<Fett><b>Herr Forcher, wie Land, Leute und Musik gehören Sie seit 1986 zu den festen Bestandteilen der ORF-Sendereihe „Klingendes Österreich“. Denken Sie ans Aufhören?</b><BR /></Fett>Sepp Forcher: Nein. Ich habe mit ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gesprochen. Er hat gesagt, dass ich weiterhin hochwillkommen bin. Und ich habe gesagt, dass ich so lange weitermache, so lange es mich freut. Die Unternehmensleitung hat immer gesagt, sobald ich aufhöre, gibt es die Sendung nicht mehr. Einerseits kann man dies als Erpressung und andererseits als Kompliment sehen. <BR /><BR /><Fett><b>1986 wurde „Klingendes Österreich“ zum ersten Mal im ORF ausgestrahlt. Haben Sie sich um die Moderatorenstelle beworben?</b><BR /></Fett>Forcher: Ich habe mich nicht darum beworben. Ich wurde gefragt, ob ich im Fall, wenn ein Kandidat verhindert wäre, einspringen könnte. Und weil ich nicht geglaubt habe, dass einer verhindert ist, habe ich einfach Ja gesagt. Mir wurde gesagt, dass Castings in Wien gemacht werden, zu denen die Kandidaten eingeladen wurden. Ich wurde aber nie eingeladen. Ich hatte aber schon in anderen Fernsehsendungen mitgewirkt, und so wurden daraus einfach Ausschnitte gezeigt. Jene Leute, die darüber zu befinden hatten, wer die Stelle bekommt, haben gemeint, dass ich der geeignetste Mensch dafür wäre. Ich war damals 55. In diesem Alter steigen einem solche Dinge nicht mehr zu Kopf. Und so bin ich auf dem Boden geblieben.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="717419_image" /></div> <BR /><BR /><Fett><b>Haben Sie dem ORF Bedingungen gestellt?</b><BR /></Fett>Forcher: Natürlich habe ich Bedingungen gestellt, sonst wäre ich kein Südtiroler. Ich habe gesagt, dass ich reden will, wie ich es gewohnt bin und dass ich sage, was ich denke. Es wird nichts aufgeschrieben und die Gegend, in der wir uns bewegen, wird von mir ausgesucht. Bis heute gibt es keinen geschriebenen Text von mir. Die Auswahl der Musik ist hingegen kompetenteren Leuten vorbehalten. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="717422_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><Fett><b>Bis heute wurden 164 Folgen von „Klingendes Österreich“ ausgestrahlt, die allesamt Sie moderiert haben. Wo waren Sie mit Ihrer Sendung schon überall zu Gast?</b><BR /></Fett>Forcher: Die Frage müsste eher lauten, wo ich noch nicht war. Die meisten Gegenden Österreichs haben wir mit unserer Sendung schon besucht. Eine Bedingung vom ersten Tag an war aber, dass auch Südtirol mit dabei ist. Denn laut Tiroler Landesverfassung ist Südtirol ein unverzichtbarer Teil des Landes Tirol. Denn „Tirol isch lei oans“. Und das wurde und wird im ORF respektiert. Seither hat es kein Jahr gegeben, in dem Südtirol in der Sendung nicht vertreten war. Bayern wird, entweder im Zusammenhang mit dem Land Salzburg oder mit dem Land Tirol eher selten besucht, obwohl es hervorragende Volksmusikanten hat.<BR /><BR /><Fett><b>Welche Ziele verfolgen Sie mit der Sendung?</b><BR /></Fett>Forcher: Bei „Klingendes Österreich“ geht es einerseits um die Landschaft, um die Kultur und um die Geschichte. Als tragendes Gerüst geht es bei uns aber natürlich um die echte Volksmusik, wobei wir das Hauptaugenmerk auf die authentische und traditionelle Volksmusik legen. Es spricht schon für sich, dass wir bis heute ungefähr 1500 Volksmusikgruppen in den Sendungen hatten. <BR /><BR /><Fett><b>Bei „Klingendes Österreich“ treten regelmäßig auch Blaskapellen auf. Wie würden Sie die Qualität der Südtiroler Musikkapellen bewerten?</b><BR /></Fett>Forcher: In meinen Augen gibt es in Südtirol eigentlich nur gute Musikkapellen. <BR /><BR /><Fett><b>Stimmt es, dass die Sendungen bewertet werden?</b><BR /></Fett>Forcher: Ja, und auf die Noten bin ich auch sehr stolz. Jede Sendung wird intern im ORF bewertet. Dabei pendeln wir immer zwischen den Noten 4,5 und 4,7 wobei die Note fünf die höchstmögliche Bewertung ist. Das Rezept für den Erfolg ist so einfach wie das Rezept fürs Brotbacken. Es gibt nicht viele Zutaten, aber alle sind wichtig. <BR /><BR /><Fett><b>Wie viel Zeit investieren Sie in eine Ausgabe von „Klingendes Österreich“?</b><BR /></Fett>Forcher: Der Arbeitsaufwand pro Sendung beträgt im Schnitt rund 30 Tage. Eine Sendung beginnt mit der Planung. Dann folgen die Recherchen, die dann überprüft werden. Anschließend folgen die offizielle Begehung und dann die Aufnahmen. Wenn ich schon Wert darauf lege, dass „Klingendes Österreich“ mein Kind ist, dann muss ich auch etwas dafür tun. Ein Problem der Sendung ist, dass wir im Freien agieren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="717425_image" /></div> <BR /><BR /><Fett><b>Seit 1956 sind Sie mir Ihrer Helli verheiratet. Über 50 Jahre Ehe sind für heutige Verhältnisse nicht so selbstverständlich. Verraten Sie uns Ihr Rezept dafür?</b><BR /></Fett>Forcher: Bei uns ist das Rezept einfach. Wir haben uns unsere Existenz gemeinsam aufgebaut. Wir haben nichts geerbt und auch nichts geschenkt bekommen. Wir haben als Hüttenwirte begonnen und immer gemeinsam gearbeitet. Und wir sind auch bei den Sendungen immer gemeinsam unterwegs. Egal wo wir drehen, die Helli kommt immer mit. Wir haben auch gemeinsame Interessen. Unsere Sammelleidenschaft ist eine geteilte Leidenschaft. Was mir gefällt, gefällt der Helli und umgekehrt. <BR /><BR /><Fett><b>In Südtirol wird immer wieder die Rückkehr zu Österreich gefordert. Was halten Sie davon?</b><BR /></Fett>Forcher: Nein, das ist nicht meine Ansicht. Südtirol hat sich in einer sehr wunderbaren Weise völlig selbstständig entwickelt, dank Magnago und Durnwalder. Diese beiden Politiker haben die Position des Landes gegenüber Rom großartig aufgewertet. Den Traum, dass Südtirol wieder zu Österreich kommt, können nur mehr Phantasten weiterträumen. <BR /><BR /><Fett><b>Was sagen Sie zur Forderung nach der Einigung Tirols?</b><BR /></Fett>Forcher: Wenn ich in Südtirol bin, bin ich in Tirol. Das selbe gilt, wenn ich im Tiroler Oberland bin. Es ist eine einzige Rasse. Südtirol ist Italien und Nordtirol ist Österreich. De facto ist es aber ein Tirol. <BR /><BR /><Fett><b>Landeshauptmann Luis Durnwalder wird oft wegen seines Regierungsstils kritisiert. Wie bewerten Sie ihn?</b><BR /></Fett>Forcher: Luis Durnwalder ist der perfekteste Diplomat für Südtirol, wenn er in Rom für sein Land verhandelt. Ich bin stolz darauf, ihn als Freund zu haben. Ich habe zwei Landeshauptleute als Freunde. Einmal den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll und dann Südtirols Landeshauptmann Luis Durnwalder. Und bei beiden frage ich mich, wer und wo der Nachfolger ist. Bei Bauernsöhnen ist ein Land immer am besten aufgehoben. Und sowohl Pröll als auch Durnwalder sind Söhne von Bauersleuten. <BR /><BR /><Fett><b>Was verbindet Sie ganz persönlich mit dem Land Südtirol, das Sie ja bei der Option verlassen haben?</b><BR /></Fett>Forcher: Option bedeutet, das freiwillige Verlassen der Heimat. Das wird heute sehr oft falsch dargestellt und verstanden. Ich habe noch Verwandte in Sexten und Toblach. Wir besuchen uns natürlich gegenseitig. Und es ist für mich jedes Mal ein großer Augenblick, wenn ich Südtirol, meine Heimat, wiedersehe.