Nacht für Nacht werden die Bewohner durch Luftalarme aus dem Schlaf gerissen. Immer wieder schlagen Drohnen und Raketen im Stadtgebiet ein. Das Weiße Kreuz versucht, vor Ort zu helfen, und versorgt die Menschen mit jenen Dingen, die sie dringend benötigen: Kerzen, Bekleidung, Decken, Lebensmittel. „Sie sehen, es gibt da jemanden. Sie werden nicht verlassen. Sie werden nicht vergessen“, erzählt Leimegger. <h3> Über 30.000 Kriegsinvaliden leben in Kiew</h3>Über das europäisches Netzwerk „Samariter International“ hat das Weiße Kreuz bereits viele Projekte vor Ort realisiert, darunter die Renovierung des Luftschutzbunkers einer Kinderklinik, den Bau eines Sozialzentrums und eines Tagespflegeheims für Menschen mit Beeinträchtigung. <BR /><BR />Im Dezember war Markus Leimegger bei der Einweihungsfeier für das Sozialzentrum dabei. Allein in Kiew leben über 30.000 Kriegsinvaliden. Viele von ihnen sind schwer verwundet, haben eine Prothese, oder benötigen psychologische Hilfe. Das Sozialzentrum dient als Anlaufstelle für sie. Im Rahmen der Weihnachtsengel-Aktion wurden mehrere tausend Päckchen aus Südtirol in die Ukraine geschickt. Zeichen, die zählen. „Da haben wir einen Funken Hoffnung in den Kinderaugen gesehen“, erinnert sich Leimegger. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1280733_image" /></div> <BR />Vielerorts war er schon im Einsatz: beim Erdbeben in den Abruzzen, bei den Hochwassern in Norditalien. Doch der Krieg in der Ukraine sei beispiellos, so der Leiter der Sektion Zivilschutz im Weißen Kreuz. „Eine solche Dimension hat es vorher in Europa nicht gegeben.“ <h3> Hohe Gefahr, hoher Sicherheitsstandard</h3>Fünf Mal war er schon dort. Die Mitarbeiter werden vor einem solchen Einsatz entsprechend geschult. Die Reise nach Kiew ist nicht ungefährlich: Das Auto stellt ein zu großes Sicherheitsrisiko dar. Meistens nimmt Leimegger deshalb einen Nachtzug. Er startet im Osten Polens und erreicht Kiew am nächsten Vormittag. Bei der Grenzüberquerung sieht man überall Militär, alle sind bewaffnet. <BR /><BR />„Wir installieren dann auf unserem Smartphone eine App, in der Luftalarme gemeldet werden. Da weiß man: Das ist keine Übung mehr, das ist echt“, sagt Leimegger. Die Gefahr ist hoch, doch auch der Sicherheitsstandard: Die Mitarbeiter des Weißen Kreuzes werden in einem Hotel in Kiew mit eigenem Luftschutzbunker untergebracht. <h3> Die Rückkehr in die Ukraine naht</h3>Unterwegs sind sie meistens in kleinen Gruppen, manchmal auch nur zu zweit. „Im August 2024 waren wir mit einem kleinen Freiwilligenteam vor Ort und haben dort in einem Erstaufnahmezentrum eine Dusche eingebaut“, blickt er zurück. Den Menschen fehlt oft das Allernotwendigste. Da mindert eine Dusche schon viel Leid. In dem Erstaufnahmezentrum werden Binnenflüchtlinge versorgt, meistens Mütter mit ihren Kindern. Sie haben nichts mehr, außer den Dingen, die sie in ihren Händen tragen können. <BR /><BR />Im Frühjahr wird Markus Lelimegger wieder in die Ukraine zurückkehren. Das Erstaufnahmezentrum soll dann mit einer richtigen Toilette ausgestattet werden. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. „Wir haben das Gefühl, wir können wirklich helfen, und wir werden mittlerweile auch willkommen geheißen. Die Menschen wissen, dass wir sie nicht im Stich lassen, egal wie lange es dauert“, sagt er. „Wir“ sind in diesem Fall sehr viele Südtiroler, denn ohne deren Spendenbereitschaft könnte das Weiße Kreuz das meiste nicht finanzieren.