Mittwoch, 03. Februar 2021

VZS rät zur Vorsicht bei Abschlüssen von Lebensversicherungen

Jüngst häufen sich in der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) wieder die Anfragen zum Thema Lebensversicherungen. Seit Jahren rät die Verbraucherzentrale generell zur Vorsicht, wenn es um diese Verträge geht.

Die Verbraucherzentrale Südtirol rät zur Vorsicht, wenn es um neue Abschlüsse und Ablösungsangebote von Lebensversicherungen geht.
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Die Verbraucherzentrale Südtirol rät zur Vorsicht, wenn es um neue Abschlüsse und Ablösungsangebote von Lebensversicherungen geht. - Foto: © dpa-tmn / Jens Büttner
Bei diesen Produkten liegen nämlich die Vorteile selten bei bei den Verbrauchern, und viel zu häufig bei den Versicherungsgesellschaften. Der Grund hierfür sind die allzu langen Laufzeiten (bis zu 45 Jahre) und die hohen Kosten. Zudem müssen Verbraucher enorme Verluste bei vorzeitigem Ausstieg hinnehmen.

Herr W. verliert über 10.000 Euro

So erging es Herrn W., der sich vor wenigen Wochen an die VZS wandte. Er hatte vor 7 Jahren einen Lebensversicherungsvertrag mit einer Laufzeit von 34 Jahren abgeschlossen. Nun steht der Wohnungskauf an und alle vorhandenen Geldmittel sollen in die Wohnung fließen. So auch die Lebensversicherung, bei der er bis dato 15.000 Euro einbezahlt hat. Nach seiner Anfrage an die Versicherung wurde ihm mitgeteilt, dass seine Position gerade mal 4700 Euro wert ist und im Falle einer Kündigung diesen Betrag erhalten würde. Ein Verlust von über 10.000 Euro.

Herr W. ist sehr verärgert. Am meisten ärgert er sich über sich selbst, da er dem Versicherungsvermittler blind vertraut hatte, ohne genaue Rückfragen zu stellen oder die Vertragsunterlagen durchzulesen. Der Vermittler hatte ihm mündlich eine Menge Unwahrheiten aufgetischt, die dazu abzielten, das Produkt so schmackhaft wie möglich aussehen zu lassen.

In der VZS kennt man diese Fälle: leider wiederholen sich die Beschwerden immer wieder, wobei einige wenige „übliche Verdächtige“ unter den Vermittlern immer wieder genannt werden. Diese scheinen nur daran interessiert, neue Verträge zu verkaufen, um so ihre Provisionen zu sichern; dabei wird nicht im Interesse der Kunden gehandelt, weswegen auch bereits die Versicherungsaufsichtsbehörde informiert wurde.
Ältere Verträge auflösen? Nein danke! Weitere Anfragen beziehen sich auf bereits ältere Verträge, die in den 90er Jahren verkauft wurden.

Vorsicht bei Alternativangeboten

Wer diese seit Jahren regelmäßig zahlt und plötzlich mit einem Alternativangebot konfrontiert wird, sollte vorsichtig sein. Ältere Verträge haben meist bessere Bedingungen und sehen teilweise garantierte Zinssätze vor, die heutzutage kein Vertrag mehr bieten kann. Solche Verträge stellen Verlustgeschäfte für die Gesellschaften dar, und so wird man verstärkt versuchen, diese Schritt für Schritt aufzulösen.

Weiters sehen ältere Verträge noch einen Steuervorteil vor, den es bei neuen Verträgen (ab 31.12.2000) nicht mehr gibt. Aus der Sicht der Verbraucher sollten diese Verträge, wenn das Geld nicht benötigt wird, nicht aus ihrer Hand geben, trotz mancher reizvollen „Option zum vollständigen Rückkauf“. Fazit: Verbraucher sollten sich stets kritisch mit dem Produkt auseinandersetzen und Angebote eventuell auch durch einen neutralen Experten überprüfen lassen.

Generell raten die Experten der VZS zur Vorsicht! Verträge sollten nicht überhastig unterzeichnet werden. Zuvor sollten Vertragsbedingungen genauestens unter die Lupe genommen werden und zudem der Rat eines unabhängigen Experten eingeholt werden. Rat und Hilfestellung gibt es bei der Verbraucherzentrale Südtirol (Tel. 0471-975597, [email protected]).

stol