Donnerstag, 13. Juni 2019

Vor 20 Jahren: Gabriel Grüner im Kosovo erschossen

Gabriel Grüner war Experte auf dem Gebiet der Kriegsberichterstattung und in vielen Krisengebieten der Welt im Einsatz. Im Kosovo wurde das dem aus Mals Gebürtigen zum Verhängnis. Am Donnerstag vor genau 20 Jahren wurde der „Stern“-Journalist zusammen mit dem Fotografen Volker Krämer und Übersetzer Senol Alit 36-jährig von einem Heckenschützen getötet.

Am Donnerstag vor genau 20 Jahren wurde Gabriel Grüner getötet. - Foto: D
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Am Donnerstag vor genau 20 Jahren wurde Gabriel Grüner getötet. - Foto: D

Es war kurz nach Friedensschluss im Kosovo. Grüner hielt sich für das deutsche Nachrichtenmagazin „Stern“ im Kriegsgebiet auf. Bei der Rückfahrt von Prizren nach Skopje wurde der Wagen, in dem Grüner, Krämer und Alit saßen, am 13. Juni 1999 aus dem Hinterhalt beschossen. Gabriel Grüner erlitt eine schwere Schussverletzung.

Der „Stern“-Journalist war noch bei vollem Bewusstsein, als er eine halbe Stunde nach dem Angriff geborgen wurde. „Ich will leben. Ich liebe meine Familie, meine Frau und meinen ungeborenen Sohn“, sagt er zu einer holländischen Krankenschwester, die ihn am Ort des Überfalls erstversorgt hatte. Doch er sollte die Schussverletzung nicht überleben. Wenig später starb er in einem mazedonischen Spital.

Wenige Wochen nach dem Tod wurde sein Kind geboren

Nach der Überstellung nach Hamburg wurde Gabriel Grüner schließlich im engsten Kreise der Familie in seiner Heimatgemeinde Mals zu Grabe getragen. Wenige Wochen später brachte Grüners Lebensgefährtin ihr gemeinsames Kind zur Welt.

Im Oktober 1999 wurde Gabriel Grüner posthum mit dem internationalen Kriegsberichterstatter-Preis der französischen Stadt Bayeur ausgezeichnet. In Südtirol und weit darüber hinaus hält man den im Einsatz ermordeten Journalisten hoch in Ehren. Noch 1999 wurde das Gabriel-Grüner-Stipendium ins Leben gerufen, mit dem seither jährlich ein Reporter und ein Fotograf für eine gemeinsame Reportage unterstützt werden. Auch im damaligen Kriegsgebiet lebt der Name Gabriel Grüners weiter. So ist in der Stadt Prizren das Zentrum für Kinder mit Kriegstraumata nach dem aus Mals gebürtigen Journalisten benannt.

Mörder bis heute nicht gefasst 

Der Mörder von Grüner, Krämer und Alit konnte nie gefasst werden. 2001 hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg einen russischen Freiwilligen im Kosovo-Krieg als Angreifer ausgemacht. Ein internationaler Haftbefehl gegen ihn blieb bislang allerdings erfolglos.

„Gabriel fehlt mir - heute genauso wie damals, als es gerade passiert war", schreibt die Schriftstellerin Sabine Gruber am Donnerstag auf Facebook.

D/em/stol

stol