Sonntag, 11. November 2018

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg

Die Welt gedenkt am heutigen Sonntag des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Die Relevanz der damaligen Ereignisse für die Jetztzeit scheint gering zu sein. Doch würde die Welt heute ganz anders aussehen, hätte es die „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts nicht gegeben.

Vor genau 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg.
Vor genau 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. - Foto: © shutterstock

Der Erste Weltkrieg fegte nämlich nicht nur Monarchien und Vielvölkerstaaten Europas weg, sondern war auch die Keimzelle für die totalitären Regime des Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus. Selbst der Nahost-Konflikt lässt sich auf den Ersten Weltkrieg zurückführen, konkret auf die „Balfour-Erklärung“ zur Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina im November 1917.

Auch die nicht eingehaltenen Versprechen von Briten und Franzosen gegenüber den Arabern wirken bis heute nach. Am nachhaltigsten bestimmt das Weltgeschehen heute der damals begonnene Aufstieg der USA zur Supermacht, die dem im „Großen Krieg“ ausgebluteten Britischen Empire den Rang abliefen.

Doch vor allen Dingen war der Erste Weltkrieg ein gewaltiges Gemetzel. Insgesamt fielen rund 10 Millionen Soldaten in dem unter unvorstellbarem Materialeinsatz geführten Krieg. So werden in Frankreich immer noch jedes Jahr 900 Tonnen nicht explodierter Munitionskörper eingesammelt und vernichtet.

Wie alles begann...

Am Anfang standen 2 Pistolenschüsse, abgefeuert vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 in Sarajevo. Sie trafen den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie tödlich. Princip wollte mit seiner Tat ein Zeichen gegen die österreichische Herrschaft in der früheren osmanischen Provinz Bosnien-Herzegowina setzen.

Österreich-Ungarn nahm die Ermordung des Thronfolgers zum Anlass, das „Balkanproblem“ ein für alle Mal zu lösen. Bereits 2 Tage nach dem Attentat von Sarajevo habe er seinen Willen zum Krieg bekannt gegeben, ein betont hart formuliertes Ultimatum an Serbien, dem am 28. Juli die Kriegserklärung folgte, sollte den Waffengang legitimieren.

Verwicklung aller Staaten durch Bündnispolitik 

Aus der geplanten Strafaktion gegen Serbien wurde aber nichts. Die gegenseitigen Verflechtungen der europäischen Staaten setzten nämlich eine Bündnisautomatik in Gang, die innerhalb einer Woche alle großen Mächte in den Konflikt hineinzog.

Zunächst kämpften Russland, Frankreich, Großbritannien mit Serbien gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn sowie das Osmanische Reich und Bulgarien.

Woodrow Wilson und die 14 Punkte

Während Österreich-Ungarn mit dem Kriegseintritt Italiens im Sommer 1916 einen bisherigen Verbündeten als weiteren Gegner bekam, unterlief den Deutschen Anfang 1917 mit dem U-Boot-Krieg gegen den Nachschubwege im Atlantik ein entscheidender Fehler. Dies löste nämlich den Kriegseintritt der USA im April 1917 aus, was die Entente in einer entscheidenden Situation stützte. 

Im letzten Kriegsjahr, eingeläutet durch das 14-Punkte-Programm von US-Präsident Woodrow Wilson zur Nachkriegsordnung (8. Jänner), wandte sich das Blatt endgültig zugunsten der Alliierten. Das Endspiel wird Ende Oktober durch einen italienischen Schlag gegen Österreich-Ungarn ausgelöst, bei dem sich die österreichische Südfront auflöste.

Der Keim für den 2. Weltkrieg

Die Kriegsverlierer Deutschland, Österreich, Ungarn, Türkei und Bulgarien mussten in den Pariser Vororteverträgen harte und demütigende Friedensbedingungen akzeptieren, die den Keim des nächsten Konflikts in sich tragen.

Der Friedensvertrag von Versailles mit Deutschland am 28. Juni 1919 markierte den Beginn weiteren Unheils. Die auf politischem Misstrauen und drückenden Reparationszahlungen fußende „Friedensordnung“ stieß den Kontinent nämlich schon bald in neue Krisen, mit dem Aufstieg autoritärer und kriegshetzerischer Bewegungen wie der deutschen Nationalsozialisten als Konsequenz.

apa

stol