„Meine Anwesenheit in einer Gegend, in der es bisher keine Mafiaprozesse gab, ist durchaus angebracht: Vorbeugen ist nämlich besser als heilen“, zeigte sich Morra am Rande des Verfahrens überzeugt. Die Mafia suche den Reichtum, und das Trentino sei eine reiche Provinz. „Die 'Ndrangheta ist die wichtigste mafiöse Organisation in Europa mit enormen wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten“, warnte Morra.<BR /><BR />Keiner der Angeklagten war bei dem Schwurgerichtsverfahren persönlich anwesend: 15 Personen sitzen im Gefängnis, 2 stehen unter Hausarrest, eine Person ist auf freiem Fuß. Alle wurden per Video zugeschaltet. Einige der Angeklagten sind derzeit an Covid erkrankt, auch ein Geschworener musste krankheitsbedingt ersetzt werden.<BR /><BR />Vor dem eigentlichen Prozessauftakt wurde eine Gedenkminute an den kürzlich gestorbenen und allseits beliebten Trentiner Rechtsanwalt Giampiero Mattei eingelegt. Vor dem Gerichtsgebäude fand eine Demo der Vereinigung „Libera“, die sich gegen die Mafia engagiert, statt. <BR /><BR />Den Vorsitz im „Perfido“-Prozess hat Richter Carlo Busato vom Bozner Landesgericht inne. Er übernahm das Amt, da viele der Trienter Richter bereits im Rahmen der Vorerhebungen Entscheidungen in dem Fall gefällt und sich somit jetzt enthalten hatten. <BR /><BR /><b>Verdacht: Schrittweise Kontrolle über Steinbrüche übernommen</b><BR /><BR />Im Oktober 2020 hatten die Carabinierieinheit ROS und die Finanzpolizei unter Leitung der Trienter Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft Ermittlungen zu einer mutmaßlichen mafiösen Unterwanderung im Trentino durchgeführt. Der Verdacht: Seit Ende der 1980er-Jahre soll die 'Ndrangheta schrittweise die Kontrolle über die Porphyr-Steinbrüche des Cembratales übernommen und daran Millionen verdient haben. Schließlich wurden 18 Haftbefehle zugestellt, etliche Güter der Tatverdächtigen in Höhe mehrerer Millionen Euro wurden beschlagnahmt. <BR /><BR />Nicht alle Angeklagten werden derselben Vergehen beschuldigt. Der Bogen der schweren Verdachtsmomente, die im Raum stehen, spannt sich von mafiöser Bandenbildung bis zur Sklaverei. Die Opfer sollen laut Anklage die Arbeiter in den Steinbrüchen gewesen sein. 3 von ihnen – es handelt sich um chinesische Staatsbürger – haben sich als Nebenkläger in das Verfahren eingelassen. Ebenfalls als Nebenkläger zugelassen hat das Schwurgericht gestern die Provinz Trient, die Gemeinde Lona-Lases sowie die Gewerkschaften Fillea-Cgil und Filca-Cisl sowie die Genossenschaft Altrotrentino. <BR /><BR />Die Verteidiger brachten eine Reihe von Einwänden vor, die 3 Staatsanwälte Davide Ognibene, Maria Colpani und Licia Scagliarini werden am 3. Februar, wenn das Verfahren fortgesetzt wird, zu den Einwänden Stellung nehmen.