundversorgung ist jeweils nur ein Arzt im Dienst, im ärztlichen Bereitschaftsdienst sind immer mehrere Ärztinnen und Ärzte anwesend. <BR /><BR /><b>Der Stellenplan für Hausärzte in Bozen liegt unter dem Plansoll. Ist eine Aufstockung geplant?</b><BR />Landesrat Dr. Messner: Bei den Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin gibt es keinen Stellenplan im engeren Sinne, sie sind vertragsgebundene Freiberuflerinnen und Freiberufler. Der Sanitätsbetrieb berechnet Jahr für Jahr die freien Stellen aufgrund der kollektivvertraglichen Bestimmungen. Für die Grundversorgung gilt der Schlüssel „Eine freie Stelle auf 1300 wohnhafte Personen“. Die verfügbaren Stellen werden veröffentlicht und werden den interessierten Ärztinnen und Ärzten zugewiesen. Derzeit sind im ganzen Landesgebiet 68 der ausgeschriebenen Stellen nicht definitiv besetzt. Die Stellen sind also bereits da, das Problem ist vielmehr, dass wir zu wenige Allgemeinmediziner haben. Dementsprechend gehen unsere Bemühungen in die Richtung, den Hausarztberuf attraktiver zu machen. Einerseits durch Förderungen für Jungärzte oder Gemeinschaftspraxen oder die Mitfinanzierung beim Ankauf von kleindiagnostischen Gerätschaften, die wir nun eingeführt haben. Der Landeszusatzvertrag sieht auch bereits eine monetäre Unterstützung für die Einstellung von Sekretariatspersonal vor. Andererseits arbeiten wir gemeinsam mit der Universität Cattolica daran, den Medizinstudierenden, die hier nach Bozen kommen, auch den Beruf des Allgemeinmediziners von Beginn der Ausbildung an näher zu bringen. Es geht darum, dass wir wieder vermehrt junge Menschen für diesen Beruf gewinnen müssen.