Dienstag, 16. Mai 2017

Vor 15 Jahren erschossen – Gedenken an Luis Lintner

Am 16. Mai 2002 ist der aus Aldein stammende Missionar Luis Lintner in Brasilien auf offener Straße erschossen worden. Am Dienstag erinnerten in Aldein Verwandte, Weggefährten und die Südtirols Kirche an den ermordeten Priester.

 Diese Woche erinnerten sich Verwandte, Weggefährten und Südtirols Kirche an Luis Lintner. - Foto: DLife
Badge Local
Diese Woche erinnerten sich Verwandte, Weggefährten und Südtirols Kirche an Luis Lintner. - Foto: DLife

„Es waren wohl sein Einsatz für die Armen und seine Kritik an den Machthabern, die ihn das Leben gekostet haben“, mutmaßt die Diözese Bozen-Brixen – die Hintergründe der Tat blieben bis heute ungeklärt.

Am 13., 14. und 16. Mai gedachte man bei 3 Gottesdiensten in Bozen, Weißenstein und Aldein an den ermordeten Diözesanpriester. Auch Jugendliche aus der „Casa do Sol“ in Salvador de Bahia waren nach Südtirol gekommen, um ihres Freundes zu gedenken.

"Luis lebte das, was er predigte"

22 Jahre lang hatte Luis Lintner als Priester und Missionar in Brasilien gearbeitet – von 1980 bis 1991 in der Pfarrei Tabocas und von 1992 bis 2002 in den Favelas von Salvador de Bahia.

Dem Neffen von Luis Lintner, P. Martin M. Lintner, ist die Authentizität des Onkels in besonderer Erinnerung geblieben: „Luis lebte das, was er predigte.“ Luis Lintner sei ein ruhiger, tiefsinniger und überlegter Mensch gewesen.

Er sei den Menschen auf Augenhöhe begegnet, ihre Würde sei für ihn unantastbar gewesen. So habe der Missionar für obdachlose Menschen genauso ein offenes Ohr gehabt wie für alleinerziehende Frauen und solche, die Gewalt erlebten. Er setzte sich für junge Leute aus den Armenvierteln ein, die sich wegen fehlender Arbeit prostituierten oder mit Drogen handelten.

Lintner forderte radikale Veränderungen

Bei seinen Heimatbesuchen hat Luis Lintner immer wieder radikale Veränderungen gefordert: Die Veränderungen müssten im reichen Norden der Welt stattfinden und seien nicht vom Süden zu erwarten, erklärte der Missionar den Politikern und Priesterkollegen.

Sein Einsatz trug unter anderem auch dazu bei, dass in Südtirol im Spätsommer 1991 das Gesetz zur Entwicklungszusammenarbeit verabschiedet wurde.

Filmemacher und Ständige Diakon Wolfgang Penn aus Kastelruth hat den Missionar bei Dreharbeiten in Brasilien getroffen. Die Favela „Golfo Persico“ in der Pfarrei von Luis Lintner war aufgrund einer Landbesetzung erst wenige Wochen zuvor entstanden.

Auf die Frage, wie es ihm dabei gehe, im sicheren Pfarrhaus zu wohnen, während die Menschen unten am Bach im Dreck hausen mussten, meinte er nachdenklich, die Leute würden nicht von ihm verlangen, mit ihnen dort zu leben, wohl aber, dass er ihnen helfe, da rauszukommen.

„Wenn ich oben auf festem Grund bin, kann ich ihnen leichter die Hand reichen, um sie aus dem Sumpf herauszuziehen“, erklärte Luis Lintner dem heutigen Leiter des diözesanen Missionsamtes.

Angehörige und Weggefährten von Luis Lintner sind sich einig, dass der Aldeiner Missionar der Südtiroler Gesellschaft auch 15 Jahre nach seinem Tod viel zu sagen habe.

Nicht ins Schneckenhaus zurückziehen

Karl Leiter, der Lintner in den 1980er Jahren kennengelernt hat, meinte: „Luis hielt nichts vom heute omnipräsenten Wunsch, sich immer und überall abzusichern.“

Der Priester und Missionar habe sich auf ungewohnte Lebenssituationenm eingelassen und auf neue Menschen eingestellt. Die Botschaften des Verstorbenen seien auch unangenehm, ergänzte P. Martin Lintner und sprach das Fluchtthema an: „Luis würde uns auffordern, uns nicht in unser Schneckenhaus zurückzuziehen.“

Er hätte sich von den eingewanderten Menschen bewegen lassen, Schritte auf sie zu gemacht und sie in die Gesellschaft hereingeholt. Luis Lintner habe eine Kirche mit den Armen und nicht eine Kirche für die Armen gelebt.

Damit fordere er Südtirols Kirche und Gesellschaft nach wie vor heraus, ist der Ordenspriester überzeugt.

stol

stol