Virologe Dr. Gernot Walder weiß, wann die kleinen Blutsauger aktiv sind und wie man sich am besten schützen kann.<BR /><BR /><b>Die warme Jahreszeit geht zu Ende. Ist die Zeckensaison damit vorbei?</b><BR /> Dr. Gernot Walder: Die Hauptaktivitätszeit liegt zwar zwischen Mitte April und Ende Oktober. Entscheidend ist aber nicht der Kalender, sondern die Temperatur. Schon einige Tage mit Temperaturen über fünf Grad können ausreichen, damit Zecken aktiv werden. In Teilen Südtirols, etwa südlich von Bozen, werden sie inzwischen ganzjährig nachgewiesen.<BR /><BR /><b>Zecken werden zunehmend in höheren Lagen nachgewiesen. Wie weit sind sie vorgedrungen?</b><BR />Dr. Walder: Je wärmer es wird, desto kürzer sind die Reproduktionszyklen und umso wahrscheinlicher ist es, dass sich eine Population etablieren kann. Einige Arten kommen bereits über der Waldgrenze vor, gesicherte Nachweise reichen bis rund 2.000 Meter. Entscheidend sind neben der Temperatur Faktoren wie Feuchtigkeit und Bodenvegetation, aber auch diese werden vom Klima beeinflusst.<BR /><BR /><b>Also ist man auch im Hochgebirge nicht vor Zecken sicher?</b><BR />Dr. Walder: Typische „Zeckenkrankheiten“ wie FSME oder Borreliose treten zunehmend in höheren Lagen auf. Wird es sehr warm und trocken, verlagern die Zecken in den tieferen Tallagen ihre Aktivität in die Tagesrandzonen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit von Stichen bei Menschen. In Tälern und an Hängen sind die Bedingungen tagsüber günstiger und die Zecken sind dort länger auf Wirtssuche – auch zu Zeiten, in denen Menschen im Gelände unterwegs sind. Hier steigt die Wahrscheinlichkeit von Stichen und damit das Erkrankungsrisiko.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360344_image" /></div> <BR /><BR /><b>Warum spricht man von einem Zeckenstich und nicht von einem Zeckenbiss?</b><BR />Dr. Walder: Zecken haben keine beweglichen Kiefer, ritzen die Haut mit Schneidwerkzeugen an und schieben dann einen Stechrüssel mit Widerhaken in die Wunde – deshalb stechen sie. <BR /><BR /><b>Wo verstecken sich die Blutsauger besonders gern?</b><BR />Dr. Walder: Zecken finden wir meistens unter der Achsel, in der Leiste oder in Körperfalten und am Haaransatz, bei Kindern oft auch am Kopf und im Nacken.<BR /><BR /><b>Eine Zecke hat zugestochen. Was ist zu tun?</b><BR />Dr. Walder: Rasches Entfernen reduziert das Risiko einer Borreliose, weil Borrelien erst nach zwölf bis 24 Stunden übertragen werden. FSME-Viren gehen dagegen sofort mit dem Stich über – hier hilft schnelles Entfernen nicht. <BR /><BR /><b>Worauf ist beim Entfernen zu achten?</b><BR />Dr. Walder: Man fasst die Zecke mit einer Pinzette möglichst weit vorne an den Mundwerkzeugen und zieht sie langsam und gerade heraus. Wichtig ist, niemals am vollgesogenen Körper zu ziehen. Nagellack oder Öl sollen nicht verwendet werden. Die Zecke lässt dadurch nicht los, sondern injiziert mehr Sekret und damit größere Erregermengen in die Wunde.<BR /><BR /><b>Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?</b><BR />Dr. Walder: Rötungen und Juckreiz sind zunächst normal. Die Rötung sollte aber lokal begrenzt bleiben und nach dem dritten Tag nicht mehr größer werden. Eine mehr als fünf Zentimeter große Rötung, die nach dem dritten Tag noch zunimmt, Fieber oder geschwollene Lymphknoten sollten ärztlich abgeklärt werden. Das gilt auch für Kopfschmerzen, Nackensteife oder eine Gesichtslähmung in den Wochen danach.<BR /><BR /><b>Was kann man tun, damit es nicht erst so weit kommt?</b><BR />Dr. Walder: Zecken sind perfekt angepasste Parasiten, eine Vorbeugung gegen Stiche ist schwierig. Die Tiere wandern eine Zeit lang am Wirt entlang und suchen die optimale Stichstelle. Lange Kleidung verzögert zwar die Zeit bis zum Stich, verhindert ihn aber nicht. Gut untersucht ist die Schutzwirkung von Permethrin: Damit imprägnierte Kleidung reduziert den Zeckenbefall signifikant, wenngleich nicht auf null. Wesentlich ist jedenfalls, nach einem Aufenthalt im Gelände den Körper genau nach Zecken abzusuchen und sie rasch zu entfernen.<BR /><BR /><b>Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Wie sieht es bei FSME aus?</b><BR />Dr. Walder: Bei FSME bietet eine Impfung einen verlässlichen Schutz. Das ist auch in Südtirol zunehmend wichtig. Gegen Borrelien, Rickettsien und Anaplasmen gibt es keine Impfung, sie können aber mit speziellen Antibiotika behandelt werden.