Donnerstag, 15. April 2021

100 Tage seit der Vermisstenanzeige: Chronologie im Mordfall Perselli/Neumair

Vor 101 Tagen wurden Laura Perselli und Peter Neumair ermordet. Vor 100 Tagen, am 5. Jänner 2021, ging die Vermisstenanzeige ein. Der Fall hielt ganz Südtirol in Atem. Alles, was seit dem Verschwinden des Bozner Paares geschah, lesen Sie hier.

Benno Neumair  hat laut seiner eigenen Aussage seine Eltern Laura Perselli und Peter Neumair ermordet.
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Benno Neumair hat laut seiner eigenen Aussage seine Eltern Laura Perselli und Peter Neumair ermordet. - Foto: © FB
Am Abend des 4. Jänner verschwindet das Bozner Paar Laura Perselli (68) und Peter Neumair (63) spurlos aus seiner Wohnung in der Runkelsteiner Straße. Während Laura Persellis Leichnam Wochen später in der Etsch gefunden wurde, fehlt von Peter Neumair weiter jede Spur. Der Sohn des Paares, Benno Neumair, hat den Elternmord gestanden und sitzt im Gefängnis. Eine Chronologie.

4. Jänner:

Am Montag, 4. Jänner, werden Laura Perselli und Peter Neumair zuletzt gesehen. Sie hätten gegen 18 Uhr die gemeinsame Wohnung in der Bozner Runkelsteiner Straße verlassen, sagte damals der 30-jährige Sohn Benno Neumair. Das Auto steht am üblichen Platz, keiner der beiden ist am Handy erreichbar.




5. Jänner:
Tochter Madé Neumair, die in München lebt, ist besorgt: Sie hat seit Montagabend keine Antwort von ihren Eltern erhalten. Auf Nachfrage bei Bruder Benno sagt dieser, er sei nicht zu Hause und wisse nicht, wo die Eltern seien. Daraufhin wird das pensionierte Lehrerpaar als vermisst gemeldet, die Einsatzkräfte starten die Suche. Als am Dienstagnachmittag ein Felssturz auf das Hotel Eberle abgeht und dieses zerstört, wird auch die Möglichkeit in Betracht gezogen, die beiden könnten unter den Felsbrocken begraben sein. Eine diesbezügliche Suche mit Spürhunden bleibt jedoch ohne Ergebnis.

6. Jänner:
Die Berufsfeuerwehr, 3 Freiwillige Feuerwehren von Bozen, die Wasserrettung, der Notarzthubschrauber Pelikan 1 und die Carabinieri suchen im Raum Bozen.

7. Jänner:
Die Einsatzkräfte der FF Rettungshundestaffel Bezirk Bozen suchen mit Mantrailern, also Hunden, die auf die Suche von Menschen trainiert sind, in Zusammenarbeit mit den Carabinieri sämtliche Straßen und Wege ab. Startpunkt dabei ist immer die Wohnung des Ehepaars in der Runkelsteiner Straße. Auch Hinweisen aus der Bevölkerung wird nachgegangen – jedoch ohne Erfolg.

8. – 9. Jänner:
Der Rettungshubschrauber Pelikan 1 sucht den Ritten ab, wo die Familie eine Ferienwohnung hat. Außerdem suchen die Berufsfeuerwehr, die Freiwilligen Feuerwehren von Leifers und Pfatten, Bezirkstaucher sowie die Wasserretter entlang des Eisack und der Etsch; Carabinieri, Polizei und der Hubschrauber der Finanzwache beteiligen sich an der Suche von Bozen bis Pfatten. Südlich von Bozen wird ein Paar Schuhe gefunden, zudem ein einzelner Schuh und ein kleiner Rucksack. Beides – so wird später bestätigt – gehört jedoch nicht dem Ehepaar.

10. Jänner:
In Montiggl bei Eppan werden der Wald und die Seen abgesucht, jedoch ohne Ergebnis. Auch die Auswertung des Videomaterials von Überwachungskameras nahe der Wohnung des Ehepaars bringt keine neuen Erkenntnisse.

11. Jänner:
Das Paar ist nun schon seit einer Woche verschwunden. Die Freiwilligen Feuerwehren von Trens, Mauls und Brixen, die Wasserrettung Brixen und der Notarzthubschrauber Pelikan 2 suchen den Eisack von Elzenbaum bis Trens ab.


12. Jänner:

Mit einem Sonargerät werden einige tiefe Stellen der Etsch auf der Höhe des Safety-Parks in Pfatten abgesucht, bei Mori im Trentino suchen Taucher den Grund der Etsch ab. Erfolglos. Persönliche Gegenstände werden sichergestellt und ins Speziallabor der Sondereinheit RIS der Carabinieri nach Parma gebracht.

Am selben Tag begab sich Sohn Benno Neumair in Begleitung einer Frau an eine Tankstelle in der Nähe des Bozner Krankenhauses, um das Auto seiner Eltern zu waschen. Plötzlich seien 2 Streifenwagen der Carabinieri gekommen und hätten Benno Neumair aufgefordert, sie zu begleiten. Das Auto sei beschlagnahmt worden. Diese Vorkommnisse wurden allerdings erst am 27. Jänner bekannt.




13. Jänner:
Die Suche geht weiter, zudem berichtet die Sendung „Chi l’ha visto“ über den Fall. Demnach war Laura Perselli am Abend des 4. Jänner noch bei ihrer Mutter zu Besuch. Danach kehrte sie in ihre Wohnung in der Runkelsteiner Straße zurück. Dort sollen sich auch ihr Mann und ihr Sohn Benno Neumair aufgehalten haben. Dieser sei auch der Letzte, der die beiden gesehen hat. Am späteren Abend habe Benno die Wohnung verlassen, um bei einer Freundin zu übernachten. Um 5.30 Uhr morgens sei er nach Bozen zurückgekehrt, um den Hund auszuführen. Benno betonte, er habe nicht gewusst, ob die Eltern Zuhause seien, da die Tür zum elterlichen Schlafzimmer geschlossen gewesen sei. Wie sich später herausstellen sollte, hat Benno Neumair gelogen.



14. Jänner:
Die Straßen rund um die Rittner Ferienwohnung der beiden Bozner werden abgesucht, außerdem wird ein Privatdetektiv engagiert, der nach dem Ehepaar suchen soll. Weiterhin wird in und entlang der Etsch von Bozen bis Mori im Trentino gesucht.

15. Jänner:
Seit 10 Tagen sind Hunderte Einsatzkräfte auf der Suche – weiterhin ohne Erfolg. Auch mit Drohnen wurde gesucht, darunter im Gebiet von Oberbozen, Signat und Sill.

16. Jänner:
Erneut durchkämmt ein Großaufgebot an Rettern am Wochenende die Ufer des Eisacks und der Etsch von Bozen bis zur Landesgrenze. 17 Freiwillige Feuerwehren mit gut 120 Einsatzkräften aus den Bezirken Bozen und Unterland, die Taucher der Freiwilligen Feuerwehren, die Berufsfeuerwehr Bozen, die Wasserrettung Südtirol sowie die Carabinieri sind an der Suchaktion beteiligt, ebenso Suchhunde der Detection Dogs aus dem Tessin (Schweiz). Wieder bleibt die Suche erfolglos.



17. Jänner:

Seit fast 14 Tagen wird nach dem Ehepaar gesucht – ohne Erfolg. Da weitere Hinweise ausbleiben, wird die Suche vorübergehend eingestellt.

18. Jänner:
Eine Blutspur auf dem Geländer der Etschbrücke, die von Peter Neumair (63) stammen soll, brachte die schlagartige Wende im Vermisstenfall des Bozner Ehepaars. Die Staatsanwaltschaft wendet sich an den bislang einzigen Verdächtigen: Den 30-jährigen Sohn des Paares. Gegen Benno Neumair wird nun wegen Mord sowie des Verbergens von Leichen ermittelt, er wird allerdings zunächst nicht festgenommen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Vertreten wird er von den beiden Anwälten Flavio Moccia und Angelo Polo.




Die Wohnung des Paares in der Runkelsteiner Straße wird beschlagnahmt, neue Hinweise lösen eine gezielte Suche nach den Leichnamen aus.

19. Jänner:
Was zum damaligen Zeitpunkt keiner wusste: Benno Neumair kehrte am 19. Jänner zum Haus zurück, als die Wohnung seiner Eltern in der Runkelsteiner Straße 22 bereits beschlagnahmt war und von Zivilpersonen nicht betreten werden durfte. Er habe eine Nachbarin gebeten, ihn einzulassen, mit der Erklärung, er wolle in den Keller gehen. Mittlerweile ist klar: Er kam zurück, um Spuren zu verwischen.

20. Jänner
Am Tag nachdem Mordermittlungen gegen Benno Neumair aufgenommen worden waren, meldete sich auch Günther Neumair, Bruder des vermissten Peter Neumair, zu Wort. „Ich glaube nicht, dass ich meinen Bruder noch lebend sehen werde“ , sagte er im bewegenden Interview mit s+.

Auch Bennos Schwester, Madé Neumair, meldet sich einige Tage später schwer gezeichnet zu Wort, und spricht von einem Alptraum.


21. Jänner:
Die Mordermittlungen laufen auf Hochtouren. Bekanntlich verbrachte Benno Neumair den Abend des Verschwindens seiner Eltern bei seiner Freundin Martina A. in Auer. Dort kam er gegen 22.15 Uhr an. Doch, wie sich herausstellte, gibt es auf seiner Fahrt von Bozen nach Auer eine Lücke von 40 Minuten. Seine Erklärung , er habe am Fischerteich nahe des Safety Parks gehalten und Musik gehört scheint den Ermittlern wenig glaubhaft.

Am 21. Jänner kam auch erstmals Martina A. zu Wort. „Ich möchte nicht sprechen, ich weiß auch nicht viel“, betonte jene Frau, bei der Benno Neumair die Nacht des 4. Jänner verbracht hat, gegenüber den Reportern der italienischen Vermissten-Sendung „Chi l'ha visto“.

23. Jänner
Der Fall des vermissten Paares Peter Neumair und Laura Perselli aus Bozen gibt bereits seit knapp 3 Wochen Rätsel auf. S+ vor Ort ging die wichtigsten Schauplätze in diesem Krimi ab und fasste im Video den Ermittlungsstand zusammen.

24. Jänner:
Seit genau 3 Wochen sind Peter Neumair und Laura Perselli verschwunden. Am Nachmittag des 24. Jänner flammte Hoffnung auf: Jemand wollte einen Sack in der Etsch gesehen haben. Aber es war ein Fehlalarm.

Die Freundin von Benno Neumair, Martina A. aus Auer, bei der er den Abend des Verschwindens seiner Eltern und auch die Nacht verbracht hatte, gab am selben Tag weitere Informationen bekannt. Sie habe Bennos Kleidung gewaschen und diese den Ermittlern übergeben. In einer Audiobotschaft erklärte sie 3 Tage später, warum sie dieses Detail erst so spät Preis gab. Auch sie wurde ins Ermittlungsregister eingetragen. Laut ihrem Anwalt Federico Fava handle es sich hierbei um einen rein formalen Akt.

26. Jänner:
Nachdem seit Wochen das Schicksal von Laura Perselli und ihrem Ehemann Peter Neumair ungewiss ist, muss die Familie Perselli nun mit einem weiteren Schicksalsschlag fertig werden: Die Mutter der vermissten Laura Perselli und Oma von Benno und Madé Neumair, starb im Alter von 96 Jahren.

26.- 28. Jänner:
Am 26., 27. und 28. Jänner wird erneut nach den Leichen der Eheleute gesucht. Der Fokus lag dabei auf das Gebiet zu Land und zu Wasser rund um die Etschbrücke beim Safety Park zur Frizzi Au. Bei den komplexen Suchaktionen kamen Taucher und auch Dummys zum Einsatz. Bis zum Einbruch der Dunkelheit standen die Carabinieri, die Wasserrettung der Berufsfeuerwehr, die Wasserrettung von Bozen und Brixen, die Tauchergruppen der Feuerwehren und die Freiwilligen Feuerwehren von Pfatten und Leifers im Einsatz. Ohne Erfolg. STOL informierte sich bei der Berufsfeuerwehr über das Vorgehen.

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28. Jänner:
Paukenschlag im Bozner Krimi: Benno Neumair, Sohn des verschwundenen Bozner Ehepaares Laura Perselli und Peter Neumair, wurde am späten Abend des 28. Jänner auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wegen zweifacher vorsätzlicher Tötung und Verbergens der Leichen festgenommen und anschließend ins Bozner Gefängnis gebracht. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, geschah die Festnahme aufgrund neuer Ermittlungserkenntnissen, auf die sie nicht näher einging.

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30. Jänner:
Nachdem Benno Neumair in der Nacht von Donnerstag, 28. Jänner auf Freitag, 29. Jänner festgenommen und ins Bozner Gefängnis gebracht worden war, hat am Samstag, 30. Jänner das Garantieverhör stattgefunden, welches von Untersuchungsrichterin Carla Scheidle geführt wurde. Dabei musste Scheidle die Rechtmäßigkeit der Anhaltung von Benno Neumair bestätigen und konnte ihn entweder auf freien Fuß setzen oder einen Haftbefehl erlassen. Benno Neumair hat während des Verhörs von seinem Recht zu schweigen Gebrauch gemacht. Die Anwälte von Benno Neumair haben sich gegen eine Sicherungsmaßnahme zulasten ihres Mandanten ausgesprochen. Sie sind von seiner Unschuld überzeugt.

Am späten Samstagnachmittag wurde dann entschieden, dass Neumair in Haft bleiben muss.

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Während des Garantieverhörs wurden im Verhandlungssaal am Bozner Landesgericht auch 2 Audioaufnahmen angehört: Laura Perselli soll sich darauf bei einer Freundin telefonisch über ihren Sohn Benno beklagt haben. Die Aufnahmen stammen aus dem vergangenen Sommer.

1. Februar:
Der Anwalt von Benno Neumair, Flavio Moccia, begab sich am Montagvormittag des 1. Februar ins Gefängnis zu seinem Mandaten, um sich auf die nächsten Schritte vorzubereiten. Benno Neumair sitzt in Einzelhaft.

2. Februar:
Die Staatsanwaltschaft ordnete eine weitere Durchsuchung an. Am Nachmittag des 2. Februar traf die Spezialeinheit der Carabinieri RIS erneut in der Runkelsteiner Straße in Bozen ein, um nach Spuren zu suchen. Sowohl die Wohnung, in der Laura Perselli und Peter Neumair lebten, als auch der Garten der Familie wurden genauestens inspiziert. Auch Benno Neumairs Verteidiger waren vor Ort.

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3. Februar:
Peter Neumair und Laura Perselli bleiben weiterhin spurlos verschwunden – trotz erneuter Suche in der Etsch. Die Ermittler des RIS begaben sich erneut an den Wohnsitz der Neumairs in der Runkelsteiner Straße 22 in Bozen, um nach Spuren zu suchen. Ein Zeuge will beim tatverdächtigen Benno Neumair eine Flasche mit dem Bleichmittel Wasserstoffperoxid gesehen haben. Forensiker suchten mit Luminol gezielt an einigen bestimmten Stellen in der Wohnung nach Spuren von Blut bzw. von Bleichmittel, das zum Beseitigen von Spuren verwendet worden sein könnte. Luminol macht nämlich beides sichtbar.

Auch die Sendung „Chi l’ha visto?“ ging am 3. Februar auf dieses Detail ein und berichtet sogar von einer 2. Flasche des Mittels.



4. Februar:
Vor genau einem Monat verschwand das Paar spurlos. Ihr Schicksal bleibt vorerst weiter ein Rätsel.

5. Februar
Bei der Suche nach Peter Neumair und Laura Perselli, die mittlerweile seit 31 Tagen verschwunden sind, starten Ermittler und Einsatzkräfte einen neuen Versuch: Der Pegel der Etsch wurde dafür gesenkt. Bei weniger Wasserführung sollte es leichter sein, den Fluss abzusuchen.

6. Februar
Paukenschlag im mutmaßlichen Mordfall Perselli/Neumair. Was seit Wochen vermutet worden war, ist nun traurige Gewissheit. Laura Perselli ist tot. Bei einer neuerlichen Suchaktion wurde ihr Leichnam bei Neumarkt in den Fluten der Etsch gefunden. 2 Deichwachen schlugen gegen 9.50 Uhr Alarm, als sie am orografisch linken Flussufer den leblosen Körper einer Frau im Wasser entdecken. Der Leichnam wurde ins Bozner Krankenhaus gebracht. Einen Ausweis bzw. Dokumente hatte die Tote nicht bei sich gehabt. Die Verwandten erkannten in der Carabinieri-Kaserne in Bozen persönliche Gegenstände, die bei der Toten gefunden wurden, als jene von Laura Perselli wieder. Ein DNS-Test brachte schließlich absolute Sicherheit bzw. und einen objektiven wissenschaftlichen Nachweis zur Identität der Frau bringen. Eine Autopsie soll nun die Todesursache klären.



Benno Neumair gesteht – Angehörige und Öffentlichkeit erfuhren erst einen Monat später davon

Was am Tag des Auffindens des Leichnams von Laura Perselli noch geschah, die Öffentlichkeit und auch die Angehörigen aber erst einen Monat später erfahren sollten: Gleich nachdem die Leiche seiner Mutter Laura Perselli aus der Etsch geborgen worden war und ihm dies von seinen Verteidigern mitgeteilt wurde, hat Benno Neumair die Morde an seinen Eltern gestanden. Das Verhör unterlag aber der Geheimhaltungspflicht, weshalb die Nachricht erst viel später, und zwar am 8. März durchsickerte.

„Das Geständnis erfolgte nach einem schweren Nervenzusammenbruch“, erklärte sein Anwalt Flavio Moccia mehr als einen Monat später, nachdem am 8. März die Nachricht vom Geständnis bekannt geworden war. (Alles dazu in der Chronologie unter 8. März)

9. Februar
Die Suche nach Peter Neumair wird fortgesetzt. Die Suchmannschaften konzentrieren sich auf eine Stelle im Fluss, an der wenige Tage zuvor dessen Schuh gefunden worden sein soll.



11. Februar
Am 11. Februar geschah etwas, das die Öffentlichkeit erst einen Monat später erfahren würde: Nach dem er die Taten gegenüber seinen Verteidigern gestanden hatte, wurde Benno Neumair erstmals verhört und mit einem Foto seiner toten Mutter konfrontiert. Daraufhin gestand er den Doppelmord erstmals auch den Ermittlern. (Alles dazu in der Chronologie unter 8. März)

13. Februar
Der Leichnam Laura Persellis wird obduziert. Die Autopsie bestätigt den Verdacht, dass eine Gewalttat vorliegt. Für die Obduktion hatte die Staatsanwaltschaft den Gerichtsmediziner Dario Raniero beauftragt, die Verteidigung Eduard Egarter Vigl. Wie durchsickerte, deutet der Zustand des Leichnams von Laura Perselli darauf hin, dass die 68-Jährige schon seit dem Abend ihres Verschwindens am 4. Jänner in der Etsch gelegen haben könnte – was die Ermittler bisher auch angenommen hatten.



Am Körper der Frau sollen keine Abwehrverletzungen festgestellt worden sein. Dies könnte zum einen darauf hindeuten, dass sie den Täter kannte bzw. nicht davon ausging, dass sie vom ihm etwas zu befürchten hätte.
Zum anderen könnte es ein Hinweis darauf sein, dass der Täter dem Opfer kräftemäßig überlegen war bzw. dass Perselli von dem Angriff völlig überrascht worden ist und somit vermutlich keine Chance mehr hatte, zu reagieren und sich zu wehren.

Es sind also mehrere Szenarien möglich; diese dürften im Rahmen der weiteren Ermittlung anhand der sichergestellten Fundstücke bzw. Beweismittel widerlegt oder untermauert werden.

Die Wundmale am Hals von Laura Perselli geben zudem Hinweise auf das Tatwerkzeug. Die Frau dürfte mit einem Seil stranguliert worden sein. Für die Ermittler lässt diese Erkenntnis noch weitere mögliche Rückschlüsse zu – allen voran, dass der Tat eine gewisse Planung zugrunde gelegen haben dürfte. Ein Seil gehört allgemein nicht zu den Gegenständen, die sich zufällig in greifbarer Nähe befinden. Auch könnten die Ermittler aus der Verwendung eines Seils eine Tötungsabsicht ableiten, da dabei zumindest in Kauf genommen wird, dass das Opfer ersticken könnte.

9. Februar
Die menschliche Tragödie um Peter Neumair (63) und Laura Perselli (68) erreicht auch einen medialen Tiefpunkt. Jemand hatte eine Aufnahme der toten Frau in der Etsch gemacht und wurde Medien zum Verkauf angeboten.

9. – 10. Februar
Das Freiheitsgericht befasst sich mit Benno Neumair. Während seine Anwälte Flavio Moccia und Angelo Polo auf eine Freilassung pochen (man bedenke, beide wussten zu dem Zeitpunkt bereits, dass ihr Mandant die Morde verübt hatte, unterlagen aber der Schweigepflicht), haben sich sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Rechtsanwalt Carlo Bertacchi, der Madé Neumair vertritt, dafür ausgesprochen, dass die vorbeugende Verwahrungshaft aufrecht bleibt.



Madè Neumair teilte dem Gericht schriftlich mit, dass sie um ihre eigene Sicherheit besorgt sei, sollte ihr Bruder jetzt auf freien Fuß kommen.


11. Februar
Benno Neumair bleibt in Untersuchungshaft. Das Freiheitsgericht hat am 11. Februar den Antrag der Verteidigung auf Haftentlassung abgelehnt. Zudem fand vor Gericht die Beauftragung der Gutachter für das Beweissicherungsverfahren statt. Dort ernannte die Staatsanwaltschaft Rechtsmediziner Dr. Dario Raniero für die Durchführung der Autopsie am Leichnam Laura Persellis, die Verteidigung hingegen Eduard Egarter Vigl. Auch die Freundin Benno Neumairs, Martina A., bleibt weiter im Ermittlungsregister eingetragen.

Was zu dem Zeitpunkt niemand wusste: Benno Neumair wurde am 11. Februar verhört und mit einem Foto seiner toten Mutter konfrontiert. Daraufhin hat er auch vor den ermittelnden Staatsanwälten Igor Secco und Federica Iovene in Anwesenheit der eigenen Verteidiger seine Verantwortlichkeit für die Taten zugegeben, nachdem er dies gegenüber seinen Anwälten – wie berichtet – bereits am 6. Februar tat. An die Öffentlichkeit gelangte die Info, dass er bereits gestanden hatte, wie bereits erwähnt, erst am 8. März. (alles zum Geständnis in der Chronologie unter 8. März)

13. Februar
Fieberhaft wird in einer großangelegten Suchaktion weiter nach Peter Neumair in der Etsch gesucht.

Im Interview mit STOL erklärte Einsatzleiter Markus Bertignoll den genauen Ablauf.

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16. Februar
Keine spontane Tat, sondern von langer Hand geplant – samt falschen Spuren, um die Vermittler in die Irre zu führen: Darauf deuten immer mehr Indizien im Kriminalfall Peter Neumair/Laura Perselli hin. Die Ortungsdaten von Benno Neumairs Handy sollen die These der Ermittler untermauern.

18. Februar
Die Sendung „Chi l’ha visto?“ befasst sich weiter mit dem mutmaßlichen Bozner Mordfall und bringt weitere Details zu Benno Neumairs Vergangenheit ans Licht. Journalistin Claudia Aldi wurde im Laufe des Abends aus Ulm in Baden-Württemberg zugeschaltet. Sie berichtete von einem Vorfall, der sich in der damaligen Wohnung von Benno Neumair in Ulm abgespielt haben soll. Es war der 6. Juli 2020 und Benno Neumair habe seine Mitbewohnerin mit einem Messer bedroht. Dabei habe er sich auch selbst unter dem Auge verletzt, so die Journalistin. Die bedrohte Frau habe um Hilfe gerufen und das Spezialeinsatzkommando (SEK) sei eingetroffen. Benno sei daraufhin von der Polizei weggebracht worden.



19. Februar
Im exklusiven s+Interview spricht erstmals auch Peter Neumairs Schwester. Michaela Neumair erzählt über das letzte Treffen mit ihrem Bruder, schreckliche Gedanken in der Nacht, gnadenlose Medienberichte und eine Begegnung mit ihrem Neffen Benno.

20. Februar

Peter Neumair (63) gilt seit 4. Jänner als vermisst – nachdem die Leiche seiner Frau Laura Perselli (68) am 6. Februar aus der Etsch geborgen worden war, beginnt erneut eine großangelegte Suche. Dafür wurde die Tauchereinheit der Carabinieri von Genua nach Südtirol bestellt. Diese besteht nicht nur aus Froschmännern, sondern auch einer „Froschfrau“– der ersten und bislang einzigen Carabinieri-Taucherin Italiens.

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24. Februar
Benno Neumair, der unter dringendem Tatverdacht steht, seine Eltern Laura Perselli und Peter Neumair ermordet zu haben, teilte mit, dass er vom Staatsanwalt gehört werden wolle.

25. Februar
Die Rai-3-Sendung „Chi l'ha visto?“ hat sich erneut mit dem damals noch mutmaßlichen Mordfall Perselli/Neumair beschäftigt und höchst interessante Details zu Tage gefördert. Benno Neumair hat möglicherweise absichtlich eine falsche Fährte gelegt, um die Spürhunde der Carabinieri-Einheiten in die Irre zu führen. Im Kriminalfall Neumair/Perselli sagte nun auch eine junge Frau aus, die unter den Verdacht der Ermittler geraten war: Sie hatte kurz nach dem Verschwinden des Paares Peter Neumair und Laura Perselli mehrere Tage lang mit dessen Sohn Benno verbracht – und zwar in der Wohnung der Eltern in Bozen. In dieser Zeit soll dieser, wie berichtet, 2 Flaschen Wasserstoff gekauft haben. Beim Einkauf soll die junge Frau den Tatverdächtigen begleitet haben, was sie den Ermittlern gegenüber bei einer Einvernahme auch bestätigt haben soll.

Ebenfalls berichtet haben soll die junge Frau den Ermittlern dabei über einen Spaziergang, den sie in der Zeit zusammen mit Benno Neumair unternommen hatte. Dabei soll dieser sie aufgefordert haben, eine Jacke zu tragen, die dem nach wie vor vermissten Peter Neumair gehören soll. Die Jacke wurde inzwischen als mögliches Beweismittel beschlagnahmt und soll nun im Labor untersucht werden.

27. Februar
Peter Neumair bleibt weiter unauffindbar: Auch die Suchaktion der Spezialeinheit der Carabinieri-Taucher musste nach einer Woche intensiver Arbeit erfolglos abgebrochen werden. Gefunden werden konnte aber ein Schraubenschlüssel, der ein weiterer wichtiger Hinweis sein könnte.

1. März
Was zu dem Zeitpunkt niemand wusste: Benno Neumair wurde am 1. März nach einem ersten Verhör am 11. Februar erneut verhört und lieferte dabei den Ermittlern sehr detaillierte Informationen zu seinen Taten.(siehe in der Chronologie unter 8. März) An die Öffentlichkeit gelangte die Info, dass er bereits gestanden hatte, erst am 8. März.

4. März
Vor genau 2 Monaten verschwanden Laura Perselli und Peter Neumair. Mit Spannung erwartet wird die Anhörung Benno Neumairs, die in den kommenden Tagen stattfinden soll. Wie gesagt: Zu dem Zeitpunkt ahnte noch niemand, weder Angehörige noch Öffentlichkeit, dass Benno Neumair den Elternmord bereits gestanden hatte.

8. März
Paukenschlag im Mordfall Perselli/Neumair. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass Benno Neumair den Doppelmord an seinen Eltern bereits gestanden habe. Demnach sei der Beschuldigte bereits bei 2 Einvernahmen (am 11. Februar und am 1. März) angehört worden und habe „in Anwesenheit der eigenen Verteidiger seine Verantwortlichkeit zugegeben“, heißt es in der Aussendung. Wie sich später am Tag herausstellte, hatte Benno Neumair bereits am 6. Februar, also am Tag des Auffindens des Leichnams seiner Mutter Laura, den Doppelmord seinen Verteidigern gestanden. Verteidiger Moccia im Interview.

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Erst am 8. März erfuhr die Öffentlichkeit und auch die Angehörigen schließlich davon, da die Staatsanwaltschaft die Ermittlungsakte an den Vorerhebungsrichter übergeben hatte, wodurch die Geheimhaltungspflicht nichtig wurde. (STOL hat berichtet)

In einem ersten Verhör am 11. Februar vor den ermittelnden Staatsanwälten Igor Secco und Federica Iovene räumte Benno Neumair im Beisein seiner Verteidiger die Tat ein, in einem späteren Verhör am 1. März, lieferte er den Ermittlern eine detailliertere Version des Vorgefallenen. Hier das schockierende Geständnis.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am 8. März außerdem, dass ein psychiatrisches Gutachten von Benno Neumair erstellt wird.

9. März
Madé Neumair meldet sich nach dem Bekanntwerden des Mord-Geständnisses ihres Bruders Benno zu Wort: Ihre Abrechnung ist erschütternd.

10. März
Nach dem Bekanntwerden des Geständnisses begab sich STOL noch einmal an die Schauplätze der Taten und sprach auch mit Felix Reggiani von der Berufsfeuerwehr Bozen.

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11. März
Nach Madé Neumair reagierte auch Michaela, die Schwester des seit 4. Jänner vermissten Peter Neumair, auf die Medienberichte über das Geständnis ihres Neffen Benno Neumair. Zudem erzählte sie, was er ihr bei ihrem Besuch im Gefängnis – damals war sie noch nichtsahnend – erzählte.

Auch Carla Perselli, Schwester der von Benno Neumair ermordeten Laura Perselli, wandte sich mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit.

Außerdem werden immer mehr makabere Details bekannt. Mit enormer krimineller Energie soll Benno Neumair versucht haben, alle Spuren des Mordes an seinen Eltern zu beseitigen und die Ermittler in die Irre zu führen. Nach dem Mord an Laura Perselli und Peter Neumair am Nachmittag bzw. Abend des 4. Jänner habe Benno Neumair laut Erkenntnissen der Ermittler mit einer Reihe von Tricks versucht, falsche Fährten zu legen und die Fahnder in die Irre zu führen.

Außerdem wurde bekannt, dass Benno Neumair seine (tote) Mutter angerufen hatte, um eine weitere falsche Fährte zu legen.

13. – 15. März
Mehrere Tage waren Suchmannschaften und Taucher nahe der Rombrücke in Bozen auf der Suche nach den Handys von Laura Perselli und Peter Neumair, jedoch ohne Erfolg. Auch der Leichnam Peter Neumairs bleibt weiter unauffindbar. Hier einige Eindrücke der Suchaktion am 15. März

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17. März
Taucher der Carabinieri fanden bei einer neuerlichen Suchaktion schließlich doch ein Handy 50 Meter südlich in der Nähe der Rombrücke. Jenes von Laura Perselli.

18. März
Im Mordfall Neumair/Perselli kommen immer mehr Details ans Licht. So soll ein Zahnarzt-Besuch die Hypothese stützen, dass der Tatverdächtige Benno Neumair den Mord an seinen Eltern geplant habe. Dieser Aspekt wurde in der Fernsehsendung „Chi l'ha visto?“ auf Rai 3 aufgegriffen. Außerdem ging es um die Ängste der Mutter und eine weitere Frau in Bennos Leben.

22. März
Furchtbare Details aus dem Verhör Benno Neumairs werden bekannt.
Was er den Ermittlern dabei erzählte, erfahren Sie hier.

24. März
Im Fall des ermordeten Bozner Paares Laura Perselli (68) und Peter Neumair (63) beginnt jetzt die Arbeit der Gutachter. Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, im Zuge eines Beweissicherungsverfahrens die Psyche von Benno Neumair unter die Lupe nehmen zu lassen.

26. März
Die TV-Sendung „Chi l'ha visto?“ berichtet über den Verdacht, dass Benno Neumair nicht nur für den Tod seiner Eltern, sondern auch seiner Großmutter verantwortlich sein könnte. Was sagen Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu dieser These?

30. März
Im Beweissicherungsverfahren zum Mordfall Peter Neumair und Laura Perselli geht es nun Schlag auf Schlag. 2 wichtige Termine stehen an.

31. März
Benno hat Fans. Eine geschlossene Facebook-Gruppe sorgt für Empörung im Netz: „Le bimbe di Benno Neumair“ mit Hunderten Mitgliedern beherbergt vor allem Verehrerinnen des geständigen Elternmörders aus Bozen.

Auch die Ermittlungen laufen auf Hochtouren weiter. Ein I-Phone, ein Notebook, ein Tablet, einen Computer, ein Navigationsgerät, ein Modem und USB-Sticks: Das sind die technischen Geräte aus dem Besitz von Benno Neumair, deren Daten jetzt ausgewertet werden. Die digitalen Beweisstücke sollen vor allem eine zentrale Frage für den bevorstehenden Prozess klären.

1. April
Zurechnungsfähigkeit Benno Neumairs auf dem Prüfstand: War er zum Zeitpunkt des Mordes an seinen Eltern geistig zurechnungsfähig? Ist er eine Gefahr für die Gesellschaft? Diese und andere Fragen müssen 3 Gutachter klären, die am 1. April vor Gericht vereidigt wurden. Eine Rolle spielen hier auch Anabolika, die Benno Neumair beim Bodybuilding eingenommen haben soll. (Lesen Sie mehr dazu hier)

8. April
Der Genetiker Emiliano Giardina hat am Donnerstag, 8. April, am Landesgericht in Bozen den ersten Teil seines Gutachtens hinterlegt, das er im Auftrag von der Voruntersuchungsrichterin Carla Scheidle im Fall des Doppelmordes an Laura Perselli und Peter Neumair durchgeführt hat. Dieses Gutachten bestätigt Benno Neumairs Geständnis.

13. April
Benno Neumair sitzt im Bozner Gefängnis nicht mehr in Einzelhaft. Er teilt sich die Zelle jetzt mit 2 anderen Mördern: Johannes Beutel, über den in wenigen Tagen das Berufungsschwurgericht urteilt, und Lukas Oberhauser, gegen den die Staatsanwaltschaft gerade Anklage erhoben hat.

15. April
Heute vor 101 Tagen wurden Laura Perselli und Peter Neumair ermordet. Vom Leichnam Peter Neumairs fehlt weiter jede Spur.








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