Dienstag, 02. August 2016

Vor 36 Jahren: Der Anschlag von Bologna

Am 2. August jährt sich zum 36. Mal der Anschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna. Bei dem Anschlag im Jahr 1980 starben 85 Menschen, darunter auch zwei Südtiroler - mehr als 200 wurden verletzt.

Der Bahnhof von Bologna kurz nach der Explosion.
Der Bahnhof von Bologna kurz nach der Explosion. - Foto: © D

Es war an einem Sonntagmorgen um 10.25 Uhr als in einem klimatisierten Wartesaal des Bahnhofs von Bologna eine zeitgesteuerte Kofferbombe explodierte. Der Saal war zum Bersten voll: Es war August, und klimatisierte Räume waren damals die Ausnahme und nicht die Regel. Die Explosion zerstörte den Großteil des Gebäudes und einen Teil des Zuges, der gerade auf seine Abfahrt in Richtung Ancona wartete. Sie war kilometerweit zu hören. Als dann das Dach des Bahnhofs kollabierte, wurde das für viele zur Falle.  

Die Stadt hilft

Die Polizei war auf einen Anschlag dieser Größenordnung nicht vorbereitet. Er zählt heute als drittgrößter Anschlag auf europäischem Boden: Nach den Anschlägen von Paris im November 2015 und dem Anschlag auf den Bahnhof von Madrid im Jahr 2004 teilt sich der Anschlag von Bologna den zweifelhaften dritten Platz mit dem Anschlag von Nizza im Juli 2016: Beide forderten 85 Opfer.

Nach der Explosion in Bologna wurde die ganze Stadt zum Erste-Hilfe-Leistenden: Die Feuerwehr fuhr Busse zu den Krankenhäusern, Zivilisten halfen beim Bergen von Verletzten und Leichen.

Aufklärung wird von allen Seiten behindert

Auf das Attentat folgten ein langes, verworrenes und umstrittenes Gerichtsverfahren sowie politische Diskussionen. Obwohl es sich um eine Tat rechtsextremer Gruppen handelte, versuchten rechte politische Kreise, den Anschlag in der „roten Hochburg“ Bologna der linken Szene in die Schuhe zu schieben.

In acht Prozessen zwischen 1988 und 1994 wurden drei Neofaschisten, darunter das Ehepaar Valerio Fioravanti und Francesca Mambro, als  Täter zu lebenslänglichen Haftstrafen bzw. 30 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand sie der Ausführung des Terrorakts für schuldig. Weitere Freiheitsstrafen wurden wegen Irreführung und Verschleierung gegen einige Geheimdienstleute und gegen den Chef der Geheimloge Propaganda Due (P2), Licio Gelli, verhängt. Die mutmaßlichen Hintermänner  wurden nie ausgeforscht und vor Gericht gestellt.  Opfer und Angehörige mussten bis 2008 auf eine Entschädigungsregelung warten.

Der Ort der Explosion ist heute eine Gedenkstätte. - Foto: LaPresse

Opfer auch aus Südtirol

Unter den Opfern waren auch zwei Südtiroler: Berta Ebner (50) aus St. Leonhard in Passeier und Argeo Bonora (52) aus Salurn. Sonia Zanotti (11) aus Brixen und Giuseppe Soldano (14) aus Vilpian hatten Glück: Sie wurden wie auch 198 weitere Menschen "nur" verletzt. Sonia Zanotti setzt sich seither für das Gedenken an das Massaker ein und organisiert mit der Vereinigung "Insieme per non dimenticare" den Staffellauf, der vom Brenner nach Bologna führt. Gemeinsam mit anderen Staffelläufen aus Italien erreicht er die Gedenkfeiern in Bologna am Morgen des 2. August.

Die Rolle des Geheimdiensts SISMI

Angesichts der Verwicklung des militärischen Geheimdienstes SISMI und der Geheimloge P2 sowie des rechtsextremistischen Täterkreises galt es den beteiligten Richtern zufolge als offensichtlich, dass das Attentat im Rahmen der „Strategie der Spannung“ ausgeführt worden war. Mit dieser sollte jeglicher politischer Fortschritt in Italien verhindert werden. Deshalb stellen die Urteile zum Anschlag von Bologna bis heute niemanden zufrieden. Das zeigt sich jedes Jahr erneut am Gedenktag des Attentats. Mitte-Rechts- und Mitte-Links-Lager beschuldigen einander, die Wahrheit nicht ans Licht kommen lassen zu wollen.

stol/wh 

stol