Dienstag, 22. März 2022

Vorarlbergs Spitäler unter größtem Druck seit Pandemiebeginn

Vorarlbergs Krankenhäuser stehen aktuell unter Druck wie nie seit Beginn der Corona-Pandemie vor 2 Jahren. Gerald Fleisch, Direktor der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, berichtete am Dienstag von „dramatischen Personalausfällen, dramatischen Leistungseinschränkungen und dramatischer Personalbelastung“. Am Landeskrankenhaus Feldkirch müsse man die Operationskapazität in dieser Woche um 50 Prozent zurückfahren. Das sei in dem Umfang noch nie notwendig geworden.

Landeskrankenhaus Feldkirch verschiebt diese Woche 50 Prozent der Operationen. - Foto: © APA/THEMENBILD / BARBARA GINDL

Fleisch betonte im Rahmen einer Pressekonferenz, dass die fünfte Welle mit anhaltend hohen Infektionszahlen die Krankenhäuser besonders hart getroffen habe. Das Problem seien aber nicht die aktuell 98 Corona-Erkrankten, die stationär versorgt werden, 4 davon auf der Intensivstation.

„Wir befinden uns mitten in einer Absonderungswelle“, stellte Fleisch fest. Von den etwa 6000 Mitarbeitenden an den Vorarlberger Krankenhäusern stünden aktuell 600 nicht zur Verfügung, 400 davon covidbedingt. 300 der 600 Ausfälle betrafen das Schwerpunktkrankenhaus in Feldkirch, das mit Abstand größte Vorarlberger Spital.

Anders als in Feldkirch gibt es an den Krankenhäusern in Bludenz, Dornbirn und Hohenems im Moment keine Beeinträchtigungen. Am LKH Bregenz sei die Personaldecke so dünn, dass Leistungseinschränkungen kurzfristig nötig werden könnten. Am LKH Rankweil wurden in geringem Ausmaß bereits Einschränkungen in der Neurologie notwendig.

„Wir retten uns von Tag zu Tag“, unterstrich Fleisch. Mitarbeitende müssten kurzfristig einspringen, die Dienstpläne änderten sich beinahe stündlich. Ebenso sei die Verschiebung von Operationen eine riesengroße Belastung für alle Beteiligten. An die Bevölkerung appellierte Fleisch, sich zu schützen. „Bitte halten Sie Abstand, tragen Sie eine Maske und desinfizieren Sie sich die Hände“, richtete er das Wort an die Bürger. Patienten und Angehörige bat er um Verständnis für die Verschiebungen. Eine Verkürzung der Absonderungszeit auf fünf Tage befürwortete Fleisch. „Für uns macht eine vorsichtige Liberalisierung Sinn“, so Fleisch. In ausgewählten Bereichen könnte man so „Mitarbeiter zurückholen“.

Wolfgang Hoffmann, Leiter der Abteilung für Gefäßchirurgie und OP-Koordinator am LKH Feldkirch, betonte, dass die Verschiebung von Operationen „für alle schwierig“ sei. Man könne aber jedenfalls garantieren, dass kein Patient zu Schaden komme. Hoffmann hoffte, „dass es in vier bis fünf Wochen vorbei ist“. Anschließend werde man „die Dinge wieder aufholen“, versprach er. Jürgen Zengerle, Pfleger am Krankenhaus Dornbirn, stellte fest: „Es sind alle müde, es sind alle am Anschlag. Alle hoffen auf ein Abflachen der Welle.“ Das System sei nur aufgrund der „unheimlichen Professionalität und Flexibilität der Mitarbeitenden“ aufrecht zu erhalten.

apa

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