<b>Von Alexandra Geyr</b><BR /><BR />Am 11. Dezember 1944 wurde Maria Obexer in Brixen geboren. Ihr Leben war geprägt von harter Arbeit, Entbehrungen und großer innerer Stärke. Als älteste Tochter wäre sie eigentlich dazu bestimmt gewesen, den elterlichen Hof in Untereben bei Brixen zu übernehmen. Doch Maria entschied sich schließlich, ihren eigenen Weg zu gehen.<h3> Prägende Kindheitserfahrungen </h3>Schon als Kind lernte sie leicht und ging mit großer Freude zur Schule. Bildung bedeutete ihr viel, doch nach der fünften Klasse Volksschule war ihre Schulzeit abrupt zu Ende. Wie so viele Kinder in den Nachkriegsjahren musste auch sie zu Hause mitarbeiten. <BR /><BR />Auf dem elterlichen Hof in Untereben wartete ein harter Alltag: Arbeit von früh morgens bis spät abends, kaum Freizeit und wenig Möglichkeiten, eigene Wünsche zu verwirklichen. Ein besonders schweres Schicksal begleitete Maria Obexer schon von Geburt an. In ihrer Familie gab es insgesamt drei Zwillingspärchen – doch jedes Mal starb eines der Kinder im Alter von nur wenigen Monaten im Bettchen. <BR /><BR />Auch Marias Zwillingsbruder überlebte nicht. Obwohl sie ihn nie wirklich kennenlernen konnte, spürte Maria Zeit ihres Lebens diesen Verlust tief in ihrem Inneren. „Ich hatte ihn ja nie richtig gekannt, aber mein ganzes Leben lang fehlte immer etwas. Ich war, irgendwie nicht vollständig“, erzählt sie leise. Diese Erfahrung prägte sie früh. Vielleicht erklärt sie auch jene besondere Sensibilität und stille Nachdenklichkeit, die Maria bis heute auszeichnen. Trotz aller Mühen verlor Maria nie ihre Lebensfreude und ihren Wunsch zu lernen.<BR /><BR />Mit 20 Jahren durfte sie nach langem Bitten endlich die Haushaltungsschule in Sarns besuchen – eine Zeit, an die sie bis heute mit großer Wärme zurückdenkt. „Ich ging mit 64 Kilogramm nach Sarns und kam mit 76 Kilogramm zurück, so gut ging es mir dort“, erzählt sie schmunzelnd. „Natürlich mussten wir auch dort arbeiten, aber wir konnten lernen, hatten einen geregelten Tagesablauf, bekamen genug zu essen und ich konnte immer sehr gut schlafen.“ <BR /><BR />Für Maria Obexer bedeutete diese Zeit weit mehr als nur Ausbildung. Es war zum ersten Mal ein Stück Freiheit, Gemeinschaft und Anerkennung – etwas, das sie in ihrer Jugend oft vermisst hatte. Nach Beendigung der Ausbildung in der Haushaltungsschule hätte Maria, als älteste Tochter, den Hof von der Mutter übernehmen sollen. Ein älterer Bruder hatte den zweiten Hof vom Vater bereits übernommen. <BR /><BR />Anders als viele in ihrem Umfeld wollte sie nicht den Hof, sondern suchte ihren eigenen Weg. So bewarb sie sich als Häuserin in St. Lorenzen bei Pfarrer Engelbert Pedevilla – und wurde angenommen. Für die nächsten 15 Jahre führte Maria Obexer dort mit großer Hingabe den Haushalt des Pfarrers. Nach dessen Tod setzte sie ihre Arbeit in Spinges bei Pfarrer Josef von Zieglauer fort, wo sie weitere 15 Jahre tätig war.<BR /><BR /> Rückblickend bezeichnet Maria diese Zeit als die schönsten Jahre ihres Lebens. „Etwas gottesfürchtig sollte man schon sein und auch gerne zur Messe gehen. Mir hat das unglaublich viel gegeben, und ich war glücklich bei meiner Arbeit“, erzählt Maria mit einem Lächeln. Für Maria war die Arbeit bei den Pfarrern weit mehr als ein Beruf: Sie war eine erfüllende Lebensaufgabe, ein Ort, an dem sie ihre Talente einsetzen konnte, Gemeinschaft erlebte und im Einklang mit ihrem Glauben lebte. <BR /><BR />Diese Jahre prägten ihr Leben nachhaltig und sind ein Beispiel dafür, wie Hingabe, Glaube und Freude an der Arbeit ein Leben reich und erfüllend machen können. <BR /><BR />Nach Jahrzehnten engagierter Arbeit trat Maria Obexer ihren wohlverdienten Ruhestand an und zog in eine kleine Wohnung in Bruneck. Schon immer litt sie unter Blutarmut, in den letzten Jahren kamen Nierenprobleme hinzu, die ihr zunehmend die Kraft nahmen. Nach mehreren schweren Stürzen musste sie zunächst drei Wochen ins Krankenhaus und anschließend einen weiteren Monat zur Rehabilitation in eine Klinik. Glücklicherweise erhielt Maria anschließend einen Platz im Seniorenwohnheim in Mühlbach, wo sie heute wieder glücklich lebt.<h3> Zufrieden im Hier und Jetzt </h3> „Ich muss dreimal die Woche zur Dialyse nach Brixen ins Krankenhaus, und ich habe mich nicht nur daran gewöhnt, sondern es ist für mich eine willkommene Abwechslung. Es sind immer so nette Fahrer und Pfleger des Weißen Kreuzes dabei“, erzählt sie verschmitzt. „Ich muss zwar um halb fünf Uhr morgens aufstehen, da die Dialyse um 7 Uhr beginnt, aber zum Mittagessen bin ich wieder zurück.“ Im Heim hat Maria sich besonders gut eingelebt. „Ich kenne jeden Winkel dieses wunderschönen Hauses und auch alle, die hier leben und arbeiten“, sagt sie. <BR /><BR />Vor dem Schlafengehen hört sie gerne Radio – Fernsehen hat es ihr nie angetan. Und natürlich darf seit ihrer Kindheit die tägliche Lektüre der „Dolomiten“ nicht fehlen, ergänzt am Wochenende vom „Sonntagsblatt“. <BR /><BR />Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele Frauen ihrer Generation: Frauen, die früh Verantwortung übernehmen mussten, die Entbehrungen kannten und dennoch mit Bescheidenheit, Fleiß und Humor durchs Leben gingen. Bis heute beeindruckt Maria Obexer mit ihrer warmherzigen Art, ihrer Bodenständigkeit und ihrer Lebensgeschichte und zeigt eindrucksvoll, mit wie Wenig man glücklich und zufrieden sein kann.