Vor fünfeinhalb Jahren, im März 2020, mussten im Sanitätsbetrieb rasch wichtige Entscheidungen getroffen werden. Immer mehr Menschen hatten sich mit einem gefährlichen, unbekannten Virus namens Corona infiziert. Es brauchte dringend Schutzausrüstung – die aber weltweit kaum mehr zu haben war.<h3> Firma Oberalp übernahm die Vermittlung</h3>Detailliert skizzierte die Staatsanwältin am Rechnungshof, Alessia Di Gregorio, gestern die Ereignisse rund um den Ankauf von Schutzmasken aus China nach. Bekanntermaßen hatte die Firma Oberalp die Vermittlung beim Ankauf der Schutzausrüstung übernommen ( <a href="https://www.stol.it/artikel/wirtschaft/maskenaffaere-nun-reden-oberrauch-und-engl" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wir haben berichtet</a>). <BR /><BR />Wie sich später herausstellte, wies ein Teil der Lieferung aber laut Gutachten technische Mängel auf. Der Ex-Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer, und Verwaltungsdirektor Enrico Wegher hätten laut Di Gregorio gewusst, dass die Schutzmaterialien nicht den Anforderungen entsprochen hätten. Damit sei der öffentlichen Hand ein hoher Schaden entstanden. Zerzer und Wegher sollen dem Sanitätsbetrieb insgesamt über 6,7 Mio. Euro zurückerstatten, forderte die Staatsanwaltschaft. „Millionen an öffentlichem Geld wurden verschwendet“, so Di Gregorio.<h3> Wie die Verteidiger argumentieren</h3> Zerzer und Dr. Patrick Franzoni, dem damaligen stellvertretenden Leiter der Covid-19-Taskforce, wird zudem vorgeworfen, nachträglich versucht zu haben, vom Dekra-Zertifizierungszentrum in Deutschland doch noch ein positives Gutachten für die China-Masken zu erhalten. Dafür seien bewusst bestimmte Masken für neue Labortests ausgewählt worden. <BR /><BR />Diese Tests hätten 31.711,46 Euro gekostet – wofür die beiden jetzt laut Anklage aufkommen sollen. „Diese Überprüfungen waren notwendig und im öffentlichen Interesse“, erklärte Dr. Franzonis Verteidiger, Rechtsanwalt Mattia Praloran, gestern.<BR /><BR />Wie die Verteidiger argumentierten, habe der Sanitätsbetrieb in einer äußerst kritischen Notsituation gehandelt. Der staatliche Zivilschutz und das Land seien damals nicht in der Lage gewesen, Schutzmaterialien bereitzustellen. „Florian Zerzer hatte keine persönlichen Vorteile vom Ankauf. Auch hatte er keine Verbindung zur Firma Oberalp. Das Unternehmen hatte ein Angebot an Landeshauptmann Arno Kompatscher gemacht, Südtirols obersten Zivilschützer“, erklärte Zerzers Verteidiger Federico Fava. <BR /><BR />Am 13. März 2020 habe das Büro des Landeshauptmannes dem gesamtstaatlichen Zivilschutz ihr Vorhaben mitgeteilt, das Schutzmaterial zu erwerben, argumentierte Fava in der Verhandlung. <h3> Urteil in den nächsten Wochen erwartet</h3>Das Urteil wird in den nächsten Wochen erwartet. Ab Jänner müssen sich Zerzer, Dr. Franzoni und der Geschäftsführer der Oberalp AG, Christoph Engl, in einem Hauptverfahren wegen des Verdachts auf betrügerische Handlungen bei öffentlichen Lieferungen vor dem Bozner Landesgericht verantworten.