Montag, 12. April 2021

Vor 60 Jahren: Russe Gagarin fliegt als erster Mensch ins All

60 Jahre nach dem ersten Flug eines Menschen ins Weltall hat Russland historische Fotos und Dokumente zu Juri Gagarin und anderen Kosmonauten im Internet veröffentlicht. Am heutigen Montag wird Gagarins Flug vom 12. April 1961 groß mit Ausstellungen und Veranstaltungen gefeiert.

Vor 60 Jahren flog Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltall.
Vor 60 Jahren flog Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltall. - Foto: © ANSA / ANSA / XXX
Am Ort der Landung des Kosmonauten in der Nähe der russischen Stadt Engels im Gebiet Saratow an der Wolga öffnete am Samstag ein nach Gagarin benannter Park der Entdecker des Kosmos.

Das russische Verteidigungsministerium teilte zu dem neuen Online-Archiv 60cosmonauts.mil.ru mit, dass es sich um einzigartige Zeugnisse handele – auch mit persönlichen Informationen zu den ersten Kosmonauten.

Über Gagarin heißt es da etwa in Beurteilungen, er sei ein mutiger und selbstbewusster Pilot mit ausgezeichneten Leistungen in allen Fächern – mit Ausnahme der Höheren Mathematik.

Veröffentlichungen gibt es auf dem Portal unter anderem auch zu den sowjetischen Raumfahrern German Titow und Alexej Leonow, der als erster einen „Weltraumspaziergang“ absolvierte.

Neben vielen Fotos – nicht zuletzt von dem lachenden Gagarin in seinem Raumanzug – sind zudem die Einsatzbefehle der kommunistischen Staatsführung zu sehen, die sich stets im Wettstreit gesehen hatte mit den USA.

Veranstaltungen auch in Südtirol

Das Russische Zentrum „Borodina“ in Meran nimmt das Jubiläum zum Anlass, um in Zusammenarbeit mit dem Museum für Kosmonautik in Moskau, dem Tourismusverein des „Sternendorfes“ Gummer Steinegg, den Amateurastronomen „Max Valier“ und mehreren Oberschulen aus Südtirol Veranstaltungen durchzuführen.

Oberschulklassen aus Bozen, Meran und Bruneck können an einer Live-Online-Führung durch das Museum für Kosmonautik in Moskau teilnehmen. Im Sternendorf Steinegg-Gummer ist eine Freiluft-Ausstellung mit Bildern der ersten Umrundung unseres Planeten geplant.

Das Planetarium Südtirol und das Naturmuseum würdigen Juri Gagarin mit einem Online-Vortrag in italienischer Sprache, er findet am heutigen Montag um 18 Uhr auf dem YouTube-Kanal des Naturmuseums statt. Zu hören sind dabei Anekdoten und Kuriositäten über Gagarins Geschichte mit Blick auf den damaligen historischen Kontext. Die Teilnahme ist kostenlos.

„Ich bin einer von euch“ – Die Geschichte des ersten Menschen im Weltall

Als der erste Mensch im All vor 60 Jahren wieder Boden unter den Füßen hatte, wurde er zunächst für einen Außerirdischen gehalten. Juri Gagarin überraschte damals die Förstersfrau Anna Tachtarowa mit ihrer Enkelin beim Kartoffelpflanzen auf einem Feld, weil sich die sowjetischen Raumfahrtingenieure beim Landeplatz um Hunderte Kilometer verrechnet hatten.

Wegen des orangen Raumanzugs und des weißen Helms hielten sie Gagarin für ein „Monster“, wie die russische Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda“ schreibt. Der Kosmonaut rief ihnen aber zu: „Ich bin einer von Euch!“

In 108 Minuten umrundete der Kampfpilot im Alter von 27 Jahren einmal die Erde. Er sah damit als erster Mensch den Planeten von oben – nachdem die Sowjets schon einen Satelliten und Hunde ins All geschickt haben.

Es war ein Meilenstein für die Sowjetunion und ein Schock für die USA im Wettlauf der Supermächte im Kalten Krieg. Die kommunistische Propaganda schlachtete dies als Sieg über den Kapitalismus aus.

Was damals aber verheimlicht wurde: Bei dem Flug lief nicht alles glatt.

„In 10 von den 108 Minuten stand Juri Gagarin kurz vor dem Tod“, schreibt die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ Jahrzehnte später. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre löste sich die Landekapsel nicht wie vorgesehen vom Geräteteil des Raumschiffs „Wostok“ (Osten). Sie dockte nur deshalb schließlich ab, weil beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht abgetrennte Verbindungskabel durchbrannten.

Auch beim Landen an der Wolga im Süden gab es eine Panne: Ein Fallschirm löste sich und verhedderte sich dabei nur durch Glück nicht in dem Hauptfallschirm. Ansonsten hätte es Gagarin wohl sein Leben gekostet. Seine Landekapsel sollte eigentlich bei Wolgograd 900 Kilometer südöstlich von Moskau aufsetzen, landete stattdessen aber nahe der nördlich gelegenen Stadt Saratow.

Nach seinem spektakulären Flug machten Gerüchte von Wodka-Exzessen und Frauengeschichten die Runde. Am 27. März 1968 stürzte er beim Test eines Jagdflugzeugs vom Typ MiG-15 UTI bei Moskau ab. Um seinen tragischen Tod ranken sich viele Legenden, weil die Umstände des Unglücks lange geheim geblieben sind. Gagarins Urne wurde bei einem Staatsbegräbnis in der Kremlmauer beigesetzt.

Bis heute ist der nur etwa 1,65 Meter große Kosmonaut und Frauenschwarm mit seinem charmanten Lächeln unvergessen. Es gibt in Russland unzählige Gagarin-Denkmäler und eine Stadt, die nach ihm benannt ist.

In vielen Ländern haben Straßen seinen Namen, auch in Deutschland. Und seinen Namen trägt auch eine Sojus-Rakete, die am vergangenen Freitag drei Raumfahrer zur Internationalen Raumstation ISS bringt. Der Flug ist dem Weltraumpionier gewidmet.

dpa

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