Im ausführlichen Interview sprechen sie mit uns über ihre erste gemeinsame Reise, die Schattenseiten ihres Berufs sowie über ihre Zukunftspläne.<BR /><BR /><b>Beginnen wir ganz am Anfang: Wie haben Sie beide sich kennengelernt und wie war Ihre Kindheit?</b><BR />Martina: Wir haben uns bereits im Kindergarten kennengelernt. Seit wir zwei oder drei Jahre alt sind, sind wir beste Freunde. Eigentlich haben wir immer alles gemeinsam gemacht. Wir waren von der Volksschule bis zur Mittelschule in derselben Klasse und hatten eine sehr enge Freundschaft. Wir fuhren gemeinsam ans Meer, in die Berge, verbrachten Wochenenden zusammen und unternahmen Wanderungen. Auch unsere Familien sind dadurch eng zusammengewachsen. Erst in der Oberschulzeit trennten sich unsere Wege für eine Weile, weil wir unterschiedliche Schulen besuchten. Trotzdem blieben wir immer in Kontakt. Nach der Oberschule kam dann das, was wohl schon immer vorherbestimmt war: Wir wurden ein Paar und begannen, gemeinsam die Welt zu entdecken und zu reisen.<BR /><BR /><b>Erinnern Sie beide sich noch an Ihre erste gemeinsame Reise?</b><BR />Edoardo: Ja, natürlich. Die allererste Reise war eigentlich nur ein kleiner Kurztrip. Martina war damals noch nie geflogen. Als sie 19 Jahre alt wurde, schenkte ich ihr deshalb einen Flug nach Bukarest. Wir verbrachten drei Tage in der rumänischen Hauptstadt. Die erste wirklich große Reise kam dann ein Jahr später. Wir hatten etwas Geld angespart und verbrachten einen ganzen Monat in Indonesien. Das war die Reise, die letztlich alles verändert hat.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331976_image" /></div> <b> Wann haben Sie beide beschlossen, es als Content Creator zu versuchen und einen eigenen Account aufzubauen?</b><BR />Edoardo: Eigentlich ist das alles ganz spontan entstanden. Wir fotografierten ohnehin bei Wanderungen oder Reisen und dachten uns irgendwann: Warum erstellen wir nicht einfach eine Seite, auf der wir unsere Reisen teilen? Anfangs war das alles nur ein Hobby, doch langsam kamen immer mehr Follower dazu. Alles entwickelte sich Schritt für Schritt. Aber Geld zu verdienen oder daraus einen Beruf zu machen, daran haben wir damals überhaupt nicht gedacht.<BR /><BR /><b>Ab wann konnten Sie beide von Ihrem Beruf leben?</b><BR />Edoardo: Den ersten Beitrag in den sozialen Medien haben wir im Jahr 2021 hochgeladen. Zwei Jahre lang war es ein Hobby. Dann kamen die ersten Einnahmen, und schließlich haben wir uns selbstständig gemacht.<BR /><BR />Martina: Ein wichtiger Schritt war damals auch die Anschaffung unseres Campers. Wir kauften ihn und bauten ihn selbst zu unserem geliebten Camper „Van Brulé“ aus. Der Umbau hat fast ein Jahr gedauert. Mit dieser Investition begann unsere eigentliche Arbeit als Reise-Content-Creator.<BR /><BR /><b>Wie sind Sie beide auf den Namen „Van Brulé“ gekommen?</b><BR />Martina: Den Namen „Van Brulé“ haben nicht wir ausgesucht. Wir haben unsere Community auf Instagram einbezogen. Die Follower konnten Namensvorschläge einreichen, daraus haben wir unsere Favoriten ausgewählt und anschließend ein Online-Voting veranstaltet. Am Ende setzte sich „Van Brulé“ durch.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331979_image" /></div> <b><BR />Seit 2023 arbeiten Sie beide hauptberuflich als Content Creator. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?</b><BR />Edoardo: Eigentlich komplett. Ich habe früher als Informatiker im Büro gearbeitet, diesen Job gekündigt und wir haben uns ganz auf unser eigenes Projekt konzentriert. Wir haben gemerkt, dass wir etwas Eigenes aufbauen können und dass alles, was wir erreichen, ausschließlich von unserer eigenen Arbeit abhängt. Natürlich ist dieser Beruf viel anspruchsvoller, als viele von außen denken. Man muss ständig kreativ sein, planen und nachdenken. Gleichzeitig hat er uns aber eine Freiheit geschenkt, von der wir früher nur träumen konnten.<BR /><BR />Martina: Als wir gemerkt haben, dass daraus vielleicht wirklich etwas Größeres entstehen könnte, war es noch längst nicht so weit. Trotzdem haben wir beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen. Dass es schließlich funktioniert hat, war wahrscheinlich die schönste Veränderung unseres Lebens.<BR /><BR /><b>Organisieren Sie beide Ihre Reisen selbst?</b><BR />Martina: Wir machen praktisch alles selbst – von der Planung vor der Reise bis zur Organisation vor Ort und natürlich auch die gesamte Produktion und Veröffentlichung der Inhalte. Zusätzlich veranstalten wir Gruppenreisen mit unserer Community. Die Teilnehmer buchen diese Reisen über eine Agentur, allerdings ausschließlich aus organisatorischen und rechtlichen Gründen. Inhaltlich planen wir die Reisen selbst und begleiten die Gruppen persönlich.<BR /><BR /><b>Welche Reise hat Ihnen bisher am besten gefallen?</b><BR />Edoardo: Bis vor Kurzem hätten wir ohne zu zögern Island genannt. Doch nach unserer letzten Reise steht für uns fest: Unsere Fahrt entlang der Seidenstraße bis nach China mit dem Camper war mit Abstand das beeindruckendste Erlebnis, das wir je hatten. Ich glaube, dass diese Reise für lange Zeit unser persönlicher Maßstab bleiben wird.<BR /><BR />Martina: Auf dieser Reise haben wir zum ersten Mal wirklich verstanden, was Reisen eigentlich bedeutet. Wir sind mit den Menschen vor Ort in Kontakt gekommen, haben ihre Kulturen und Religionen kennengelernt und unzählige Gespräche mit Einheimischen geführt. Dadurch haben wir die Orte nicht nur besucht, sondern tatsächlich erlebt.<BR /><BR /><b>Wenn Sie beide sofort an einen Ort zurückkehren könnten – welcher wäre das?</b><BR />Edoardo: Ganz klar: Kasachstan. Vor allem wegen der Mangystau-Wüste. Dort befand sich vor Millionen Jahren das Tethysmeer, heute ist es eine faszinierende Wüstenlandschaft. Was diesen Ort so besonders macht, ist seine Ursprünglichkeit. Es gibt kaum Zäune, Hotels, Eintrittskarten oder Einschränkungen. Man hat das Gefühl, sich völlig frei bewegen zu können.<BR /><BR />Martina: Außerdem haben wir längst nicht alles gesehen. Kasachstan gehört zu den größten Ländern der Welt, und es gibt dort noch unglaublich viel zu entdecken.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331982_image" /></div> <b> Wie viel Zeit investieren Sie beide auf einer Reise in Fotografieren, Filmen und den Schnitt der Videos?</b><BR />Edoardo: Über eine ganze Woche gesehen verbringen wir etwa die Hälfte der Zeit mit dem Erkunden und Reisen, die andere Hälfte ist reine Arbeit. Wenn man hochwertige Inhalte produzieren möchte, ist dieser Aufwand unverzichtbar.<BR /><BR /><b>Sie beide sind praktisch ständig gemeinsam unterwegs und arbeiten auch zusammen. Wie gelingt es Ihnen, Beruf und Beziehung miteinander zu verbinden?</b><BR />Martina: Ich glaube, wir hatten einfach das Glück, jemanden zu finden, der die gleichen Werte und Interessen teilt. Seit wir zusammen sind, haben wir uns beide enorm weiterentwickelt und sind gemeinsam gewachsen. Irgendwann haben wir den richtigen Weg gefunden, miteinander zu leben, zusammenzuarbeiten und trotzdem unsere Balance zu behalten.<BR /><BR />Edoardo: Wir haben verstanden, dass wir gemeinsam etwas aufbauen möchten. Natürlich streiten auch wir manchmal – das gehört zu jeder Beziehung dazu und passiert vielleicht sogar häufiger, wenn man ständig zusammen ist. Wir versuchen, Konflikte möglichst schnell zu lösen und nicht unnötig eskalieren zu lassen.<BR /><BR /><b>Welche Schattenseiten gibt es an Ihrem Beruf?</b><BR />Edoardo: Das größte Problem ist wahrscheinlich, dass viele Menschen glauben, dieser Beruf hätte keine Nachteile. Von außen wirkt alles wie ein endloser Traumurlaub – in Wirklichkeit ist das überhaupt nicht so. Man steht ständig unter Druck, mit der Konkurrenz in den sozialen Medien Schritt zu halten. Man kann es sich kaum leisten, den Anschluss zu verlieren. Hinzu kommt, dass kreative Arbeit nie wirklich aufhört. Der Kopf arbeitet ständig weiter. Je mehr Ideen man entwickelt, desto erfolgreicher kann man sein. Viele Content Creator geraten deshalb irgendwann in ein Burnout. Man wird leicht von den Zahlen, Reichweiten und Algorithmen vereinnahmt und beginnt irgendwann nur noch auf Klicks und Aufrufe zu schauen. Mental ist das eine enorme Belastung.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331985_image" /></div> <b> Gab es seit 2023 jemals einen Moment, in dem Sie beide ernsthaft darüber nachgedacht haben, alles hinzuschmeißen und sich von den sozialen Medien zu verabschieden?</b><BR />Martina: Eigentlich nicht. Wir haben uns dieses Leben bewusst ausgesucht und hart dafür gearbeitet. Deshalb genießen wir es im Moment sehr – mit all seinen Vor- und Nachteilen.<BR /><BR /><b> Sie beide sind ständig unterwegs. Welche Rolle spielt Ihre Heimat heute noch in Ihrem Leben?</b><BR />Edoardo: Südtirol ist für uns nach wie vor der Ausgangspunkt und der Ort, an den wir immer wieder zurückkehren. Hier leben unsere Familien, hier fühlen wir uns zuhause. Wenn wir lange unterwegs waren und nach Hause kommen, merken wir jedes Mal aufs Neue, wie sehr wir unsere Heimat schätzen.<BR /><BR /><b>Werden Sie beide in Südtirol auf der Straße inzwischen häufig erkannt?</b><BR />Edoardo: Ja, das kommt inzwischen ziemlich oft vor. Gerade nach unserer Reise entlang der Seidenstraße hat unsere Bekanntheit deutlich zugenommen. Viele Menschen haben unsere Inhalte verfolgt und sprechen uns jetzt an.<BR />Martina: Solange die Privatsphäre respektiert wird, freuen wir uns immer über Begegnungen mit Menschen, die unsere Reisen verfolgen.<BR /><BR /><b>Welche Reisen oder Projekte haben Sie für dieses und das kommende Jahr geplant?</b><BR />Edoardo: Eigentlich hätten wir große Lust auf das nächste große Abenteuer. Trotzdem haben wir bewusst beschlossen, uns nach unserer Reise bis nach China etwas Zeit zu nehmen. Diese Reise war sowohl beruflich als auch persönlich unglaublich intensiv. Wir möchten ihr den Stellenwert geben, den sie verdient, und nicht sofort versuchen, sie mit einem noch größeren Projekt zu übertreffen. Deshalb werden wir im kommenden Jahr zwar häufiger unterwegs sein, aber jeweils auf kürzeren Reisen. Sicher ist jedoch, dass wir nach Zentralasien zurückkehren werden. Uns faszinieren Länder, die bisher nur wenig vom Tourismus geprägt sind. Dort erleben wir die authentischsten Begegnungen. Die Menschen vor Ort sind oft ganz anders, als man es sich von außen vorstellt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1331988_image" /></div> <b><BR />Wo sehen Sie beide sich in zehn Jahren?</b><BR />Edoardo: Das ist eine schwierige Frage. Vor einigen Jahren hätten wir wahrscheinlich geantwortet, dass wir diesen Beruf nur für ein paar Jahre machen und spätestens mit 30 wieder in ein klassischeres Berufsleben zurückkehren würden. Heute sehen wir das anders. Je mehr Möglichkeiten wir in dieser Branche entdecken, desto eher können wir uns vorstellen, auch in zehn Jahren noch in diesem Bereich tätig zu sein. Trotzdem leben wir im Moment sehr bewusst im Hier und Jetzt. Wir sind beide erst 25 Jahre alt und möchten diese Jahre vor allem zum Reisen nutzen. Wir bleiben offen für alles, was das Leben für uns bereithält.<BR /><BR /><b>Angenommen, Instagram und YouTube würden morgen vollständig verschwinden – also genau jene Plattformen, auf denen Ihr Beruf basiert. Was würden Sie beide dann beruflich machen?</b><BR /><BR />Martina: Ehrlich gesagt machen wir uns darüber keine allzu großen Sorgen. Wir sind jung, motiviert und überzeugt davon, dass wir wieder etwas Neues aufbauen könnten. Wir sprechen sogar manchmal darüber, weil so etwas theoretisch passieren könnte. Trotzdem sehen wir der Zukunft in dieser Hinsicht ziemlich gelassen entgegen.<BR /><BR />Edoardo: Ich bin davon überzeugt, dass wir jederzeit wieder etwas Neues entwickeln könnten. Wir haben gelernt, professionell Videos zu drehen und zu schneiden, Inhalte zu konzipieren und Geschichten zu erzählen. Allein mit diesen Kompetenzen könnten wir beispielsweise für Produktionsfirmen oder Fernsehsender arbeiten. Wir könnten aber auch Marketingabteilungen oder die Social-Media-Kommunikation eines Unternehmens betreuen, kreative Konzepte entwickeln oder als Content-Produzenten arbeiten. Und wenn es wieder stärker in Richtung Reisen gehen sollte, könnten wir uns auch gut vorstellen, Gruppenreisen zu begleiten oder als Reiseleiter tätig zu sein. Möglichkeiten gäbe es also genügend. Wir glauben nicht, dass wir ohne Perspektive dastehen würden.