Dienstag, 16. Juni 2020

Vorsicht vor Betrug im Netz

Das Streaming von Filmen erlebt einen weltweiten Boom. Auch Südtiroler sind begeisterte Streamer, gerade zu Coronazeiten. Vorsicht ist jedoch bei verlockenden Gratisangeboten geboten, denn sehr häufig verbergen sich kostspielige Abofallen dahinter. Die Kampagne mit dem Titel „Safer Streaming“ des Europäischen Verbraucherzentrums Österreich soll über mögliche Gefahren aufklären.

Bevor man zahlt, sollte man sich lieber den Rat von Experten holen, warnt die Europäische Verbraucherzentrale.
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Bevor man zahlt, sollte man sich lieber den Rat von Experten holen, warnt die Europäische Verbraucherzentrale. - Foto: © APA (Symbolbild/AFP) / ISSOUF SANOGO
Das Streaming boomt – und die Zahlen, die dies untermauern sind durchaus beeindruckend: 60 Prozent des weltweiten Datenstroms hin zu Nutzern macht Videostreaming aus, in Europa gibt es jedes Jahr 42 Prozent mehr Streaming-Abos und von den Millennials, also von den um die Jahrtausendwende Geborenen, nutzen 89 Prozent Streaming-Dienste.

Doch im Netz tummeln sich nicht nur seriöse Unternehmen, sondern auch zahlreiche dubiose Anbieter: So gibt es Hunderte von gefälschten Streaming-Seiten, die dem gleichen Muster folgen und in verschiedensten Staaten Europas eingerichtet wurden. Häufig sind es wohl die gleichen Drahtzieher, die dahinterstecken.

Wie erkenne ich ein gefälschtes Streamingportal?

Streamingabzocker treten unauffällig auf. Sie ködern die Verbraucher mit einem Standardauftritt mit Vorschaubildern oder verlockenden Videovorschauen auf Inhalte, welche in einem kurzen, kostenlosen Testabonnement zugänglich gemacht werden sollen.

Nach der Registrierung merkt man jedoch ganz schnell, dass man auf die versprochenen Inhalte nicht zugreifen kann. Da man nichts bezahlt hat, vergisst man die Angelegenheit und erlebt dann eine böse Überraschung, wenn nach einigen Tagen eine Rechnung über mehrere hundert Euro ins Haus flattert. “Das kostenlose Testabo wurde automatisch in ein kostenpflichtiges Jahresabo umgewandelt“, heißt es in der Zahlungsaufforderung.

Wichtig: Zahlen Sie nicht!

Dass der Trick funktioniert, kann Isolde Brunner, Rechtsberaterin beim Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Bozen, nur bestätigen: “Seit mehreren Jahren melden sich bei uns Verbraucher, die ungewollt ein teures Jahresabo mit einer gefälschten Streaming-Seite abgeschlossen haben. Gerade in Coronazeiten haben sich Verbraucher zu diesem Thema wieder verstärkt an uns gewandt: Im Zeitraum vom 1. März bis 10. Juni 2020 waren es etwa 100. Zum Glück konnten wir die allermeisten aufklären, bevor sie aus Angst vor angedrohten gerichtlichen Konsequenzen der Zahlungsaufforderung nachgekommen sind.“

In jedem Fall sollten sich Verbraucher von den sehr aggressiv formulierten Zahlungserinnerungen auf keinen Fall einschüchtern lassen, sondern sich Hilfe von Experten holen.

Nicht leichtfertig Daten preisgeben!

Neben dem Verkauf von gefälschten Abos profitieren Internetbetrüger laut Europol auch vom Phishing, dem Verkauf personenbezogener Daten, die bei der Registrierung eingegeben werden.

Eine weitere Einnahmequelle stellt die Werbung dar. Aufdringliche Pop-Up Werbung kann auf dem Bildschirm erscheinen. Sie ist so programmiert, dass sie schwer loszuwerden ist, und dem Betreiber der Seite beim Wegklicken Gewinn verschafft. Zusätzlich besteht für den Verbraucher die Gefahr, beim Versuch, Werbung oder gefälschte Fehlermeldungen loszuwerden, sein Gerät mit Viren und Schadsoftware zu infizieren.

Zahlreiche weitere Informationen zum “Safer Streaming“ finden Sie in der vom EVZ Österreich in Zusammenarbeit mit dem Fachverband für Film und Musikwirtschaft (FAMA) veröffentlichten Broschüre, die online abgerufen werden kann.

stol