Im Raum steht auch der Verdacht, dass der Mann die CD anderen Personen gezeigt haben könnte. Das Strafverfahren am Landesgericht wurde gestern vertagt. Das „Corpus delicti“ – der sichergestellte Datenträger mit den privaten Fotos – befand sich nicht in den Akten. Möglicherweise befindet sich die CD noch in Obhut der Postpolizei, die das Beweismaterial im Auftrag von Staatsanwalt Markus Mayr sichergestellt hatte. Beim nächsten Verfahrenstermin wird Richter Oswald Leitner Zeugen anhören. Im Jahr 2011 hatte die Frau Anzeige erstattet, ebenso deren Ex-Freund. Wie die beiden erklärten, hätten sie in der Vergangenheit gelegentlich ausschweifende Partys besucht. Es existierten private Fotos, die sie u. a. beim Gruppensex zeigten. Diese Fotos hatte die Frau in ihrem Computer gespeichert und auch aufgehoben, nachdem die Beziehung beendet war. Inzwischen war sie eine neue Partnerschaft eingegangen. Das Problem sei, dass der neue Freund die Bilder im Computer entdeckt und sie als Druckmittel verwendet habe, erklärte die Frau. Der 52-Jährige habe bei einem Streit gedroht, die Bilder ins Internet zu stellen. Auch habe er die Bilder auf CD gebrannt, und sie möglicherweise fremden Menschen gezeigt, beklagten die Frau und ihr Ex. Die Staatsanwaltschaft und die Postpolizei suchten im Internet nach den Aufnahmen und wurden auch bald fündig. Beim Freund der Frau wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Dabei fanden die Ermittler auch die belastende CD.Da der Mann – inzwischen nachvollziehbarerweise auch zum Ex mutiert – die Frau weder um Geld angegangen noch andere Forderungen gestellt hat, die sich als Erpressung einstufen ließen, wird ihm dieser Straftatbestand nicht angelastet. Verantworten muss er sich aber wegen Verstoßes gegen das Privacy-Gesetz, da er laut Anklage offensichtlich sensible Daten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht habe. rc/D