Besonders tragisch ist die Tatsache, dass immer mehr Jugendliche ein Problem mit abhängig machenden Substanzen haben. Unabhängig davon, aus welcher sozialen Schicht sie stammen. Darauf haben auch die Ordnungshüter jüngst nach mehreren Kontrollaktionen Aufmerksam gemacht.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="939835_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />„Ja, es stimmt, die Daten sind besorgniserregend“, bestätigt <b>Liliana Di Fede</b> (im Bild), die Direktorin des Betriebs für Sozialdienste Bozen (BSB). Bei ihr laufen alle Fäden zusammen und somit hat sie, gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung, einen runden Tisch mit allen in diesem Sektor tätigen Trägern einberufen. „In Kürze werden wir ein Maßnahmenpaket schnüren, das einerseits auf Prävention, andererseits aber auch auf konkreter Hilfe für Betroffene und deren Familien basiert“, kündigt Di Fede an. Zum Beispiel soll die erfolgreiche Tätigkeit des Vereins „binario 7“ ausgebaut werden. Die Mitglieder sind mit einem Bus in den stark betroffenen Zonen unterwegs und sprechen suchtgefährdete oder bereits drogensüchtige Menschen an, zum Beispiel am Verdiplatz. „Diese Tätigkeit möchten wir ausbauen“, kündigt Di Fede an. <BR /><BR />Doch auch den Familien soll stärker unter die Arme gegriffen werden. „Wir möchten ihnen Hilfestellung bieten, wenn sie mit diesem Problem konfrontiert sind. Wir möchten aber auch, dass sie rechtzeitig erkennen, wenn ihr Kind Drogen konsumiert oder mit dieser Welt in Kontakt kommt“, spricht Sozialstadtrat Juri Andriollo einen weiteren wichtigen Aspekt an. Familien sollen dem Problem nicht mehr hilflos gegenüber stehen. <BR /><BR />Die Präventionsarbeit an den Schulen wird fortgesetzt und intensiviert, denn der Einstieg in die Drogenszene geschieht immer früher. „Der Kontakt erfolgt oft schon im Mittelschulalter“, erläutert Di Fede. Die konsumierten Substanzen reichen über Kokain bis zu Cannabis und synthetischen Drogen. <h3> <b>Was die Stadtpolizei plant...</b></h3>Es ist schon lange nicht mehr so, dass sich der Drogenhandel auf einige Problemzonen in der Stadt beschränkt. Gerade vor den Bozner Schulen warten die Dealer auf potenzielle Kunden. Die Stadtpolizei macht ihnen aber immer öfter einen Strich durch die Rechnung, wie deren Kommandant Fabrizio Piras berichtet. <BR /><BR /><b>Herr Kommandant, werden die Dealer nicht aufmerksam, wenn plötzlich die Stadtpolizei vor den Schuleingängen steht?</b><BR />Fabrizio Piras: Wir führen diese Aktionen seit etwa einem Jahr in Zivil, also ohne Uniform, durch und haben dafür eine Mannschaft, bestehend aus 10 Stadtpolizisten, zusammengestellt. Die Arbeit verläuft sehr zufriedenstellend. Wir konnten eine beachtliche Menge an Drogen beschlagnahmen und zahlreiche Meldungen erstatten. <BR /><BR /><b>Sind Sie ‚nur‘ vor den Oberschulen anzutreffen oder auch bereits in den unteren Schulstufen?</b><BR />Piras: Vor allem vor den Oberschulen, aber teilweise auch vor den Mittelschulen, denn die Drogenprobleme bei den Jugendlichen beginnen leider immer früher. Ich würde sagen, ab dem Mittelschulalter. <BR /><BR /><b>Was hat die Stadtpolizei dazu bewogen, mit diesem speziellen Projekt zu beginnen?</b><BR />Piras: Das Projekt ist Teil der Aktion ‚Sichere Schule‘. Wir möchten den Schülern einen sicheren Schulalltag ermöglichen; sie sollen nicht schon in der Schule mit problematischen Situationen in Kontakt kommen. Wir möchten Kinder und Jugendliche beim Schulbesuch schützen. <BR /><BR /><b>Denn die Dealer werden immer dreister und bieten jetzt auch scheinbar harmlose Snacks an....</b><BR />Piras: Vor einiger Zeit haben wir vor einer Schule eine größere Menge dieser Snacks und Gummibärchen beschlagnahmt. Die anschließende Analyse im Carabinieri-Labor hat ergeben, dass in diesen Snacks sofort abhängig machende Substanzen enthalten waren. Der Drogenkonsum wird durch solche Produkte erleichtert, da der Konsument weniger Skrupel hat, sie zu sich zu nehmen, als etwa Tabletten zu schlucken oder einen Joint zu rauchen. <BR /><BR /><b>Dennoch ist die Aktion vor den Schulen ein Tropfen auf den heißen Stein, denn Drogen sind in Bozen inzwischen überall erhältlich...</b><BR />Piras: Sicher, wer Drogen sucht, der wird sie finden. Egal ob in der Stadt, im Internet oder über WhatsApp-Gruppen. Doch jede Aktion hilft dabei, das Phänomen in seiner Gesamtheit einzudämmen sowie Dealer und Konsumenten ausfindig zu machen. <BR /><BR /><b>Gerade Jugendliche sind sich der gesundheitlichen, aber auch der rechtlichen Folgen des Drogenkonsums nicht bewusst. Vielfach besteht die Meinung, der Eigenkonsum sei ja ohnehin nicht strafbar...</b><BR />Piras: Das ist ein Irrglaube, denn auch der Eigenkonsum bringt weitreichende Folgen mit sich. Der Konsument wird stets mit Sanktionen belegt und namentlich dem Regierungskommissär gemeldet. Es ist möglich, dass die Person vorgeladen wird oder dass ihr wichtige Dokumente, wie etwa der Führerschein, entzogen werden. <BR /><BR />Information und Hilfe beim Dienst für Abhängigkeitserkrankungen unter Tel. 0473 251760 oder <a href="mailto:serd.me@sabes.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">serd.me@sabes.it</a><BR />