„Es war völliges Neuland für uns“, erinnert sich Hans Berger, damals Landwirtschaftslandesrat. „Gott sei Dank haben wir dann Maßnahmen ergriffen, die sich im Nachhinein als richtig erwiesen haben.“ BSE-Fälle sind in Europa seit Jahren nicht mehr aufgetreten – Kontrollen werden aber nach wie vor vorgenommen, auch in Südtirol, sagt Landestierarzt Dr. Paolo Zambotto. <BR /><BR />Nach fast 6.000 negativen Tests im Bozner Tierseucheninstitut war am 4. September 2001 eine BSE-Probe positiv ausgefallen. Die Kuh wurde in der Folge fachgerecht entsorgt, der Stall des betroffenen Betriebes sofort versiegelt. 23 Kühe, neun trächtige Kalbinnen und zwölf Jungrinder wurden zur Schlachtbank geführt. 2002 folgten in Südtirol dann drei weitere BSE-Fälle.<BR /><BR />BSE – eine bei Rindern auftretende schwammartige Veränderung der Gehirnsubstanz, auch Rinderwahn genannt – war zwischen 1996 und 2006 häufig in England aufgetreten, und es kam dann auch zu Übertragungen auf den Menschen. Als Ursache wurde der Verzehr von infektiösem Futter festgestellt. In der Folge wurde die Verwendung von Fleisch- und Knochenmehl von Wiederkäuern in Rinderfutter verboten.<h3> Durch Twin Towers Randerscheinung</h3>„Wir haben 2001 versucht, die Keulungsverfügung realistisch anzuwenden“, erklärt Berger. Gekeult worden sei, wo eine Ansteckungsgefahr vermutet wurde. Zuerst sei der gesamte Bestand, der mit einem infizierten Rind in Kontakt war, gekeult worden, danach habe man die Keulung beschränkt auf jene Tiere, die in direktem Kontakt mit dem Rind standen – also aus dem gleichen Futtertrog gefressen oder körperlichen Kontakt hatten, berichtet Berger. Dass damals am 11. September 2001 die Twin Towers in New York medial im Mittelpunkt standen, sei rückblickend von Vorteil gewesen. <BR /><BR />„Wir wurden damit Gott sei Dank eine Randerscheinung“, meint Berger rückblickend. Für ihn sei es eine Bewährungsprobe gewesen. „Es war nicht einfach, die Diskussion realistisch zu halten, sodass keine hysterische Reaktion entsteht bei der Bevölkerung und bei den Bauern. Das ist uns gemeinsam gelungen. Wir haben versucht, uns bei unserer Vorgangsweise nicht treiben zu lassen. Es hat dann weitere BSE-Fälle gegeben, bis die Vorsichtsmaßnahmen griffen und das Thema Geschichte wurde.“ Laut Landestierarzt Dr. Zambotto wird BSE inzwischen bei Rindern kontrolliert, die mindestens vier Jahre alt sind.