Höhere Geldbußen bringen nichts für die Verkehrssicherheit, dadurch nehme die Zahl der Unfälle nicht ab, meint der Verkehrspsychologe Max Dorfer. Vielmehr sollte es mehr Kontrollen geben und man täte gut daran, sich bei der Verkehrskultur an den skandinavischen Ländern zu orientieren.<BR /><BR /><b>Warum ereignen sich auf den Staatsstraßen besonders viele Unfälle?</b><BR />Max Dorfer: Das Problem sind die vielen Ein- und Ausfahrten – die Kreuzungen und Seitenstraßen. Das führt zu Konfliktsituationen. Es wird zudem relativ schnell gefahren. Bei den Staatsstraßen sind die beiden Spuren nicht getrennt. Es bräuchte Fahrbahntrenner, aber die Straßen sind nicht breit genug dafür in Südtirol. Man kann zum Beispiel die Straße ins Sarntal nicht in der Mitte trennen. Ein amerikanischer Forscher sagte einmal: Wenn man die Fahrbahntrenner einführen würde, dann würden die Autofahrer gleich schlecht fahren wie vorher, gleich unvorsichtig, aber es komme zu viel weniger Kollisionen. Das konnte man in Südtirol auch nach dem Bau der MeBo beobachten: Vorher gab es viel mehr Unfälle, die Fahrbahnen wurden getrennt und die Zahl der Unfälle ist zurückgegangen, obwohl die Autofahrer gleich rücksichtslos fahren.<BR /><BR /><b>Was könnte man bei der Planung von Infrastrukturen anders machen, um Unfällen vorzubeugen?</b><BR />Dorfer: Bei der Planung sollte man sich nicht den idealen Verkehrsteilnehmer vorstellen, der immer auf die Straße konzentriert ist und keinen Fehler macht, sondern den Verkehrsteilnehmer, der Fehler macht – als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer. Eine Straße sollte so gestaltet werden, dass bei Fehlern die Konsequenzen für den Verkehrsteilnehmer gering sind. Gäbe es auf der Straße nach Eppan bei der Kreuzung mit der MeBo einen Kreisverkehr, so könnten dort viele Verkehrsunfälle vermieden werden. Ein Kreisverkehr kostet extrem viel. Man braucht dann einen Kreisverkehr mit einem engen Radius, damit die Autofahrer gezwungen sind, langsam zu fahren. <BR /><b><BR />Wie viele Konfliktpunkte hat ein Kreisverkehr und wie viele eine Kreuzung?</b><BR />Dorfer: Eine vierarmige Kreuzung hat etwa 30 Konfliktpunkte, ein Kreisverkehr hingegen nur 4. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-57597762_quote" /><BR /><BR /><b>Welchen Einfluss hat die Verkehrssicherheitskultur auf die Unfallhäufigkeit?</b><BR />Dorfer: In den skandinavischen Ländern, in England und Deutschland ist die Verkehrskultur anders als bei uns: Dort hält man sich an die Regeln – bei uns ist das weniger der Fall. Die Konsequenz sind mehr Verkehrsunfälle. In diesen Ländern beachten die Bürger mehr als bei uns die Geschwindigkeitsgrenzen und sie halten auch zum Beispiel die Abstände ein. <BR /><b><BR />Bringt es etwas, Verkehrsrowdys noch härter zu bestrafen?</b><BR />Dorfer: Dabei handelt es sich um eine kleine Minderheit. Die meisten Unfälle werden von Fahrern verursacht, die ein niedriges bis mittleres Risiko haben, weil sie zahlenmäßig viel mehr sind. <BR /><BR /><b>Was bringen hohe Geldbußen bei Verkehrsvergehen?</b><BR />Dorfer: Nur weil die Geldstrafen erhöht werden, geht damit nicht die Zahl der Verkehrsunfälle zurück. In Deutschland zahlte man bei Fahren ohne Sicherheitsgurt 35 Euro Geldbuße, in Griechenland 350 Euro. Trotzdem hat Griechenland doppelt so viele Verkehrstote.